Die Zukunft des Körpers

Der biologische Körper: ein Auslaufmodell?

Auf der anderen Seite wird versucht, biologische Mechanismen oder Lebensformen in Forschungsrichtungen wie Artificial Life, Robotik, neuronalen Netzwerken oder anderen komplexen Systemen zu reproduzieren oder zu simulieren. Mikrosysteme, minimal invasive Verfahren oder Sensoren wurden entwickelt, um auch die kleinsten Prozesse in unseren Körpern zu analysieren, zu stimulieren und zu manipulieren, in den man nun mit den bildgebenden Verfahren in Echtzeit hineinblicken und auf den man durch Telerobotik auch aus der Ferne chirurgisch einwirken kann.

Im Zeichen der prinzipiellen Veränderbarkeit, Austauschbarkeit und Ersetzbarkeit von körperlichen Organen, Geweben, Flüssigkeiten und Funktionen ist jede Anthropologie an ihr Ende gekommen, die das Wesen des Menschen stets danach bestimmt hatte, was er selbst nicht gezielt verändern kann. Die Gentechnologie scheint zu versprechen, daß die Menschen die Körper ihrer Nachkommen gestalten können, die Reproduktionstechnologie, daß diese nicht mehr durch Sexualität und möglicherweise Geburt entstehen, die plastische Chirurgie, daß der gegebene Körper in seiner Form und seinem Geschlecht nicht mehr Schicksal ist, die Transplantation von Organen oder die Implantation von gentechnisch erzeugten oder technisch konstruierten Maschinen, daß der Körper auch in seinem Inneren verändert und erweitert sowie seine Lebensdauer verlängert werden kann, Künstliche Intelligenz, Künstliches Leben und Robotik, daß Leben und Geist auch auf anderen Trägern gebildet und unterhalten werden können.

Gleichwohl ist die Zukunft des Körpers natürlich nicht nur eine Sorge des technisch aufgerüsteten Menschen, der tief in die Lebensprozesse eingreifen und diese simulieren kann. Auch früher kannte man Wesen, die einen anderen Körper besaßen, der den Wünschen eher entsprach, der perfekt und makellos war. Ein entscheidender Einschnitt war vermutlich das Christentum, das nicht nur gegen die Einsperrung der Seele in den Körper revoltierte, sondern das auch das Bild eines anderen Körpers kultivierte - den Körper nach der Erlösung, die Transsubstantion eines Körper in einen anderen.