Die Zukunft von gestern

Virtuelle Ausstellung über visionäre Designs im Transportgewerbe: von der luftdruckbetriebenen U-Bahn bis zum mobilen Ampelmann

Nach den großen Flops der letzten Jahre im hoch technisierten Beförderungswesen - von der Concorde über den Transrapid bis hin zur LKW-Maut (vgl."Think positive") - ist langsam Gewissheit eingekehrt, dass es Grenzen bei der technischen (und finanziellen) Realisierung solcher Projekte gibt. Grenzen, die in Zeiten der aufblühenden Industriegesellschaften Ende des 19. Jahrhunderts, als die Technisierung der Gesellschaft im Überholtempo stattfand, kaum vorstellbar waren. Nichts schien unmachbar, der Fortschrittsglaube die Religion der Zeit. Die Universität von Berkeley hat nun eine schöne Auswahl dieser Visionen unter dem Titel "Transportation Futuristics" als virtuelles Museum ins Netz gestellt.

Zwischen 1870-1873 verkehrte beispielsweise eine mit Luftdruck angetriebene U-Bahn in New York. Innen mit gepolsterten Sesseln ausgestattet, Ölgemälden an der Wand und sogar Kronleuchtern an der Decke, erreichte der Zug immerhin eine Reisegeschwindigkeit von rund 15 Kilometern in der Stunde. Aufgrund der hohen Kosten für den pneumatischen Antrieb und der Problematik, die Verteilung der Luftmassen für die vielen Stationen einer U-Bahnlinie unter Kontrolle zu bringen, scheiterte jedoch das Projekt. Zudem standen bereits neue Technologien, wie beispielsweise mit Dampfmaschinen betriebene Fahrzeuge, in den Startlöchern.

Pneumatische U-Bahn (Quelle: alle Bilder Universität von Berkeley)

Luft als Antriebsart, dies begeisterte auch den amerikanischen Arzt Dr. William Bertelsen in den 50‚er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In der Pampa wohnend, wo die Wege bei Regen stets aufgeweicht waren und das Auto regelmäßig im Matsch versank, wurde manch eine Patientenvisite zur Qual. Da der Doktor auch technisch beflissen war, entwarf er ein Luftkissen-Auto, welches unabhängig von der Härte der Bodenbeschaffenheit 15 Zentimeter über dem Untergrund gleiten sollte.

Hover-Car

Nachdem Hubschrauber im Korea-Krieg (1950-53) erstmals im größeren Umfang zum Einsatz kamen, wuchs in den USA auch das Interesse an einer nicht-militärischen, kommerziellen Nutzung dieser Geräte. Nicht nur Riesen-Helikopter waren in Planung, auch der kleine Hubschrauber für den Otto-Normalverbraucher sollte das Transportwesen revolutionieren. Wie beispielsweise die "Hiller Hornet": schlappe 5000 US-Dollar wären für das garagenfähige Gefährt zu berappen gewesen. Angetrieben werden sollte der Volks-Heli von so genannten Staustrahltriebwerken , die am Ende eines jeden Rotorblattes montiert waren. Bis sie gezündet werden konnten, musste man jedoch zuerst mit Handkurbel oder Elektromotor den Rotor auf 50 Umdrehungen in der Minute beschleunigen.

Staustrahltriebwerk-Helikopter

Nie wieder Staus auf der Autobahn - das dachten sich wohl auch die Planer des "TransDrive Transportation System". Privat-PKW sollten demnach mit einer Metallschlaufe auf dem Dach ausgerüstet werden. Nachdem man die Kontrollstation mit der entsprechenden Reiseroute passiert hat, greift ein oberirisches, automatisiertes Liftsystem das Fahrzeug auf und gemütlich geht's dann zum gewünschten Ziel.

TransDrive Transportation System

Wer's eiliger hat, dem sei der pferdelose Sulky aus dem Jahre 1935 zu empfehlen. Auch wenn nicht näher bekannt ist, wie das Bremssystem funktioniert, sollte das zweireifige Gefährt bis zu 185 Kilometern in der Stunde erzielen können.

Horseless Sulky

Geschwindigkeiten, die diese Herren zu unterbinden hatten: Für eine kurze Zeit, bevor es in New York fest montierte Ampelanlagen gab, mussten Polizisten als Ampelmänner den Verkehr regeln. Diese batteriebetriebenen mobilen Ampelkästen waren ganz klassisch mit einem grünen, gelben und roten Licht ausgestattet und konnten per Hand mit einem Knopf gesteuert werden. Der große Vorteil: der Polizist konnte im Gegensatz zur statisch eingerichteten Ampel konkret auf das Verkehrsaufkommen reagieren.

Ampel-Männer

Wer sich von weiteren Visionen aus der Vergangenheit inspirieren lassen will, kann bis Ende September weitere Exponate von "Transportation Futuristics" in der Bernice Layne Brown Gallery (Berkeley/Kalifornien) bewundern. (Jörg Prigge)

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