Die dritte Welt holt auf - bei den CO2-Emissionen

Wir pusten Jahr für Jahr mehr Kohlendioxid in die Luft - und nutzen dabei unsere Ressourcen immer schlechter: Diesen ungesunden Trend verdeutlicht ein Forscherteam jetzt für die vergangenen 25 Jahre

Zwischen dem 18. Jahrhundert und heute hat sich die mittlere Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre von 280 ppm auf 380 ppm erhöht. Die chemische Verbindung wird denn auch inzwischen als eine der Hauptquellen der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung angesehen. Ihren weltweiten Ausstoß zu reduzieren, das schreiben sich mittlerweile Politiker aller Couleur auf die Fahnen, Kongresse beschäftigen sich mit den davon aufgeworfenen Fragen, Berichte werden verabschiedet - nur die Zahlen zeigen bisher in die entgegengesetzte Richtung. Tatsächlich, das berichten Forscher in den Veröffentlichungen der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) steigt die weltweite Kohlendioxidproduktion aus fossilen Brennstoffen seit geraumer Zeit kontinuierlich.

Statt um 1,1 Prozent jährlich (das Mittel in den Jahren 1990-1999) lag die Wachstumsrate zwischen 2000 und 2004 bei rund drei Prozent jährlich - das liegt sogar über den ungünstigsten Prognosen, die Ende der 90-er für die Entwicklung des Weltklimas aufgestellt wurden. Mit derartigen Emissionsraten wird sich der CO2-Anteil in der Atmosphäre weder bei 450 noch bei 650 ppm stabilisieren - zwei mögliche Szenarien, die die IPCC entwickelt hatte. Was die Wissenschaftler aber noch stärker beunruhigt: Ende des vergangenen Jahrhunderts war ein Trend zu höherer Effizienz zu beobachten - es schien zu gelingen, mehr Energie bei weniger CO2-Ausstoß zu produzieren. Dieser Trend ist nun gestoppt.

Die Entwicklung der CO2-Emissionen seit 1980. Region D1 umfasst die Industrieländer, die nicht einzeln aufgeführt sind beziehungsweise zur EU gehören. Zu D2 gehören Länder wie Vietnam, Brasilien, die Türkei oder Bulgarien, während D3 die ärmsten Länder der Erde enthält. Bemerkenswert ist vor allem der stark gestiegene Anteil Chinas an der weltweiten CO2-Produktion - sowie der (noch) geringe Anteil der D3-Länder.

Wir setzen nicht nur größere Mengen des Treibhausgases frei, wir gehen dabei auch immer freigiebiger mit den fossilen Brennstoffen um. Das gilt nicht nur für Entwicklungsländer, denen man womöglich alte Technik unterstellt: Auch in den Industriestaaten sinkt die auf die CO2-Produktion bezogene Effizienz. Es gibt keine einzige Region, der das Gegenteil gelingt. Doch genau damit rechnen sämtliche Klimaprojektionen für die Zeit bis 2100: Dass das Wachstum in der CO2-Produktion kleiner ist als das des Prokopfeinkommens.

Sollte diese Voraussetzung nicht zutreffen, läge die künftigen Emissionen um ein mehrfaches höher als vorhergesagt. Den größten Anteil an der CO2-Produktion hat übrigens die Verbrennung fester und flüssiger Rohstoffe (Kohle und Öl), wobei in den Entwicklungsländern die Kohle überwiegt, in den Industriestaaten flüssige Brennstoffe.

Zu denken gibt auch, was die Forscher über die globale Verteilung der Kohlendioxid-Emissionen herausgefunden haben. Es sieht nämlich nicht so aus, als könnte sich das Problem in den kommenden zig Jahren irgendwann erledigen. Zurzeit holen vor allem die sich schnell entwickelnden Staaten wie China in Sachen CO2-Produktion stark auf.

Die Entwicklungsländer, in denen zusammen rund 80 Prozent der Weltbevölkerung wohnt, hatten zuletzt einen Anteil von fast drei Vierteln am Wachstum des CO2-Ausstoßes. Trotzdem sind sie erst bei einem kumulierten Anteil von 41 Prozent angekommen. Es ist nicht ganz unberechtigt zu vermuten, dass dieser Anteil irgendwann dem Bevölkerungsanteil entsprechen wird - zumindest dann, wenn die betreffenden Länder einen den Industrieländern vergleichbares Prokopfeinkommen erreicht haben.

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