Die humanen Seiten der Finanzkrise

In den USA kann man sich die Todesstrafe kaum noch leisten

Es gibt Dutzende von guten Argumenten gegen die Todesstrafe, doch keines konnte bisher in den USA die Anhänger dieser Strafe überzeugen. Aber wenn es ums Geld geht, hört nicht nur der Spaß auf, sondern sogar das biblische „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Prinzip wird plötzlich in Frage gestellt. Nicht zuletzt auch wegen der allgemeinen Finanzkrise und der damit zusammenhängenden Verschuldung der einzelnen Staaten.

Die Todesstrafe, das haben zahlreiche amerikanische Untersuchungen längst belegt, ist nämlich wesentlich teurer als eine Verurteilung zu lebenslänglicher Haft. Und das ist, wie MSNBC berichtet, tatsächlich der Hauptgrund, dass noch in diesem Jahr acht von den 36 Staaten mit Todesstrafe diese vermutlich abschaffen werden. Genannt werden in diesem Zusammenhang: Maryland, Nebraska, Colorado, New Mexico, Montana, New Hampshire, Washington and Kansas.

Sogar ein früherer bekennender Anhänger des Todesstrafe, der erzkonservative ehemalige kalifornische Richter Donald McCartin, auch bekannt als „The Hanging Judge of Orange County“, hat mittlerweile seine Meinung grundlegend geändert. „Es ist“, sagt der 82-Jährige, „zehnmal teurer sie zu töten, als sie für immer einzusperren.“ Gleichzeitig beklagt er die geringe Effizienz der Todesstrafe. Selbst hat er neun Menschen zum Tode verurteilt. Aber nur einer davon ist mittlerweile verstorben – an einer Herzattacke.

Gründe sind die lange Prozessdauer und vor allem die sich dann anschließenden Berufungsverhandlungen, die dazu führen, dass in Kalifornien durchschnittlich fast 20 Jahre von der Verurteilung bis zur Hinrichtung vergehen. Dies wiederum steigert natürlich auch die Kosten enorm. Und belastet psychisch zusätzlich die Angehörigen der Opfer und der Täter. „Todesstrafe ist eine Verschwendung von Zeit und Geld“, meint daher auch Richter McCartin. Und selbst die Unterbringung in den Todestrakten ist wesentlich teurer als das „normale“ Wegsperren.

Der erste Staat, in dem die Todesstrafe nach ihrer Wiedereinführung im Jahre 1976 wieder abgeschafft wurde, ist New Jersey. 2007 hat dort der zuständige Gouverneur die Strafe von zehn zum Tode Verurteilter in lebenslängliche Haft umgewandelt. Und nach dortigen Berechnungen kostete zuvor die Umsetzung eines Todesurteils durchschnittlich 4,2 Millionen Dollar. Gleichzeitig hat der Einsatz von ebenfalls recht teuren DNA-Analysen bei der Beweisführung inzwischen die Befürworter der Todesstrafe zunehmend verunsichert, weil durch sie in den vergangenen Jahren einige zum Tode Verurteilter wegen erwiesener Unschuld freigelassen werden mussten.

Die meisten Gefangenen warten übrigens in Kalifornien auf ihre Hinrichtung. Derzeit sind es 667, die nach einer Studie jährlich 63,3 Millionen Dollar an zusätzlichen Kosten verursachen. Dennoch weigert sich bisher der dortige Gouverneur die Todesstrafe abzuschaffen. Sein Name: Arnold Schwarzenegger. Der Mann bleibt sich eben treu. Auch in der Krise.

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