Die unsägliche Debatte um die richtige Fiskalpolitik in Krisenzeiten

Außerhalb der einschlägigen akademischen Zirkel wird das Versagen der herrschenden Volkswirtschaftslehre angesichts der überwältigenden Evidenz auch kaum noch bezweifelt

80 Jahre nachdem John Maynard Keynes und Friedrich v. Hayek sich auf die "große ökonomische Debatte" eingelassen haben, findet sich die dafür zuständige Wissenschaft in einer strukturellen Krise, die es unmöglich macht, sich auf wirksame Lösungen zu einigen - während sich Keynes und Hayek gemeinsam wohl auf ein optimales Krisenmanagement einigen könnten.

Nachdem die Arbeitslosigkeit praktisch überall ansteigt und nirgendwo die Staatsschuldenquoten zurückgehen, kann am Scheitern der europäischen Krisenpolitik kaum gezweifelt werden (allenfalls vielleicht wegen der mittlerweile ausgeglichenen Leistungsbilanzsalden, was aber ebenfalls hinterfragt werden muss). Dumm nur, dass die herrschende Lehre der Wirtschaftswissenschaften heute offenbar dieselben Probleme hat, eine Finanzkrise dieses Ausmaßes zu analysieren, wie während der "Großen Depression" der 1930er Jahre.

John Maynard Keynes und Gordon Dexter White, aufgenommen 1944 in Bretton Woods. Bild: IMF

Damals hatte Keynes einen "Kreuzzug" gegen die damals herrschende (und auch von Keynes gelehrte) Cambridge-Ökonomik gestartet, der als "great economic debate" in die Wirtschaftsgeschichte eingegangen ist. Analog dazu kann heute unschwer die jahrzehntelange Dominanz der Chicagoer Schule mit ihrer Theorie der "rationale Erwartungen" für das Versagen der Volkswirtschaftslehre verantwortlich gemacht werden. So konnte diese streng mathematisch orientierte volkswirtschaftliche Schule systemische Krisen offenbar nur als Unfälle wahrnehmen, die außerhalb ihrer theoretischen Reichweite lagen und folglich als vernachlässigbare Irrtümer behandelt wurden. Das entspricht recht genau den von Keynes in der Zwischenkriegszeit der Cambridge-Ökonomik gemachten Vorwürfen.

Heute dürfte erschwerend dazu kommen, dass führende ökonomische Journale die formale mathematische Eleganz seit Jahrzehnten wichtiger nehmen als die Relevanz für die real existierende Ökonomie, sodass angehende Ökonomen angehalten sind, ihre Zeit nicht mit der Lektüre klassischer Ökonomen oder der Wirtschaftsgeschichte zu verbringen, sondern sie der höheren Mathematik zu widmen. Das verspricht zudem einen gut bezahlten Arbeitsplatz an der Wall Street, was insgesamt offenbar zur Ignoranz gegenüber tatsächlich auftretenden wirtschaftlichen Phänomenen geführt hat.

Wie sich ab 2008 herausgestellt hatte, war diese Herangehensweise als Maßstab für "richtige" Wirtschaftspolitik allenfalls in sehr ruhigen Zeiten brauchbar, was allerdings genau den Zeitraum charakterisiert, in dem die "rationalen Erwartungen" den ökonomischen Mainstream usurpieren konnten. So wird der Zeitraum von den 1980er Jahren bis 2008, der von sehr stetigen Wachstums- und Inflationsraten in den OECD-Ländern geprägt war, heute als "Great Moderation" bezeichnet, was vor allem daran liegt, dass die durchaus nicht seltenen Finanzkrisen in dieser Zeit nicht mehr zu gravierenden realwirtschaftlichen Einbrüchen geführt hatten. Die herrschende Ökonomik hatte das solange als Erfolg und Rechtfertigung verbuchen können, bis sich herausstellte, dass von ihr (dank einer angenommenen Identität von Eigen- und Fremdfinanzierung) schlicht übersehen wurde, dass die vermeintliche Stabilität mit einer Verdoppelung der relativen Verschuldung von Staaten, Haushalten und Unternehmen verbunden war, die ab 2007 für eine Serie von Finanzkrisen verantwortlich sein sollte.

Außerhalb der einschlägigen akademischen Zirkel wird das Versagen der herrschenden Lehre angesichts der überwältigenden Evidenz auch kaum noch bezweifelt, und weshalb den Ökonomen anscheinend nichts weiter übrig blieb, als eben die "große ökonomische Debatte" wieder aufzunehmen, die die Volkswirtschaftslehre seit den 1930er Jahren in zwei feindliche Lager teilt. Während kaum eine TV-Diskussion ohne entsprechende Reverenzen auskommt, verlieren die gegnerischen Parteien vor allem in den USA zusehends die Contenance. So gönnte sich der neuliberale Harvard-Ökonom Niall Ferguson gerade erst die Anmerkung, Keynes' kurzfristige Orientierung hänge wohl damit zusammen, dass er sich als Homosexueller ja nicht um seine Nachkommen sorgen musste.

Parade-Keynesianer Paul Krugman erklärte Hayek in seiner NYT-Kolumne hingegen quasi zur Lachfigur und für völlig unbedeutend für die Ökonomik, wobei er unterschlägt, dass sich Hayek nach dem 2. Weltkrieg von der "Makroökonomie" (Krugmans akademisches Fachgebiet) abgewandt und der Informations-/Prozess-/Systemtheorie zugewandt und wohl allein deshalb seither nicht mehr übermäßig viel zu dieser erst von Keynes so etablierten Fachrichtung beigetragen hatte.

Wenn aber selbst die renommiertesten Ökonomie-Professoren sich zu persönlichen Beleidigungen verleiten lassen, lohnt es vielleicht, zum historischen "Clash, der die Wirtschafswissenschaften definierte", und zu ihrem historischen Umfeld zurückzukehren. Kern der Debatte war jedenfalls die "richtige" Wirtschaftspolitik während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, wobei Keynes bekanntlich für höhere Staatsausgaben eintrat und Hayek dafür stand, die Staaten sparen zu lassen und überschuldete Wirtschaftssubjekte in Konkurs zu schicken. Allerdings hatte Hayek später zähneknirschend eingestanden, dass seine Kritik an einzelnen Stimulierungsmaßnahmen in Summe wohl nicht hilfreich gewesen sei, als es letztlich galt, eine totalitäre Machtübernahme zu verhindern.

Die Übereinstimmung mit der aktuellen Situation ist frappant. So hatte Keynes die damalige "klassische" Ökonomik kritisiert, weil in ihrem Theoriegebäude ein Einbruch der Gesamtnachfrage, wie ihn die Weltwirtschaft in dieser Zeit erlebte, schlicht nicht möglich war und daher auch nicht sinnvoll diskutiert werden konnte, wobei die damaligen Argumente genau so heute noch zu hören sind. Damals hatte Keynes seine methodologische Kritik auf einen blinden Fleck konzentriert, der aus einem irregeleiteten "Glauben" der traditionellen Ökonomen an eine Handlungsrationalität rühre, den Keynes als "Saysches Gesetz" bezeichnet hatte. Demnach schaffe sich jedes Angebot selbst die nötige Nachfrage, weil die dafür erforderlichen Produktionsfaktoren bezahlt werden müssen, was zu zusätzlichen Einkommen führt, die - in volkswirtschaftlichen Aggregaten gedacht - die für die Produktion zusätzlich erforderliche gesamtwirtschaftliche Nachfrage gewährleisten.

Daraus wurde laut Keynes nun fälschlich abgeleitet, dass eine Krise nicht auf zu geringer Nachfrage beruhen könne, weshalb dahingehend ausgleichende staatliche Eingriffe von der herrschenden Lehre nicht einmal angedacht wurden. Begründet wurde dies also mit der unmittelbar einsichtigen Feststellung, dass jegliche Ausgaben die Einnahmen von anderen darstellen. Dass die Haushalte Teile dieser Einkommen sparen könnten, störte die klassischen Ökonomen nicht, weil diese Gelder dann eben als Unternehmenskredite zur Verfügung stehen würden. Damit die Unternehmenskredite zudem nicht von der staatlichen Kreditnachfrage verdrängt würden, wird auch in Krisenzeiten die Reduktion der Staatsausgaben empfohlen. Der bekannte Harvard-Neoklassiker Robert Barro argumentiert, dass ein rationales Individuum bei steigenden Staatsausgaben (oder sinkenden Steuern) ohnehin davon ausgehen würde, deshalb künftig höhere Steuern bezahlen zu müssen, die er sofort zurücklegt und den eigenen Konsum folglich entsprechend reduziert, weshalb staatliche Konjunkturhilfen völlig sinnlos wären.

Laut Keynes war letztlich dieser "Irrglaube" daran Schuld, dass die Regierungen auf den Finanzmarktcrash von 1929 weltweit zwar mit einer starken Lockerung der Geldpolitik reagiert hatten (d.h. vom Goldstandard abgingen und die Zentralbank-Geldmenge drastisch erhöhten), gleichzeitig aber auch die Staatshaushalte zusammenstrichen. Laut Keynes sollten sie genau das Gegenteil tun. Nach eigenem Bekunden führte er einen "Kreuzzug", um die Fachwelt von seinen "revolutionären" Einsichten zu überzeugen, etwa dass es keine grundsätzliche Übereinstimmung von Ersparnissen und Investitionen gebe.

Mangels expansiver Fiskalpolitik lag die deutsche Wirtschaft 1934 also völlig am Boden und die Arbeitslosigkeit war mehr als 40 Prozent hoch. Das brachte Adolf Hitler an die Macht, der dann die Arbeitslosigkeit mit massiven öffentlichen Konjunkturprogrammen innerhalb von zwei Jahren halbierte und dem Faschismus bis in die USA begeisterte Anhänger verschaffte. Indes hatte der neu gewählte demokratische US-Präsident Franklin Delano Roosevelt ab 1933 den "New Deal" angeworfen, der neben einer Umverteilung von oben nach unten auch eine kräftige fiskalische Expansion umfasste. Das US-Programm wurde jedoch nicht so rasch wirksam wie die deutschen Bemühungen. Jedenfalls wurde das Vorkrisen-Produktionsniveau in den USA erst durch die Anforderungen des 2. Weltkrieges erreicht, was zwar durchaus an strukturellen Unterschieden in den Überschuldungssachverhalten gelegen haben könnte, aber auch als Beleg für das Scheitern des New Deal gewertet wird. Andere meinten, die fiskalische Expansion sei in den USA zuerst eben nicht stark genug gewesen, und erst die zusätzliche Expansion durch die Kriegsausgaben hätte ausgereicht, um die Krise zu überwinden.

Nach dem 2. Weltkrieg herrschte unter Ökonomen jedenfalls weitgehende Übereinstimmung, dass die Expansionsmaßnahmen gerechtfertigt waren. Und egal, welche langfristigen Probleme die Expansionsmaßnahmen auch schaffen würden, wenn andernfalls totalitäre Systeme zu befürchten wären, müssen diese hintan stehen, wie zu jener Zeit die historische Erfahrung fast jedem klar gemacht hatte.

Dann verblassten jedoch die Erinnerungen, und da die Inflation in den 1970er Jahren zusehends zum Problem geworden war, begann sich die Fachwelt Hayek zuzuneigen, der sich mittlerweile völlig aus der makroökonomischen Diskussion zurückgezogen und in die Informations- und Prozesstheorie vertieft hatte. Das manifestierte sich etwa in Hayeks spätem Nobelpreis, besonders aber in den neoliberalen Ideen von Ronald Reagan und Margaret Thatcher. Vielleicht weil beide den mathematischen Methoden skeptisch gegenüber standen, waren ihre Ideen und Überlegungen für moderne Ökonomen aber offenbar völlig uninteressant, andernfalls hätte auffallen müssen, dass Keynes und Hayek die besten Freunde waren, oft perfekt übereinstimmten und sich wohl auch in der Eurozonenkrise auf ein "richtiges" Vorgehen hätten einigen können.

So stellte Hayek etwa 1939 in "Profits, Interest and Investment" klar, dass es "verzweifelte Situationen gibt, in denen es tatsächlich notwendig ist, die Beschäftigung um jeden Preis zu erhöhen". Nur dürften die Ökonomen dann nicht verheimlichen, dass der Einsatz der Fiskal- und Geldpolitik für Wachstumszwecke die Politik eines "Desperado darstellt, der nichts zu verlieren, aber alles von einer kurzen Atempause zu gewinnen" habe. Natürlich musste Hayek hier zwischen zwei Übeln abwägen, wobei er später zugab, die Inflationsgefahr zuerst zu hoch bewertet zu haben.

Allerdings hatte Hayek nach dem 1. Weltkrieg hautnah die verzweifelten fiskalischen und monetären Rettungsversuche der Wiener Regierung miterlebt, die zu Hyperinflation geführt und seine Familie ruiniert hatten. Zudem war er von tiefem Misstrauen gegenüber der Politik erfüllt, die stets in Versuchung wäre, nicht das öffentliche, sondern das eigene Wohl zu verfolgen. Keynes denke laut Hayek zudem statisch und in Aggregaten, während die Wirtschaft ein extrem differenzierter Prozess sei, der in der Zeit stattfinde. Und so wäre die "Allgemeine Theorie" tatsächlich genau das richtige Rezept für die gegebene Zeit gewesen, wie er im Rosten-Interview meinte. sei das einzige, was er daran kritisieren könne, das Keynes sie als allgemeine Theorie (und nicht als Sonderfall) bezeichnet hatte - obwohl Keynes seine Ansicht laut Hayek sicherlich noch weiterentwickelt hätte.

Einig waren sie sich jedoch in ihrer Abneigung gegenüber totalitären Regierungsformen, weshalb etwa 1932 in Deutschland auch laut Hayek jede Maßnahme gerechtfertigt gewesen wäre, die die Beschäftigung erhöht hätte. Angesichts der starken rechtsradikalen Tendenzen in den heutigen Krisenländern und den sich den deutschen Rekorden der 1930er Jahre nähernden Arbeitslosenraten darf wohl angenommen werden, dass Hayek keine Budgetkürzungen verordnet, sondern allenfalls Umschichtungen in Richtung effizienterer Verwendungsweisen vorgenommen hätte.

Öffentliche Sparsamkeit und die Abwicklung gescheiterter Unternehmen, die gemeinhin als Hayeks Krisenrezepte betrachtet werden, wären wohl nur dann das einzige Mittel seiner Wahl, wenn schon zuvor alles nach Hayeks Regeln gelaufen wäre. Denn wie Hayeks Lehrer Ludwig v. Mises offenbar zutreffend festgestellt hatte, waren schwere Finanzkrisen tatsächlich stets mit übermäßiger Kreditexpansion verbunden, die in jedem Fall "politische" Ursachen hatte. Würde das Kreditangebot hingegen vom Markt bestimmt, dann könnte es von vornherein nicht zu derart großen Überschuldungen kommen. Würde der Staat Überschuldungen also von vornherein erfolgreich bekämpfen (was laut Hayek übrigens staatliche Eingriffe gegen Übertreibungen des Privatsektors einschließt), müsste dann auch die Nachfrage nicht ersetzt werden, die entfällt, wenn Haushalte und Unternehmen ihre Einkommen zum Tilgen übermäßiger Schulden verwenden.

Wenn Hayek heute mit Vorliebe damit zitiert wird, wie er Keynes höchst unfein als ökonomischen Dilettanten bezeichnet, dürfte das sicherlich weniger gelebte Feindschaft, als eine Art Running Gag gewesen sein, der sich auf gemeinsam verbrachte Zeiten bezieht. Immerhin hatte ihm Keynes im Sommer 1942, als Hayek an der London School of Economics lehrte, weil London von den Nazis bombardiert wurde, eine Wohnung gegenüber seiner eigenen am King's College in Cambridge verschafft und dort viel Zeit mit ihm verbracht.

Wie Hayek 1978 in einem Interview für das Oral History Program der University of California erzählte, hatten sie zwar jede Menge an gemeinsamen Interessen, aber sie hätten erst lernen müssen, nicht über die Ökonomik zu sprechen. Allerdings scheint hier vor allem ein Methodenstreit vorzuliegen, der sich auf der Ebene der Realität - der sich beide stets mehr verpflichtet fühlten als allen Modellen und Theorien - vermutlich schnell auflösen würde. So wäre Keynes laut Hayek zwar ungemein belesen gewesen, die klassischen Ökonomen des 19. Jahrhunderts habe er jedoch gehasst und selbst von führenden Vertretern wie David Ricardo nur die Hauptwerke gekannt. Die Ökonomik bestand für ihn praktisch nur aus den pragmatisch-merkantilistisch orientierten Cambridge-Economics seines Mentors Alfred Marshall und Arthur Cecil Pigous, die noch heute die Einführungsvorlesungen in die VWL dominieren. Das sei für Keynes alles, was es in der Ökonomik zu wissen gebe, wobei Hayek freilich Englisch lesen konnte, während Keynes die zumeist nicht übersetzten Schriften seiner kontinentaleuropäischen Kollegen verschlossen blieben.

Hayek hatte sich hingegen mit verschiedenen ökonomischen Schulen befasst und konnte Keynes oft auch britische Quellen angeben, die Keynes revolutionäre Ideen schon 100 Jahre zuvor diskutiert hatten, was den ausgesprochen selbstbewussten Keynes freilich nicht beeindruckt hatte.

Persönlich waren sich Hayek und Keynes erstmals 1928 bei einem Treffen des Trade Cycle Research Institute begegnet. Laut Hayek wären sie bereits dort bezüglich der richtigen Zinssätze aneinander geraten, woraufhin Keynes ihn überrollt hätte "wie eine Dampfwalze". Da er dem aber widerstanden habe, hätte Keynes ihn für den Rest seines Lebens respektiert und sie wären bis zum Schluss (Keynes starb 1946 an einem Herzinfarkt) Freunde geblieben. Hayek bezeichnet Keynes als "einen der intelligentesten und originellsten Menschen", die ihm je begegnet wären, allerdings für Hayeks Geschmack zu "intuitiv" und zu sprunghaft in seiner Meinung. Das bezog sich wohl besonders auf Keynes’ Reaktion auf die eher vernichtende Kritik, die Hayek 1934 in zwei Aufsätzen an Keynes Buch "A Treatise on Money" geübt hatte. Keynes habe ihn bei einem darauf folgenden Treffen dann nur angegrinst und gemeint, das mache nichts, er glaube das alles auch selbst schon nicht mehr. Das sei auch der Hauptgrund, warum er sich nicht Keynes Hauptwerk, die "General Theory …" von 1936 vorgenommen habe.

Keynes hatte hingegen Hayeks Schrift "Road to Servdom" (Hayek: "Mein Pamphlet gegen die Verstaatlichung der Produktionsmittel") euphorisch gelobt, die 1945 in den USA als vereinfachte Reader's-Digest-Version ein Millionenpublikum erreichte. Weite Teile von Hayeks gloriosem Status bei US-amerikanischen Neoliberalen und Libertären sind dadurch begründet, obwohl Hayek unter anderem für eine Grundsicherung eintritt. Letztere sollte allerdings nur ein "sehr niedriges Minimum " garantieren, weil andernfalls "die Motivation, unser System am Laufen zu halten", entfalle. Allerdings würde er Ansprüche nicht kürzen bzw. es ignorieren, sollten die Bezieher etwas dazu verdienen.

Wären die beiden jetzt also auf einem Wölkchen versammelt und würden gemeinsam auf die Eurozonenkrise herabblicken, könnten sie sich vermutlich darauf einigen, dass der Rückgang der Einkommen in der gegebenen Situation gestoppt werden muss. Vielleicht würde Keynes sich mit dieser Einsicht schon zufrieden geben und sofort alle Schleusen öffnen, da - in Aggregaten gedacht - es ihm vielleicht wichtiger erschiene, sofort zu handeln, als die besten Lösungen zu spät zu liefern. Das entspräche Keynes überzeugender "saldenmechanischer" Betrachtungsweise, die von den "New Monetary Economics" wiederentdeckt wurde und mit der auch hier gerne argumentiert wird. Dabei wird die Wirtschaft in Sektoren geteilt, deren Bilanzen analysiert und gegenübergestellt werden, weshalb sich freilich nur allgemeine Aussagen treffen lassen, Detailfragen aber ausgeklammert bleiben.

Insofern könnte sie daraus eine optimale Partnerschaft verbinden, da Hayeks Interesse vermutlich an der Optimierung der Prozesse liegen würde, und wohl auch, wie vermieden werden kann, dass diese Gelder korrupte und ineffiziente Strukturen konservieren bzw. von diesen abgezweigt werden. In Hinsicht auf die Inflation würde er darauf achten, dass keine Finanzierungsmittel gewählt werden, die absehbar unkontrollierbare Folgen haben, wobei sich hier sicherlich Finanzmarkt-Fuchs Keynes durchaus kreative monetäre Lösungen einfallen lassen könnte. Keynes' Überlegungen zur Kriegsfinanzierung Großbritanniens hatten übrigens Hayeks vollste Zustimmung gefunden und Keynes war überzeugt, die inflationären Folgen seiner Politik kontrollieren zu können. Und weil sich die beiden Herren nicht mehr wehren können, sei ihnen zuletzt noch unterstellt, dass ihnen für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sicherlich auch kein Preis zu hoch gewesen wäre.

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