Die universelle Maschine

Ein britischer Ingenieur will zum Besten der Menschheit auf der Basis von Rapid Prototyping eine Maschine entwickeln, die sich selbst reproduzieren und möglichst viele Dinge produzieren kann

Als die neuzeitliche Technik entstand, träumte man unter anderem vom perpetuum mobile, also von einer Maschine, die sich im Prinzip ewig ohne neue Energiezufuhr bewegen kann. Erste Ansätze kamen aus dem Orient im 13. Jahrhundert auf, zur Zeit der Renaissance und besonders im Barock hatte die Vorstellung viele Forscher in den Bann geschlagen. Es war die Idee einer künstlich konstruierten Ewigkeit, die faszinierte, auch wenn das erträumte perpetuum mobile, meist gedacht als geschlossener Wasserkreislauf, eigentlich nichts hervorbrachte und sich lediglich im Kreis drehte.

Auch wenn es Systeme gibt, die sich einem perpetuum mobile annähern, indem sie einen einmal aufgenommen Impuls in Form einer Bewegung für sehr lange Zeit beibehalten, wenn die Reibung gegen Null geht, ist aber eine solche Vision in der Moderne nicht mehr von großem Interesse gewesen. Banal gesagt: Es verändert sich nichts, es entsteht kein Mehrwert. Das Automatische als solche, inkarniert in der Maschine, faszinierte dann, wenn es eine Art Leben reproduziert, also sich, im Unterschied zum perpetuum mobile, durchaus mit Aufnahme von Energie selbständig repliziert, mutiert und womöglich auch selbst wächst und seine Gestalt verwandelt.

Rapid Prototyping Testbeds mit Meccano-Bauteilen von Vik Olliver

Wenn man diese Idee, die – ausgehend von Gedanken John von Neumanns - im Künstlichen Leben, in der Roboter- und Nanotechnologie verfolgt wird, noch verbindet mit der Idee einer universellen Maschine, die nicht nur virtuell wie der Computer, sondern auch materiell alles produzieren kann, dann ist man bei dem Projekt, das beispielsweise Adrian Bowyer, der Mechanik an der University of Bath lehrt, mit seinem RepRap (Replicating Rapid-Prototyper) zu realisieren sucht. Ein RepRap wäre schon faszinierend, ist er doch, wie Bowyer erklärt, ein "universeller Produzent", der "sich selbst replizieren und zusätzlich andere Industrieprodukte herstellen kann". Eine solche Maschine würde zudem der darwinistischen Evolution unterliegen, weswegen sie sich exponentiell vermehren und zugleich äußerst billig sein würde.

Die exponentielle Vermehrung als solche klingt zwar womöglich nicht mehr so erstrebenswert, lässt sie doch an Plagen denken, aber wenn es gleichzeitig billig ist und Profit erzeugt, wäre es letztlich auch nicht viel anderes als ein Nutztier, aber eben besser, weil ein RepRap nicht nur sich selbst und bestimmte Produkte, sondern viele Erzeugnisse erstellen sollen. Genauer betrachtet versucht Bowyer das Konzept des Rapid Prototyping weiter auszubauen. Darunter versteht man ein Verfahren, aus Konstruktionsdaten mit einem formbaren Material durch einen Automatismus Prototypen, also Modelle bzw. letztlich fertige Produkte herzustellen. Das kann beispielsweise die Umsetzung eines CAD-Modells durch einen 3D-Drucker in eine Form aus sich verhärtendem Plastik sein.

Bowyer sieht sein Produkt als Chance auch für Menschen aus den Entwicklungsländern, da ein RepRap, der ungefähr so groß wie ein Kühlschrank sein würde, schließlich eine überschaubare, einmal zu erwerbende Technologie ist und weitere Kopien und andere Produkte nur noch Rohstoff-Kosten verursachen würden. So ließen sich viele einfache Gegenstände wie Teller, aber auch Schaltkreise oder gar eine Digitalkamera herstellen, wenn man dazu noch die Linsen und den Chip kaufen und einbauen würde. Um seine Idee allen zu öffnen und sie dadurch auch weiter entwickeln zu lassen, hat er seine Konzepte unter die GNU General Public Licence gestellt. Das findet er auch fast am Wichtigsten an seinem Projekt. Wenn die Menschen mit der kostenlosen Übernahme von RepRap plötzlich eine ganze Menge Gebrauchsgegenstände selbst herstellen könnten, dann würde dies gewaltige Folgen für die Industrie und die Gesellschaft haben.

Der mit Rapid Prototyping konstruierte Roboter von Ed Sells

Aber noch handelt es sich bestenfalls um eine Vision, die Schritte dahin sind klein und mühsam, was sich an dem RepRap-Blog oder an dem System von Vik Olliver erkennen lässt. Immerhin konnte Ed Sells im Rahmen des RepRap-Projekts bereits einen einigermaßen funktionierenden Roboter mit Rädern und Motor großenteils erzeugen, abgesehen beispielsweise von den Batterien. Doch Bowyer investiert große Hoffnungen in seine technische Vision, wie er CNN erzählte:

Es ist die erste Technik, die wir haben können und die die Menschen reicher machen kann, während sie gleichzeitig die Angewiesenheit auf Industrieproduktion reduziert.

Noch würden die Prototyping-Maschinen um die 45.000 US-Dollar kosten, aber der Preis würde rasch sinken, wenn sich diese eben selbst replizieren könnten. Das würde die Industriefertigung der Landwirtschaft annähern, die auch mit sich selbst replizierenden Produkten zu tun hat.

Seine Rep-Rap-Maschine kann jetzt Schaltkreise, aber auch andere Dinge bis zu einer Größe von 30 cm herstellen. Größere Teile können kombiniert werden. Und irgendwie kommt dann auch doch auch wieder das perpetuum mobile in der modernen Form des Recycling von Plastik dazu. Wenn sich die Maschine selbst kopieren kann, dann könnte sie sich auch selbst recyclen: "Wenn etwas kaputt geht, dann steckt man das einfach in den Recycler, in dem es in seine Rohmaterialen zerlegt und neu aufgebaut wird." Vielleicht steckt auch ein wenig Alchemie in dem Projekt, denn Bowyer tritt unter den Devise an: "Reichtum ohne Geld". Das ist etwa so, als würde man Gold aus Scheiße machen können. Oder ist es nur der "american dream", vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen zu können?

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