Die menschliche Sprache ist keine Banane, sondern eine Zwiebel

Wie Affen vor der Grammatik kapitulieren

Man weiß, dass manche Affen sehr sprachbegabt sind und die Gesetzmäßigkeiten der einfachen Sprache verinnerlichen können. Neue Ergebnisse zeigen jedoch, dass Affen nicht in der Lage sind, komplizierte Sprachkonstruktionen zu verstehen. Dazu zählen Sätze, in denen eine "Wenn...dann"-Konstruktion verwendet wird. W.Tecumseh Fitch und Marc D. Hauser beschreiben in Science ihre neuesten Ergebnisse anhand der Tamarinen, einer Affenart, die in Mittel- und Südamerika zu Hause ist.

Dazu spielten die Forscher (nach einer Trainingsperiode, in der Gruppen von einfachen und komplizierten Silben gelernt werden) den Affen verschiedene Kombinationen vor. In dem Moment, in dem die Satzfolge mit einfacher Grammatik falsch war, blickten die Tiere aufmerksam zum Lautsprecher, das heißt, sie registrierten eine Abweichung vom gelernten einfachen Regelwerk. Sobald ihnen jedoch Sätze vorgespielt wurden, in denen die Worte, die sinngemäß zusammengehören, nicht direkt aufeinander folgten, wurden die Tiere weder durch die korrekte noch durch die falsche Darstellung angesprochen.

Bilder: Science

Nun könnte man sich zurücklehnen und sagen: "Die Affen sind dazu nicht in der Lage." Doch ganz so einfach ist das nicht, wie David Premack in einem ausführlichen Kommentar unter der Überschrift "Ist die Sprache der Schlüssel für die menschliche Intelligenz?" begründet. Er verweist zum einen ebenfalls darauf, dass ein komplizierter Satz vom Affen nicht verstanden werden kann. Als Beispiel nennt er den Satz "Wenn Hans in seinem Haus in diesem Winter den Thermostat nicht höher stellt, dann werden Margaret und ich nicht zu ihm kommen." Tatsächlich handelt es sich um eine Satzfolge, die für Affen viel zu kompliziert ist. Zum anderen trainieren sie Subjekt, Prädikat und Objekt, nicht jedoch jene vielfältigen Gewohnheiten, die sich mit zunehmender Kenntnis der Sprache in unsere Umgangsformen einnisten. "Die Sprache ähnelt einer Zwiebel oder jener russischen Puppe, in der eine Schale auf die nächste folgt," erklärt David Premack. Nur: mit den Affen können wir solche "Rekursionen" nicht einüben, weil sie ähnlich hilflos sind wie wir, wenn wir uns in einer fremden Sprache ausdrücken müssen.

Außerdem gibt es Unterschiede im Gebrauch der Sprache. Ein Schimpanse ruft niemals seinen Trainer, sondern trommelt beispielweise dazu auf eine Trommel oder einen Resonanzboden. Dasselbe gilt, sobald Schimpansen getrennt werden: sie rufen sich nicht zu, sondern suchen still den anderen, nehmen Blickkontakt auf, und setzen sich dann zusammen. Anders als beim Menschen bedarf es nicht "des Sprechens", um solche Vorgänge zu realisieren. Womit die Sprache einen anderen, vielleicht urtümlicheren Wert bekommt. Das erinnert an die Geschichte von dem Mann, der sich zu zwei alten Freunden auf die Parkbank setzt, und mit dem Satz "Schönes Wetter heute" den Eindruck erweckt, ein Schwätzer zu sein.

Hinzu kommt das Lernen. Der menschliche Lehrer beurteilt seinen Schüler nicht nur, sondern er korrigiert ihn. Anders die Schimpansenmutter: sie beobachtet ihren Jungen nicht. Wenn wir also fragen: "Nimmt das Junge zum Aufschlagen der Nuss den Stein oder die Hand?", werden wir darauf keine Antwort erhalten. Diese Reaktion ist artgemäß, eine andere kann bestenfalls durch langjährige Schulung antrainiert werden.

Und schließlich die Zielsetzung. Im Allgemeinen informiert der Trainer den Schüler. Wenn der Trainer sagt "Nach rechts", und der Schüler fährt nach links, wird der Trainer den Schüler korrigieren. Wenn der Affe "Leopard" signalisiert und sein Zuhörer richtet sich gegen etwas anderes, bleibt jede Korrektur durch den Affen aus. Dennoch können Schimpansen ein gemeinsames Ziel wiedergeben. Nach entsprechender Übung beherrschen sie Zusammenhänge wie "Kleines Quadrat verhält sich zum großem Quadrat wie kleiner Zirkel zum großem Zirkel" oder "Der Flaschenöffner verhält sich zur Flasche wie der Schlüssel zum Schloss". Dafür fehlt ihnen der Bezug zu Worten wie Zeit, Gefühl und anderen abstrakten Begriffen. "Zeit" können wir weder sehen noch fühlen. Wir zeigen die Zeit als horizontale Achse, von links nach rechts, der Nachrichtensprecher aus China wählt dafür ein vertikales Symbol, von oben nach unten. Schimpansen aber kennen solche Worte nicht, weil sie nicht sensorisch erfahren werden können, und können damit nichts anfangen. Auch bezogen auf das Hirngewicht ist der Mensch (durchschnittlich 1350g) dem Affen (450g) überlegen. Allerdings bleibt zu fragen, ob der Affe eventuell eher mit dem Menschen vor 50.000-100.000 Jahren verglichen werden kann. (Cecilia Schreiber)

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