Die pädophile Rechte

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe. Bild: BKA

Kindesmissbrauch wurde nicht nur bei der Mördertruppe des NSU praktiziert - es handelt sich vielmehr um ein szenetypisches rechtes Verbrechen

Die schockierende Enthüllung ist - wie so oft bei rechtsextremen Exzessen in Deutschland - schon längst wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Die Mördertruppe des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) hat bei ihrer langjährigen Terrorkampagne nicht nur mindestens zehn Menschen umgebracht, sondern offensichtlich auch Kinder missbraucht und getötet.

Mitte Oktober erklärte Innenminister De Maizière, er sei "bestürzt" über die Nachricht, der Rechtsterrorist Uwe Böhnhardt sei in einen 15 Jahre zurückliegenden Fall von Kindstötung verstrickt. Im vergangenen Juli wurde die Leiche des 2001 verschwundenen neunjährigen Mädchens Peggy entdeckt.

An einem Stofffetzen, der unter dem Leichnam des Mädchens gefunden wurde, konnte die DNA Böhnhardts nachgewiesen werden. Der Fundort der Leiche befindet sich nur rund eine Autostunde von dem damaligen Wohnort des Rechtsterroristen. Zudem sind auf dem PC von Beate Zschäpe bereits 2011 kinderpornografische Inhalte gefunden worden. Der Missbrauchsmord an dem Mädchen ereignete sich in der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten NSU-Mord, die beide in Nürnberg begangen worden sind. Dabei durchquerte Böhnhardt auf den Weg vom Aufenthaltsort zum Tatort die Heimatregion des Opfers. Ein geistig behinderter Hilfskellner, der 12 Jahre als potenzieller Mörder im Gefängnis verbrachte, wurde jüngst in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Dabei war im gesamten Dunstkreis des Unterstützernetzwerkes des NSU Kindesmissbrauch weit verbreitet, wie die Neue Züricher Zeitung (NZZ) Mitte Oktober berichtete. Der Naziterrorist Böhnhardt bildet also keine Ausnahme. Laut Recherchen von Szenebeobachtern seien "Kindsmissbrauch und der Konsum von Kinderpornografie im Umfeld des NSU-Trios keine Seltenheit," so die NZZ.

Der bekannteste pädophile Neonazi ist Tino Brandt, der seit zwei Jahren eine Gefängnisstrafe absitzt. Das Vergehen Brandts: Missbrauch von Kindern in 66 Fällen, sowie die Förderung von Prostitution. Brandt war in den 90er Jahren die Führungsfigur des "Thüringer Heimatschutzes", eben jenes Neonazinetzwerks, aus dem der NSU hervorging. Neben Brandt stehen drei weitere Rechtsextremisten aus dem Thüringer Heimatschutz in Verdacht, Kinder sexuell missbraucht zu haben.

Zugleich war Brandt als Führungsfigur des "Heimatschutzes" ein wichtiger V-Mann des Verfassungsschutzes in Thüringen, der ihm rund 200.000 DM für seine Tätigkeit zukommen ließ. Das Staatsgeld legt der Neonazi gut an: Laut Aussagen der NSU-Terroristin Zschäpe war Brandt in den 90er Jahren der "Mittelpunkt aller Aktionen" der rechtsextremen Szene in der Region. Der pädophile V-Mann und Naziführer soll damals immer wieder Straftaten begangen haben, wobei er nur wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde.

Die Vernichtung von Akten mit NSU-Bezug durch den Inlandsgeheimdienst nach dem Auffliegen der Terrortruppe - die selbstverständlich keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich zog - erscheint nun in einem anderen Licht. Die Frage ist durchaus gerechtfertigt, ob der Verfassungsschutz von den pädophilen Umtrieben seiner Schützlinge in der rechtsextremen Szene wusste - und sie gewähren ließ.

Weitere ungeklärte Missbrauchs- oder Todesfälle

Inzwischen werden auch weitere ungeklärte Missbrauchs- oder Todesfälle von Kindern mit den staatlich finanzierten rechten Terrornetzwerken in Verbindung gebracht. Die im Juli gefundene Leiche des 2001 ermordeten Mädchens wurde unweit einer Hütte gefunden, die ein Freund Böhnhardts für "Partys und Zusammenkünfte" nutzte, wie die NZZ berichtet. Auch dieser alte Kumpel des NSU-Terroristen ist in den 90er Jahren "öfters wegen Missbrauchs an Kindern aufgefallen".

Da diese Hütte zwischen Zwickau - dem einstigen Wohnort Böhnhardts - und dem Tatort in Nürnberg liegt, könne sich der Rechtsterrorist damals gemäß der Aktenlage dort aufgehalten haben. Die Schweizer Tageszeitung hält überdies eine - in deutschen Medien oft kolportierte - versehentliche "Verunreinigung" der DNA-Proben für unwahrscheinlich, da die Leiche Böhnhardts "im November 2011 in Labors der Rechtsmedizin des Uniklinikums Jena untersucht" wurde, "das Stück Stoff hingegen kürzlich in einem Labor in München".

Auch im Fall eines 1993 missbrauchten und getöteten Jungen weisen die Spuren in das Umfeld Böhnhardts. Neben der Leiche des Neunjährigen wurde der Motor eines Bootes gefunden, das einem Freund des NSU-Terroristen gehörte. Dieses Boot soll auch von Böhnhardt selber immer wieder genutzt worden sein.

Neben Kinderpornos, mit "zum Teil perversen und brutalen Inhalt" im Naziumfeld des NSU, fanden sich auch weitere Hinweise auf entsprechende Verbrechen bei dem rechtsextremen Terrornetzwerk: Auf Zschäpes Computer wurde nicht nur Kinderpornos sichergestellt, sie recherchierte das Thema auch ausgiebig im Internet. Zudem wurde die Terroristin oftmals mit unterschiedlichen kleinen Kindern gesehen, wie die Zeit meldete. In dem Wohnwagen der Rechtsextremen wurde überdies Spielzeug und Kinderkleidung gefunden.

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