Die tödlichsten Tage des Jahres

Nach einer Auswertung von Sterbeurkunden in den USA ist das Todesrisiko an den Weihnachtsfeiertagen und Neujahr am höchsten - Ursachen unbekannt

Zumindest in den USA sind die Weihnachtsfeiertage und der 1. Januar die tödlichsten Tage im Jahr. Studien hatten festgestellt, dass von Weihnachten bis Neujahr die Zahl der Selbstmorde, der Morde und der Unfälle ansteigt. Das hatte Soziologen der University of California dazu gebracht, sich auch die normalen Todesfälle einmal anzuschauen. Da externe Todesursachen wie die oben genannten gegenüber den natürlichen nur gering sind. 93 Prozent der Todesfälle gehen auf "natürliche" Ursachen zurück.

Interessant ist die Frage, ob in dieser Zeit, in der viel gegessen und getrunken wird und in der die medizinische Versorgung wegen der Feiertage nicht optimal ist, die Zahl der Todesfälle außergewöhnlich ansteigt. Vereinzelte Untersuchungen hatten darauf hingewiesen, dass eine Zunahme von tödlichen Herzerkrankungen an Weihnachten und Neujahr beobachtet wurde.

Für ihre Studie, die in der Zeitschrift Social Science & Medicine erschienen ist, haben die Wissenschaftler über 57 Millionen Sterbeurkunden aus den Jahren von 1979 bis 2004 ausgewertet. Eindeutig ist, dass die Zahl der Todesfälle immer im Herbst ansteigt und relativ steil zur Jahreswende einen Höhepunkt erreicht, um dann wieder kontinuierlich zurückzugehen und das Tief während des Sommers zu erreichen. Die meisten Todesfälle im Jahr gibt es tatsächlich am 25. und 26. Dezember sowie am 1. Januar. Das sind die tödlichsten Tage für alle Sterbeursachen, wenn man die Zahl der Todesfälle in den Notfallstationen und die Zahl der Menschen betrachtet, die schon bei der Einlieferung tot sind.

Todesfälle durch Medikamentenmissbrauch oder Morde, Selbstmorde, Unfälle erreichen in der ersten Januarwoche eine Rekordhöhe, nehmen aber auch in der Weihnachtswoche deutlich zu. Werden alle Todesfälle berücksichtigt, so gibt es nur einen Gipfel zwischen Weihnachten und der ersten Januarwoche, aber keine Gipfel an mehr an einzelnen Tagen. In den zwei Wochen sterben über 42.000 Menschen mehr, als statistisch im Gesamtjahresverlauf erwartet werden.

An Erklärungen gibt es nur Vermutungen. Erhöhter psychischer Stress könne zwar in Frage kommen, aber dazu gebe es keine Daten. Am wahrscheinlichsten spiele eine Überfüllung der schwach besetzten Notfallstationen eine Rolle. Möglicherweise würden Todkranke es vorziehen, über die Feiertage zuhause bei der Familie zu bleiben. Aber belegen lässt sich die Vermutung ebenso wenig wie jene, dass Menschen ihren Tod bis zu den Feiertagen hinausziehen können oder dass Grippe und Lungenentzündung eine Rolle spielen, zumal wenn es um die Erklärung der Rekordwerte an den drei Tagen geht. Wahrscheinlich habe eine Kombination von Gründen einen Einfluss, man könne allerdings letztlich nur sagen, dass Weihnachten und Neujahr Todesrisiken darstellen, die Ursachen aber unbekannt sind. (Florian Rötzer)