Die saudische Königsfamilie und die Anschläge vom 11.9.

Anwälte der Familienangehörigen von Opfern bezichtigen saudische Prinzen, Terrororganisationen finanziert zu haben, die US-Regierung versucht, die Klage abzuschmettern

Standen saudische Finanziers hinter den Anschlägen vom 11.9. auf das World Trade Center und das Pentagon? Rechtsanwälte, die Opfer vertreten, haben neue Hinweise vorgelegt, die belegen sollen, dass zu den Hintermännern auch Mitglieder der saudischen Königsfamilie gehören.

Wie die New York Times bemerkt, ist aber zweifelhaft, ob diese Belege, auch wenn sie stimmen sollten, jemals als Beweise vor Gericht präsentiert werden können. Das US-Justizministerium hat sich nämlich hinter die Beklagten wie Prinz Turki al-Faisal oder Prinz Salman bin Abdul Asis gestellt, um die Klage abzuwürgen.

Den Anwälten waren einige hunderttausend Seiten umfassende Dokumente über saudische Finanzgeschäfte anonym zugespielt worden, die aufzeigten, wie Gelder von den Saudis über Mittelsmänner oder Stiftungen zu Militanten in Afghanistan und Bosnien gelangten. Die Kopien der Anwälte wurden vom Justizministerium bereits vernichtet, schreibt die NYT, das nun versucht, die Richter davon abzuhalten, einen Blick in die Dokumente zu werfen, die sie erhalten haben.

Einige der Dokumente, die dem Gericht allerdings nicht vorliegen, hat nun die Zeitung veröffentlicht. In einem Bericht des US-Finanzministeriums zeigt, dass eine von der saudischen Königsfamilie unterstützte Stiftung zumindest bis 2006 "terroristische Organisationen unterstützt" haben soll. In einem Gespräch sagt ein Mann, der sich als ein bosnisches al-Qaida-Mitglied ausgibt, dass eine andere von den Saudis finanzierte Stiftung Geld an bosnische Terroristen gegeben und sogar Militante selbst angeworben habe. Turki al-Faisal soll nach Angaben eines afghanischen Zeugen 1998 persönlich 267 Millionen Dollar an einen Taliban-Führer übergeben haben. Und ein deutscher Bericht zeigt, wie viel Geld zu Beginn der 90er Jahre über Stiftungen nach Pakistan und Bosnien geflossen ist.

Die Anwälte der saudischen Königsfamilie, die enge Beziehungen zur Bush-Familie besitzt, weisen jede finanzielle Verbindung von dieser zu al-Qaida-Terroristen zurück – und vor allem jede Verbindung zu den Anschlägen vom 11.9. Die saudische Königsfamilie sei sogar ein Gegner von bin laden gewesen, da er schließlich schon 1996 des Landes verwiesen worden wäre. Die New York Times betont, dass es keinen wirklich eindeutigen Beweis für eine Verbindung zwischen der saudischen Königsfamilie und den Anschlägen vom 11.9. gibt, ein Verdacht allerdings, der schon kurz nach diesen aufkam (Pack schlägt sich, Pack verträgt sich: Die Bush-Bin Ladin-Connection, Die verbotene Wahrheit).

Seltsam war beispielsweise, dass kurz nach den Anschlägen vom 11.9. einige Flugzeuge mit saudi-arabischen Staatsangehörigen, darunter auch Angehörige der bin Laden-Familie, aus den USA ausfliegen konnten, einige möglicherweise auch in der Zeit, als der Flugraum für Privatflugzeuge noch gesperrt war. 2004 war bestätigt worden, dass es sich um 162 saudische Staatsangehörige gehandelt hat, zwischen 14. und 24.9.2001 flogen weitere 142 Saudis mit gecharterten Maschinen in ihre Heimat. Das alles soll im Geheimen und mit Mitarbeit des FBI geschehen sein (Die Flucht der Saudis nach dem 11.9. aus den USA). Und auffällig war auch, dass in dem Kongressbericht über die Anschläge vom 11.9. ausgerechnet 28 Seiten geschwärzt wurden, in denen Saudi-Arabien das Thema ist ("Ewige Freundschaft")

Die 7.630 Kläger sind bislang von allen Gerichten abgewiesen worden, da Familienangehörige keine Klage in den USA gegen einen souveränen Staat führen können. Das Oberste Gericht muss nun entscheiden, ob es den Einspruch gegen die Abweisung zulässt. Das Justizministerium – und damit letztlich auch US-Präsident Obama – fordert das Gericht auf, den Einspruch abzulehnen. Es verweist auf ein Gesetz zur Immunität für Staaten aus dem Jahr 1976 und macht darauf aufmerksam, dass eine solche Klage schwerwiegende außenpolitische Folgen haben könne.

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