Die grüne Stadt in der Wüste von Abu Dhabi

Das Emirat will 15 Milliarden in erneuerbare Energien investieren, dazu gehört auch der Bau einer neuen Nullemissionsstadt, die von Norman Foster entworfen wurde

Wenn es gigantisch und gleichzeitig ein wenig grün werden soll, ist das die richtige Aufgabe für den Globalarchitekten Norman Foster, dessen Büro angeblich grüne Weltraumhäfen in der Wüste (Virgin Galactic und der umweltfreundliche Weltraumflughafen) ebenso entwirft wie ein riesiges Zelt in Moskau (Wolkenkratzer für die neue russische Größe) oder eine Pyramide in Kasachstan (Urbane Utopie eines ölreichen Präsidenten). Ins Monumentale streben vor allem die Bauherren in der Golfregion, die Milliarden und Milliarden in neue Bauprojekte stecken, die immer spektakulärer werden, um in der Aufmerksamkeitsökonomie die Konkurrenz auszustechen (Orientalische Touristen- und Reichengettos). Jetzt soll Foster für das Emirat Abu Dhabi die – natürlich größte – grüne Nullemissionsstadt entwerfen

In Dubai hat man gerade beschlossen, nach der letzten künstlichen Insel, mit deren Bau schon begonnen wurde, schon die nächste in Angriff zu nehmen. Begonnen hatte man noch bescheiden mit Inseln in der Form von Palmen, dann ging es schon um die Welt – und jetzt ist nicht weniger als das Universum dran. Das lässt sich dann wohl kaum mehr überbieten.

Fast gleichzeitig wurden die Pläne bekanntgegeben, mit denen das ölreiche Emirat Abu Dhabi nun auch eine grüne Zukunft mit erneuerbaren Energien schaffen will, so lange das sprudelnde Ölgeld noch vorhält. 15 Milliarden US-Dollar sollen in den nächsten Jahren in grüne Projekte fließen, u.a. soll CO2 unter der Erde in Ölfeldern eingelagert werden, wodurch einerseits die Ölfördermengen erhöht und CO2-Emissionen aus der Atmosphäre entfernt werden sollen .

Modell für die grüne Stadt Masdar. Bild: ameinfo

Schon nächsten Monat soll im Rahmen der Masdar-Initiative mit dem Bau eines ersten Stadtviertels für 15.000 Bewohner einer grünen Stadt begonnen werden, wie Scheich Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, der Kronprinz von Abu Dhabi am Montag auf dem World Future Energy Summit mitteilte. Geplant ist eine Nullemissions-Stadt für 50.000 Bewohner mitten in der Wüste, wo es kein Wasser gibt und die Temperaturen gerne einmal auf 50 Grad Celsius ansteigen. Damit wilkl man ebenso wie mit einem jährlich verliehenen Zayed-Preis mit 2,5 Millionen US-Dollar und Forschungsinitiativen neue Techniken und urbane Gestaltungsmaßstäbe entwickeln und demonstrieren. Die neue Stadt soll natürlich auch Zentrum für solche Entwicklungen werden und als Freihandelszone attraktiv sein.

Norman Foster hat die grüne Stadt entworfen, deren Bau 2006 beschlossen worden war. Verantwortlich dafür ist die Abu Dhabi Future Energy Company (ADFEC). Ganz traditionell soll es eine dicht bebaute, autofreie und fußgängerfreundliche Stadt mit schmalen, schattigen Straßen und einer Mauer werden, die aber weder Emissionen noch Müll abgibt und vollständig mit erneuerbarer Energie, vor allem Solarenergie, versorgt wird. Die Kühlung soll durch Windenergie erfolgen. Die Häuser nicht höher als 5 Stockwerke sein, nirgendwo soll man weiter als 200 Meter vom nächsten öffentlichen Transportmittel entfernt sein. Trinkwasser soll aus einer solarbetriebenen Entsalzungsanlage gewonnen werden, die Grünanlagen in der Stadt und die Felder vor der Stadt sollen mit Brauch- und Abwasser versorgt werden.

Die Stadt auf einer Fläche von sechs Quadratkilometern soll den zehn Prinzipien der vom WWF gestarteten Initiative One Planet Living entsprechen, zu denen neben Null-Emissionen und –Müll auch die Verwendung lokaler Materialien und Nahrungsmittel, anhaltender Verkehr, gerechter Handel, Bewahrung und Wiederherstellung natürlicher Habitate oder Gesundheit und Glück gehören. Auch die Arbeiter, die die Stadt aufbauen, sollten eine gerechte Entlohnung erhalten. Man darf gespannt sein, wie das alles geschehen wird. Jean-Paul Jeanrenaud, Direktor der WWF-Initiative One Planet Living, ist jedenfalls voll des Lobes und sagte: 'Heute ist Abu Dhabi auf die Reise gegangen, um die globale Hauptstadt der Revolution der erneuerbaren Energien zu werden."

Für den Bau soll erst einmal ein Solarkraftwerk außerhalb der Stadt errichtet werden. Ziel des Entwurfs ist es, dass die Stadt, deren Dächer zum überwiegenden Teil mit Solaranlagen ausgestattet werden, schließlich genug Energie zur Selbstversorgung innerhalb der Mauern erzeugen kann. Ein Zug verbindet die grüne Stadt mit der Hauptstadt Abu Dhabi, ansonsten bewegt man sich in der Stadt zu Fuß oder mit kleinen, fahrerlosen Taxis, die auf Gleisen fahren. (Florian Rötzer)

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