Die englische Krone verliert ein weiteres Land

Mia Mottley, die Premierministerin von Barbados. Foto: Timothy Sullivan (UNCTAD). Lizenz: CC BY-SA 2.0

Barbados erklärt sich im nächsten Jahr zur Republik und wirbt mit "Home Office im Paradies"

Gestern verkündete Sandra Mason, die Generalgouverneurin von Barbados, in ihrer von der dortigen Premierministerin Mia Mottley verfassten Thronrede vor dem Parlament, dass das Land bis zum 55. Jahrestag der Unabhängigkeit im November 2021 ein anderes Staatsoberhaupt haben wird. Bislang ist das die englische Königin Elizabeth II.

Mit der Ankündigung will Mottley (54) nicht zum Ausdruck bringen, dass die 94-jährige Regentin aus dem während des Ersten Weltkriegs in Windsor umbenannten Hause Windsor Sachsen-Coburg und Gotha nicht mehr lange lebt: Sie möchte ihr Land von einer konstitutionellen Monarchie in eine Republik umwandeln - und das soll überraschenderweise ohne eine Volksabstimmung dazu geschehen, die seit längerem im Gespräch war.

Alles andere als ein "Failed State"

"Die Barbadier", so Mottley zu Begründung dieses Schritts, hätten nämlich nach über einem halben Jahrhundert Unabhängigkeit den Beweis erbracht, dass sie sich selbst regieren und "die koloniale Vergangenheit vollständig hinter sich lassen" können. Ein eigenes Staatsoberhaupt sei "die endgültige Vertrauenserklärung in das, was wir sind und was wir erreichen können".

Tatsächlich ist Barbados alles andere als ein "Failed State": Der Zuckeranbau und die Zuckerverarbeitung, die früher die Wirtschaft der Antilleninsel bestimmten, wurden in den letzten Jahrzehnten durch Erdölfunde vor der Küste, Offshore-Banking-Angebote, und einen bis zum Frühjahr 2020 recht gut laufenden Tourismus ergänzt. Damit erreichten die Barbadier einen Lebensstandard, der mit dem in mittel- und osteuropäischen EU-Ländern vergleichbar ist.

Corona-Arbeitsvisum

Die für Touristen gebauten Häuser und Zimmer, die seit der Coronakrise leer stehen, will die Premierministerin mit einem originellen Angebot füllen: Arbeitnehmer und Freiberufler aus aller Welt, die im Home Office arbeiten können oder müssen, dürfen auf der Website Work from Paradise für sich und ihre Familienangehörigen ein 12 Monate lang gültiges "Barbados Welcome Stamp"-Arbeitsvisum beantragen, das für eine Einzelperson 830 und für eine Familie 1.250 Euro kostet und von der Zahlung von Einkommenssteuer auf der Insel befreit.

Voraussetzung dafür ist ein negativer Sars-CoV-2-Test, den man gegen eine Gebühr von 150 Euro auch am Grantley Adams International Airport machen kann. Das soll garantieren, dass aus den bislang 184 Covid-19-Fällen auf der Antilleninsel nicht wesentlich mehr werden. Eine Einwanderung in das Sozialsystem der Insel will man dadurch vermeiden, dass Visainteressenten außerdem einen Einkommensnachweis vorlegen müssen, aus dem hervorgeht, dass sie mindestens 41.538 Euro im Jahr verdienen.

Mit dem Wechsel des Staatsoberhaupts soll auch eine Änderung im Rechtswesen einhergehen: Letzte Instanz der 278.000-Einwohner-Insel wird dann nicht mehr der englische Kronrat, sondern der Caribbean Court of Justice (CCJ) sein, eine Einrichtung der karibischen Freihandelszone CARICOM. Ihr gehören neben Barbados auch Jamaica, Haiti, Guyana, Surinam, Trinidad und Tobago, Dominica, Antigua und Barbuda, die Bahamas, Belize, Grenada, Montserrat, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen an.

Acht dieser Staaten - Jamaika, Antigua und Barbuda, die Bahamas, Belize, Grenada, St. Kitts und Nevis, St. Lucia sowie St. Vincent und die Grenadinen - halten weiterhin an der britischen Königin als Staatsoberhaupt fest. Im Commonwealth, der Nachfolgeorganisation des britischen Empire (in der Barbados bleiben will), sind es noch 15 von 54. Außer den oben aufgeführten und dem Vereinigten Königreich mit seinen vier Landesteilen Australien, Kanada, Neuseeland, Papua-Neuguinea, die Salomonen und Tuvalu. (Peter Mühlbauer)