Die russische EMP-Kanone soll eine Reichweite von bis zu 10 km haben

2017 ließ sich Kim Jong-un eine neue Wasserstoffbombe demonstrativ vorführen, die in großen Höhen für einen EMP-Angriff gezündet werden könnte. Bild: Rodong Sinmun

In vielen Ländern wird an EMP-Waffen gearbeitet, mit denen gezielt oder großflächig die nicht gehärtete Elektronik des Gegners zerstört werden kann, unbemannte Kampfflugzeuge sollen mit der russischen Kanone ausgestattet werden

In den USA war die Angst aufgekommen, als der Konflikt mit Nordkorea eskalierte, dass eine nordkoreanische Atombombe, die in großer Höhe über dem Territorium der USA gezündet die elektrische und elektronische Infrastruktur von weiten Teilen des Landes durch einen Elektromagnetischen Impuls (EMP) lahmlegen könnte (Warnung vor einem nordkoreanischen EMP-Angriff auf die USA). Besonders für eine stark digitalisierte Gesellschaft wäre ein solcher nuklearer EMP-Angriff (NEMP) verheerend. Die USA haben die Folgen einer Atombombenexplosion in großer Höhe schon einmal 1962 mit Starfish Prime getestet und der Kongress hat eine EMP Commission eingerichtet. Sie hatte zuletzt 2019 vor einem EMP-Angriff gewarnt (EMP-Angriff: "Eine Bedrohung für die USA, die Demokratie und die Weltordnung").

Peter Pry, der Vorsitzender der EMP-Kommission war und jetzt Vorsitzender der EMP Task Force on Homeland and National Security ist, machte kürzlich wieder einmal auch auf China aufmerksam, das seit langem einen EMP-Angriff auf die USA plane. Er habe den Senat schon 2005 vor einem solchen "Pearl-Harbor-Angriff" gewarnt. Die hoch computerisierten USA seien besonders verwundbar. Zwar habe Donald Trump 2019 eine Anordnung erlassen, um die Bemühungen zur Resilienz bei einem EMP-Angriff zu koordinieren, aber es sei nichts geschehen, um das Stromnetz und andere Infrastrukturen zu sichern. Wenn mit einem EMP-Angriff die Stromversorgung ausfällt, könnte das Land ins Chaos stürzen.

Auch wenn Atomwaffen die massivsten EMP-Waffen für einen totalen Cyberwar sind, die ein ganzes Land buchstäblich ausschalten können, gibt es auch nicht-nukleare EMP-Waffen, die gezielt bestimmte Ziele wie Serverfarmen oder Computersysteme lahmlegen können. Russland will eine EMP-Kanone entwickelt haben, die einen Strahl elektromagnetischer Energie über eine Entfernung bis zu 10 km schicken können soll, um gegnerische Ziele zu zerstören.

Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtet aufgrund von angeblichen Informanten aus dem Militär, dass Versuche mit EMP-Waffen seit 2015 stattfinden würden. Während man früher von einer Reichweite von 1-2 km ausging, könnten nun auch Ziele in der Luft wie Flugzeuge zerstört werden, wenn deren elektronische Systeme lahmgelegt werden. Der elektromagnetische Impuls würde nur den Bruchteil einer Sekunde dauern und das Ziel fast unmittelbar erreichen, weil er mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs sei.

Man könne damit auch Geräte auf dem Boden oder in Drohnen zerstören. Das Hauptproblem sei, dass eine EMP-Waffe viel Energie benötige, so dass es schwierig sei, eine mobile EMP-Waffe zu entwickeln. Eine EMP-Waffe unterscheide sich substantiell von Waffen der elektronischen Kriegsführung, die ein System zwar über eine Entfernung von hunderten Kilometern stören, aber die Geräte nicht ausschalten können. EMP-Kanonen könnten hingegen durch blitzschnelles Erhitzen Elektronik physisch zerstören. Weil sie für Piloten gefährlich sein könnten, wird daran gedacht, die EMP-Kanonen, wenn deren angebliche Existenz sich nicht nur der Propganda verdankt, in das geplante unbemannte Kampfflugzeug der sechsten Generation (MiG 21)einzubauen.

Nichtnukleare EMP-Waffen (NNEMP), die gezielt Elektronik zerstören können, aber sonst keinen Schaden anrichten, werden seit Jahrzehnten entwickelt. In der Regel werden sie in Bomben und Raketen eingebaut. Das US-Militär hat beispielsweise letztes Jahr die ersten B-52-Bomber mit CHAMP-Raketen (Counter-Electronics High Power Microwave Advanced Missile Project) ausgerüstet (Wer wird zuerst eine EMP-Waffe einsetzen?). Erfolgreich getestet wurde vom Air Force Research Laboratory der containergroße Tactical High Power Microwave Operational Responder (THOR), mit dem sich Drohnenschwärme bekämpfen lassen sollen.

US-Army-Techniker haben ein Patent für einen EMP-Adapter für das M4-Sturmgewehr erhalten. Der Adapter mit einem piezoelektrischen Generator, der durch einen abgefeuerten Schuss einen elektromagnetischen Puls erzeugt und mittels einer Antenne ins Ziel gesteuert wird, wird einfach auf die Mündung aufgesetzt. Die Reichweite ist nicht bekannt. Finanziert von der US-Luftwaffe entwickelt die Firma Epirus EMP-Waffen vor allem zur Abwehr von Drohnen und zum Stoppen von Fahrzeugen, die einen Bordcomputer haben.

Kleine EMP-Waffen können selbst gebaut werden, natürlich auch von Aufständischen und Terroristen: Improvised Electromagnetic Pulse Devices (IEMPD). (Florian Rötzer)