Die von Katrina verursachten Waldschäden können das Klima anheizen

Der Wirbelsturm Katrina hat nach Schätzungen von Wissenschaftlern 320 Millionen Bäume abgetötet, die nun mehr CO2-Emissionen abgeben, was die Klimaerwärmung antreiben und zu noch stärkeren Stürmen führen kann

Der Wirbelsturm Katrina hatte im August nicht nur schwere Verwüstungen der Küstengebiete und der dort befindlichen Städte mit einem geschätzten Gesamtschaden von 125 Milliarden US-Dollar verursacht, sondern in Mississippi und Louisiana auch etwa 320 Millionen größere Bäume zerstört, wie Forscher von der Tulane University in New Orleans schätzen. In den USA, vor allem in Mississippi, wurden insgesamt 5 Millionen Hektar Wald zerstört. Wenn Wirbelstürme, wie manche Wissenschaftler annehmen, aufgrund des Klimawandels häufiger auftreten und stärker werden, dann würden diese wie im Fall von Katrina die Klimaerwärmung noch zusätzlich durch Freisetzung von CO2-Emissionen beschleunigen.

Waldschäden am Pearl River. Bild: LSU

Die Wissenschaftler unter der Leitung von Jeffrey Chambers, Professor für Ökologie und Evolutionsbiologie, haben, wie sie in der aktuellen Ausgabe von Science schreiben (10.1126/science.1148913) für ihre Abschätzung des Schadens, den Katrina verursacht hat, Spektralbilder von Satelliten ausgewertet. Aus dem Vergleich zwischen den Analysen von Bildern aus dem Jahr 2003 mit denen aus dem Jahr 2006 berechneten sie die neu entstandenen durch Wind und Salzwasser entstandenen Zonen toter Vegetation (nicht-fotosynthetische Vegetation). Mit der Berücksichtung empirischen Stichproben vor Ort von toten oder beschädigten Bäumen sowie empirisch gestützten statistischen Modellen des Baumbestands schätzten sie den von Katrina verursachten Schaden ab.

Für Bäume mit einem Durchmesser von mehr als 10 cm in Brusthöhe ergaben sich so zwischen 290 und 350 Millionen toter Bäume mit einer Biomasse zwischen 92 und 112 TgC (Millionen Tonnen Kohlenstoff). Die dadurch zusätzlich verursachten 367 Millionen Tonnen CO2-Emissionen sind zwar weltweit nicht viel, für einen einzelnen Vorfall jedoch schon, denn die zerstörte Biomasse entspricht zwischen 50 und 140 Prozent der jährlichen CO2-Aufnahme der US-amerikanischen Wälder. Diese tragen in den USA zu 30 Prozent zu den CO2-Senken bei. Auch wenn das Holz der toten Bäume nicht gleich zu CO2-Emissionen führt, wird das in Zukunft zu erhöhten Abgaben führen. Zudem wird die Landschaft durch den gewaltigen Verlust an Baumbestand für Generationen verändert

Bild: Biloxi – vor und nach Katrina. USGS

Die Biologen der Tulane University gehen davon aus, dass die ursprünglichen Baumarten nun durch invasive Arten ersetzt werden, wodurch sich die Ökologie des gesamten Gebietes verändert. So würde sich beispielsweise die aus China stammende Triadica sebifera sehr schnell auf feuchten Grund verbreiten und andere Baumarten verdrängen. Die bis zu 20 m hohen Bäume sondern einen giftigen Saft aus, der Insekten und Vögel abhält. Zudem wachse nur ein Bruchteil der zerstörten Bäume nach, die von viel Bruchholz umgeben sind. Das seien zusammen mit der Trockenheit gute Bedingungen für Waldbrände, so James Cummins von der Mississippi Fish and Wildlife Foundation. Vermutlich wird ein Großteil der Wälder nicht mehr aufgeforstet. Die Regierung hat zwar insgesamt 500 Millionen Dollar für die Wiederaufforstung zur Verfügung gestellt, bislang sind aber nur 70 Millionen abgerufen und 100.000 Hektar wieder aufgeforstet worden.

Chambers warnt, dass mit zunehmender Klimaerwärmung die Stürme stärker werden, was zu noch größeren Waldschäden und damit zu totem Holz führen wird, das zusätzlich mehr CO2 in die Atmosphäre bringt, während gleichzeitig die verbleibenden Bäume weniger CO2 aufnehmen können. Die zusätzlichen CO2-Emissionen können, so Chambers, die Klimaerwärmung durch einen positiven Rückkopplungsmechanismus verstärken: "Zusätzliche CO2-Emissionen wärmen das Klima auf, verursachen stärkere Stürme und höhere Waldschäden, was zu weiteren CO2-Emissionen führt und das Klima weiter erwärmt." (Florian Rötzer)

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