Die moralische Kluft zwischen den Kulturen

Auch in ihren Einstellungen zu Themen wie Homosexualität, vorehelichen Sex, Alkohol oder Glücksspiel leben die Menschen in afrikanischen und vorwiegend muslimischen Ländern auf einem anderen Kontinent als die Europäer und Nordamerikaner

Pew Research hat eine Umfrage über moralische Einstellungen in 40 Ländern durchgeführt. Gefragt wurde, was moralisch akzeptabel und verwerflich ist. Allgemein werden außereheliche Beziehungen, Glücksspiel, Homosexualität und Abtreibung abgelehnt. Auch vorehelicher Sex und Alkohol gelten in vielen Ländern als moralisch inakzeptabel. Bei Scheidung oder Verhütungsmitteln ist man gemeinhin nachsichtiger. Nur in Ghana, Pakistan und Nigeria lehnt eine Mehrheit Verhütungsmittel als unmoralisch ab.

Aber es gibt natürlich zwischen Regionen und Kulturen große Unterschiede. Moralisch am strengsten geht es in Afrika und in den Ländern mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit zu, in Westeuropa, Nordamerika und Japan sind die Menschen moralisch toleranter oder liberaler - oder sehen bei solchen Fragen wie Scheidung oder Seitensprünge überhaupt kein moralisches Thema.

Scheidungen etwa finden insgesamt nur 24 Prozent als moralisch verwerflich. In afrikanischen Ländern sehen das aber die Menschen ganz anders. So finden Scheidungen 80 Prozent in Ghana, 76 Prozent in Uganda und auch noch 59 Prozent in Kenia, in Pakistan 76 Prozent oder auf den Philippinen 67 Prozent moralisch nicht akzeptabel, in Westeuropa sagen das weniger als 10 Prozent (Deutschland 7 %). Aber auch in manchen muslimischen Ländern wie Ägypten, dem Libanon, Jordanien oder den Palästinensischen Gebieten meinen das auch nur weniger als 10 Prozent.

Außereheliche Beziehungen werden am stärksten als moralische Fehltritte gewertet. In allen Ländern ist eine Mehrheit dieser Meinung. Nur Frankreich weicht davon ab, hier finden dies 47 Prozent moralisch verwerflich (Deutschland: 60%), 12 Prozent sagen, das geht mit der Moral okay (Deutchland: 11%), aber 40 Prozent finden, Fremdgehen habe mit der Moral gar nichts zu tun (Deutschland: 26%). In den muslimischen Ländern Ägypten, der Türkei, Indonesien, dem Libanon, Malaysia, Tunesien, den Palästinensischen Gebieten finden das 90 Prozent und mehr moralisch nicht akzeptabel, die Ablehnung ist auch in Brasilien oder in den USA mit 84 Prozent sehr hoch.

Das Glücksspiel wird insgesamt von 60 Prozent als moralisch inakzeptabel, am meisten wird dies in den arabischen Ländern und in Afrika abgelehnt, in Westeuropa oder Nordamerika sagen mehr als 40 Prozent, in Kanada oder Spanien auch mehr als 50 Prozent, dass dies kein moralisches Thema sei.

Die Einstellung zur Homosexualität trennt die Kulturen erwartbar sehr viel stärker. In der Hälfte der 40 Staaten lehnt eine Mehrheit Homosexualität moralisch ab, in Gahna sagen dies 98 Prozent, in den Palästinensischen Gebieten 94 Prozent, in Uganda und Indonesien 93 Prozent und in Tunesien 92 Prozent, auch in den anderen arabischen und afrikanischen Ländern ist die Ablehnung groß. Sonst stechen Russland mit 72 Prozent und El Salvador mit 70 Prozent heraus, auch in Indien (67%) und China (61%) ist es ähnlich. Bis auf Griechenland und Polen (45% bzw. 44%) geht es in Westeuropa toleranter zu. In Spanien lehnen nur 6 Prozent und in Deutschland 8 Prozent Homosexualität moralisch ab, in den USA ist die Ablehnung mit 37 Prozent relativ hoch, im Nachbarland Kanada sagen dies nur 15 Prozent.

Abtreibung ist in den muslimischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern für eine Mehrheit moralisch verwerflich, aber auch in Griechenland sind 54 Prozent und in den USA 49 Prozent dieser Meinung, in Polen 47 Prozent, in Russland 44 Prozent und in Italien 41 Prozent, in den anderen westeuropäischen Ländern sind es weniger als 20 Prozent.

Vorehelicher Sex wird von 90 Prozent und mehr der Menschen in den muslimischen Ländern abgelehnt. In Westeuropa sind auch in dieser Frage die Polen am konservativsten (22%), in Griechenland sagen dies 11 Prozent, ansonsten finden dies mehr als 90 Prozent moralisch akzeptabel oder kein moralisches Thema. Die Deutschen liegen hier gleichauf mit den Franzosen. Jeweils 6 Prozent finden vorehelichen Sex nicht akzeptabel, aber 47 Prozent der Franzosen finden ihn moralisch akzeptabel, während dies 57 Prozent der Deutschen sagen, die aber dann doch weniger (34%) als die Franzosen (47%) der Meinung sind, dass das mit Moral nichts zu tun hat.

Am Alkohol scheiden sich die Geister auch sehr deutlich. In den muslimischen Ländern ist die Ablehnung natürlich am stärksten, beispielsweise in Pakistan (94%), in Tunesien (85%, den Palästinenischen Gebieten (84%) oder in Indonesien und Jordanien (85%). In Ägypten oder im Libanon ist man schon weniger streng, auf den Philippinen sagen dies nur noch 39 Prozent. In Russland, dem Wodka-Land, lehnen sogar 44 Prozent Alkohol als amoralisch ab, noch stärker ist die Ablehnung in Bolivien (69%) oder eben wieder in El Salvador (82%), moralisch das strengste Land in Lateinamerika. Überraschenderweise sind die Japaner offenbar dem Alkoholkonsum gegenüber am aufgeschlossensten. Nur 6 Prozent finden ihn moralisch verwerflich, gefolgt von Großbritannien und Kanada (9%) und Australien (10%). In Deutschland sieht man Alkohol als etwas bedenklicher an (14%), in den Weinländern Italien (27%), Griechenland (23%), Frankreich (18%) und Spanien (22%) sind dies deutlich mehr, in den USA ist man hier mit 16 Prozent Ablehnenden liberaler als bei anderen Themen.

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