Die Zukunft eines Filmfestivals

Independent Days V zeigt Filme auch online

Glamour, Stars, Sternchen. Und natürlich der rote Teppich, über den letztere unter dem tosenden Beifall der Menge stolzieren. So dürften sich die Meisten ein Filmfestival vorstellen. Doch hier geht es nicht um Cannes, die Biennale oder das Sundance. Hier geht es um ein Low- und No-Budget Filmfestival in Baden: Die Karlsruher Independent Days. Zum fünften Mal heißt es mittlerweile "Vorhang auf!". Allerdings für Filme, die fernab von der kostspieligen Hollywood-Industrie gedreht wurden.

Gemüse der etwas anderen Art: A-Lien & B-Lien

Das Besondere an den I-Days V: Bereits vor dem Festival können etliche der Produktionen Online im Internet - zusammen mit verschiedenen Boni wie Interviews oder dem Festival-Trailer - angesehen werden. Möglich macht dies Kanal Global. Der Internet-Dienstleister stellt Filme und Videos ins Netz. Über ISDN oder DSL kann der User diese dann über den Real Player auf den heimischen Bildschirm laden.

Ein Online-Festival, bei dem sich der Festival-Gast gemütlich vor dem heimischen Bildschirm zurücklehnen und die Filme ohne nervige, Popcorn knirschende Platznachbarn genießen kann. Mit der entsprechenden Rechenleistung und Internet-Verbindung natürlich. Denn sonst wird aus dem Vergnügen schnell ein nervenaufreibendes Unterfangen. Hier zeigt sich, dass die Computer-Technologie die "alten" Vorführ-Apparaturen noch keineswegs ersetzen kann. Doch das sollen sie - wenn es nach den Organisatoren der I-Days geht - auch nicht.

Nichts geht über die Atmosphäre eines mit Publikum gefüllten Kinosaals, wenn das Licht ausgeht und der Projektor startet. Dieses Gefühl konnten schon die hoch-technisierten Heimkinos mit riesigem Fernseher und Dolby SR-Sound-Anlagen nicht ersetzen. Und das Internet ist sogar noch etliche weitere Lichtjahre davon entfernt. Denn als Problem steht zuvorderst natürlich die vergleichsweise mangelnde Qualität der Internet-Filme. Zwar werden dank neuer Video-Kompressions-Verfahren die Daten-Durchsätze und somit auch die Qualität der Videos erhöht. Aber ein hinreichender Ersatz zum Kino sind sie noch lange nicht.

Im Falle der I-Days geht es auch nicht um einen Ersatz, sondern um eine Ergänzung. Das Festival selbst findet - wie es sich für ein Festival gehört - in einem echten Kinosaal mit echtem Publikum vom 28. bis 30. März statt. Die Macher sind nicht nur Cineasten, sondern selbst Medienschaffende. Und da ist es in einer Hochburg der Neuen Medien wie Karlsruhe nicht weiter verwunderlich, dass diese auch stark genutzt werden. Experimentierfreude steht hier im Vordergrund.

Noch bevor das Festival Ende März beginnt, kann sich der potentielle Besucher denn auch ausgiebig über das Festival oder die Filme im Web informieren. Stadt-TV aus Pforzheim hat bereits einige Interviews mit Filmemachern ins Netz gestellt, in denen diese über ihre Filmarbeit sprechen. Neben den neueren Internet-Technologien werden von den Festival-Machern natürlich auch die klassischen genutzt: In einer Filmdatenbank sind zum Beispiel die Produktionsdaten der Filme verzeichnet.

Neu ist dies nicht, Vergleichbares wird zum Beispiel von der International Movie Data Base schon seit Jahren praktiziert. Gerade für Low- und No-Budget-Filmer war es indes bisher fast unmöglich, mit ihrer Produktion in diese Datenbank aufgenommen zu werden. Eben dies war aber das Ziel der I-Days-Organisatoren: Low- und No-Budget-Filmern eine Plattform zu geben. Denn seit dem Vorsturm von Videokameras und digitalen Schnittsystemen schießen diese wie Pilze aus dem Boden. Aber Video-Filmer haben es schwer, ihre Filme auf größeren Festivals zu platzieren, da solche oft nur Produktionen auf Celluloid annehmen. Vielleicht müssen aber auch diese bald umdenken, denn selbst in Hollywood wird immer stärker auf Video-Material produziert. George Lucas hat es mit "Star Wars - Episode II" vorgemacht. (Oliver Langewitz)