Die Zusammenarbeit zwischen den USA und Nordkorea war schon besser

Bild "Kim Jong-Un": User P388388 / CC-BY-SA-4.0; Bild "Donald Trump": U.S. federal government

Donald Trump rühmt sich, dass er die Kommunikation mit Kim Jong-un normalisiert habe, dabei war die Zusammenarbeit zwischen Nordkorea und den USA zu Beginn diese Jahrzehnts schon deutlich besser als unter Trump

Unter großem Pressegetümmel haben sich Donald Trump und Kim Jong-un kürzlich in Singapur getroffen, nachdem man sich kurz zuvor noch in einem verbalen Gefecht mit Atomschlägen gedroht hatte. Der jetzt erreichte Stand liegt weit hinter dem zurück, was schon vor der Jahrtausendwende erreicht worden war.

So gab es beispielsweise das SWEDPRA (Small Wind Energy Development and Promotion in Rural Areas) Projekt, das nach einer deutlichen Verzögerung im Oktober 2012 starten sollte, aber im Folgejahr eingestellt wurde, weil kein Budget zur Verfügung gestellt wurde. Das Projekt ging zurück auf eine von der Global Environment Facility der Weltbank geplante Maßnahme und sollte damals über USAid finanziert werden. Man beabsichtigte die Entwicklung und den Bau kleiner Windkraftanlagen (small-scale wind energy systems / SWES), um Nordkorea eine Option zum Ersatz von Kohle-befeuerten thermischen Kraftwerken zu bieten.

Nordkorea war damals zu 60 Prozent von Kohlestrom abhängig. Die Anlagen mit einer Leistung von 300 Watt sollten vorwiegend in ländlichen Gegenden eingesetzt werden. Zudem wollte man Nordkorea die Möglichkeit zur Entwicklung eines Exportproduktes geben. Mit dem Fokus auf Kleinwindkraftanlagen konnte man vermeiden, den international agierenden Windkraftanlagenherstellern in die Quere zu kommen. Dieses Marktsegment war für praktisch alle kommerziellen Anbieter im Westen nicht attraktiv.

Ab den 1990er-Jahren hatte die Energiewirtschaft in Nordkorea unter veralteter Stromerzeugung und -verteilung zu leiden. So reduzierten sich die Möglichkeiten der Bewässerung in der nordkoreanischen Landwirtschaft alleine im Zeitraum zwischen 1990 und 1996 um 25 Prozent. Die Bewässerung wird vorwiegend für den Reisanbau benötigt, wo das fehlende Wasser im gleichen Zeitraum für einen Einbruch bei der Reisernte um 50 Prozent sorgte, was die Ernährung der Bevölkerung zunehmend schwieriger gestaltete. Da von der Stromknappheit auch die medizinische Versorgung auf dem Lande sowie der Schulbetrieb betroffen war, sank der Lebensstandard in Nordkorea deutlich.

Mit dem Kleinwindkraftanlagenprojekt wollte man den Nordkoreanern helfen, dass die Stromversorgung dezentralisiert werden konnte und die Nutzung erneuerbarer Energien möglichst verbrauchernah erfolgen könnte. Eine Idee, die sich inzwischen auch in Deutschland verbreitet, jedoch noch immer gegen den Widerstand der großen Energieversorger zu kämpfen hat.

Das SWEDPRA-Projekt sollte die "Government Policy on Science and Technology" unterstützen, die im Jahre 1991 begonnen wurde. Neben der Windkraft sollte in diesem Rahmen auch die Photovoltaik verstärkt zur Anwendung kommen. Im Jahre 1993 hatte die Regierung einen "National Action Plan for Agenda 21" verkündet, der den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft fördern sollte. Im Jahre 2002 hatte Nordkorea seine Absicht zur Technologieentwicklung im Windkraftbereich erneuert und wollte diese Technik landesweit zum Einsatz bringen.

Neben der Entwicklung einer für Nordkorea geeigneten Windkrafttechnik, strebte man auch den Export dieser Anlagen an, was es dem schon lange devisenknappen Land ermöglichen sollte, auch Agrarprodukte auf dem Weltmarkt einzukaufen, wenn die heimischen Ernten knapp ausgefallen waren und daher eine Hungersnot drohte.

Das Windkraftprojekt war ursprünglich auf 50 Monate angelegt und die ersten Verträge wurden im August 2005 unterzeichnet. Es wurde dabei jedoch nur eine verkürzte Projektlaufzeit von 18 Monaten vereinbart, die dann im Oktober 2005 begann und im März 2007 endete. Im August 2010 wurde das Projekt überarbeitet und mit neuen Verträgen weitergeführt. Im April 2013 wurden die Aktivitäten zur Etablierung kleiner Windkraftanlagen beendet. Es sollte danach eine Evaluation der im Laufe der Jahre erreichten Projektergebnisse ausgeschrieben werden.

Aufgrund der inzwischen geänderten politischen Rahmenbedingungen wurde das Projekt nach 2013 nicht mehr im zuvor geplanten internationalen Rahmen weitergeführt. Für Nordkorea diente das internationale Projekt offensichtlich als Initialzündung für den Ausbau einer dezentralen Infrastruktur seiner Stromversorgung. Schon im Jahre 2015 machte die Meldung die Runde, dass man in Nordkorea neue Windkraftanlagen entwickelt habe, die einen Leistungsbereich von 100 bis 300 Watt abdeckten.

Waren diese Anlagen ursprünglich für die Versorgung ländlicher Regionen gedacht, stellte man sie dann für den Einsatz auf öffentlichen Gebäuden und Balkonen mehrgeschossiger Wohngebäude vor. Diese Mikrowindkraftanlagen sollten ab einer Windgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde zum Einsatz kommen können. Gebaut wurden diese Anlagen von der "Aeguk Magnet Factory", die dem Ministerium für elektronische Industrie untersteht. Sie sollen deutlich preiswerter sein, als entsprechend leistungsstarke Solarmodule. Auf dem Weltmarkt sind die nordkoreanischen Mikrowindkraftanlagen bislang noch nicht aufgetaucht, was nicht zuletzt den vom Westen verhängten Sanktionen gegen Nordkorea geschuldet sein mag. (Christoph Jehle)

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