Die wichtigsten IT-Standorte in Deutschland

Bayern weiter Spitzenreiter, Berlin bleibt IT-Provinz, Sachsen und NRW auf der Überholspur.

Die neuen Medien und die IT-Wirtschaft stehen zumindest rhetorisch im Zentrum der rot-grünen Regierungspolitik und das mit gutem Grund. Schon in diesem Jahr werde die Informations- und Kommunikationsbranche mit einem Umsatz von 206 Milliarden Mark erstmals den Automobilmarkt übertreffen, schätzte der Zentralverband der Elektronikindustrie. Vor allem hofft man, dass in diesen innovativen Branchen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Allein im Bereich Multimedia sollen bis zum Jahr 2001 zusätzliche 250.000 Arbeitsplätze entstehen. Im Jahr 2003 sollen 40.000 neue Ausbildungsplätze in den IT-Berufen, sowie 350.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Generell gilt die Software- und Medienbranche als weitgehend Standort unabhängig. Dennoch gibt es in Deutschland eindeutig mehrere Zentren der IT-Wirtschaft: München, Stuttgart, Köln und Düsseldorf sowie Südwestsachsen. Christiane Schulzki-Haddouti beleuchtet die Entwicklung der deutschen High-Tech-Zentren.

Chip-Produktion im AMD-Halbleiterwerk in Dresden

München ist der Hauptstandort der deutschen IT-Industrie. Untersuchungen zeigen, dass München im Wirtschaftsbereich der Informations- und Kommunikationstechnologien sogar weltweit eine Spitzenstellung einnimmt. Nach einer Studie von McKinsey rangiert Bayern auf Platz vier hinter Silicon Valley, Boston und London.

Angefangen hatte alles 1945: Nach den Zerstörungen des Krieges und der Folgen der Demontage waren in den Berliner Siemenswerken von ursprünglich 24.000 Werkzeugmaschinen nur mehr 400 einsatzfähig. Zwar wurden bereits nach 14 Tagen Besatzung am 10. Mai 1945 die Wiederaufnahme der Arbeiten gestattet. Auch belief sich Ende 1945 die Beschäftigtenzahl schon auf etwa 14.000. Aber angesichts des sich abzeichnenden Berlin-Problems hatte die Siemens-Geschäftsleitung bereits in den letzten Kriegsmonaten in Süd- und Westdeutschland sogenannte Gruppenleitungen etabliert. Sie begannen dort unabhängig von der Berliner Zentrale mit dem Wiederaufbau.

Siemens hatte 80 Prozent des Auslandvermögens verloren sowie sämtlich Patente und Markenrechte. Mit finanzieller Hilfe der Deutschen Bank, von Mannesmann-Kapital und mit Unterstützung US-amerikanischer Partner wurde Siemens & Halske in München sowie Siemens-Schuckert in Erlangen restauriert. 1957 schliesslich wurde die Firmenleitung ganz nach München verlegt. 1960 überschritt die Belegschaftsstärke von Siemens erstmals seit Kriegsende die 200.000er Grenze und der Umsatz die 4-Milliarden-Marke. Dieser Erfolg führte wesentlich dazu, dass sich Bayern schnell von einem nahezu reinen Agrarland in einen High-Tech-Standort wandelte.

Als Auftraggeber zog Siemens zahlreiche weitere Unternehmen in die Region. Neben vielen anderen unterhält heute Microsoft seine deutsche Hauptgeschäftsstelle in München. Aufgrund der IT-Industrie konnte sich in München auch die Medienindustrie etablieren. Heute ist München einer der führenden Firmen und TV-Produktionsstandorte in Europa. Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie des deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung führt die bayerische Landeshauptstadt als Produktionsstandort in Deutschland bezogen auf Produktionsvolumen, Zahl der Beschäftigten und Umsatz vor Köln, Berlin und Hamburg. Allein 120.000 Personen sind in der Medienbranche beschäftigt. Grund: Die vielen in München ansässigen High-Tech-Unternehmen ermöglichen heute Synergien vor allem im Bereich Multimedia. Die Multimedia-Branche erwirtschaftet bereits über ein Drittel des Umsatzes der Medienbranche.

Allerdings schickt sich Nordrhein-Westfalen seit einigen Jahren dazu an, München den Rang als Medienstandort Nummer 1 streitig zu machen. Mit Fördergeldern, billigen Krediten der Stadtsparkasse und modernen Studios lockt das Bundesland in München ansässige Produzenten nach Köln. Ministerpräsident Wolfgang Clement will die wegfallenden Arbeitsplätze der Kohle- und Stahlindustrie durch neue Jobs in der Medienbranche ersetzen. Mit Erfolg: In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Sender, wie RTL, Viva, Vox und Produktionsfirmen am Rhein angesiedelt.

München reagierte und erklärte die Medienpolitik ihrerseits zur Chefsache: Sie wurde aus dem Wirtschaftsministerium ausgegliedert und direkt der Staatskanzlei unterstellt. Mit rund 100 Millionen Mark aus Privatisierungserlösen will der Freistaat die Abwanderung von Produzenten und anderen Unternehmern aus der Branche verhindern.

Für Nordrhein-Westfalen sind die Medien jedoch nur der erste Schritt: Auch die Multimedia- und IT-Industrie sollen folgen. Jürgen Büssow von der „Digitalen Stadt Düsseldorf" weiß, dass Deutschland und insbesondere Nordrhein-Westfalen von den hohen Wachstumsraten in der Computerbranche in Europa überproportional profitieren wird. Mit dem Stadtnetzbetreiber ISIS startete ein erfolgreiches Telekommunikationsunternehmen, das eng mit dem Kölner Stadtnetzprovider Netcologne zusammenarbeitet. Die Tochter der Düsseldorfer Börse, die win Wagniskapital für Innovationen NRW GmbH und das Institut für Kreditwirtschaft zur Finanzierung an der Ruhr-Universität Bochum unterstützt innovative Unternehmensgründer. Sie wollen das Venture-Kapital-Geschäft nach Nordrhein-Westfalen holen. Allerdings gibt es ähnliche Initiativen auch in München mit dem „Munich Business Angel Network" und dem „Founders Forum" und „SiliconCity" in Berlin.

Kirschblütenfest in Düsseldorf

Traditionell prägen japanische Unternehmen den Standort Nordrhein-Westfalen, besonders aber Düsseldorf. Rund 420 japanische Firmen sind vertreten, mehr als 5.500 Japaner leben heute in der Region. In den 1920er Jahren waren zuerst der Überseehafen Hamburg und dann Berlin für Japan die wichtigsten Plätze. Nach dem 2. Weltkrieg herrschte in Japan eine große Nachfrage nach Maschinen und Produkten der Schwerindustrie. Düsseldorf war der ideale Platz, um das Know-how für den Stahl und den Maschinenbau zu beschaffen. Von den Japanern, die im Raume Düsseldorf leben, arbeiten mehr als 2.500 in japanischen Niederlassungen. Sie sind dort auch Arbeitgeber für etwa 30.000 weitere, meist deutsche Mitarbeiter. Der Jahresumsatz der japanischen Unternehmen im Raum Düsseldorf wird auf etwa 20 Milliarden Mark geschätzt.

In ganz Nordrhein-Westfalen sind es etwa 500 Firmen der unterschiedlichsten Branchen. Von hier aus wird der europäische Markt bedient. In Köln nahm beispielsweise 1970 die Sony GmbH mit 17 deutschen und vier japanischen Mitarbeitern den Betrieb auf. Das rasante Wachstum in den ersten Jahren und der Aufstieg an die Spitze der deutschen Unterhaltungselektronik im Jahr 1990 machten die Sony Deutschland GmbH zur größten Sony-Vertriebsgesellschaft in Europa.

Heute ist Sony der einzige japanische Großinvestor in Berlin. Sonys Engagement führte nicht zu einem Berlin-Boom unter japanischen Firmen. Waren es in der Wende-Euphorie nach Angaben der japanischen Industrie- und Handelsvereinigung rund 100 japanische Firmen, die sich in der Stadt niedergelassen hatten, waren es nur noch 25 Firmen im Jahr 1996.

1997 belegte Berlin bei Direktinvestitionen japanischer Firmen Aber auch bundesweit ist die Zahl der Mitgliedsunternehmen der japanischen Industrie- und Handelskammer in Düsseldorf seit 1993 zurückgegangen. Die Gründe: Hohe Lohnkosten und Deindustrialisierung in beiden Ländern.

Berlin entwickelt sich nur langsam weiter. Als IT-Standort wird die Hauptstadt noch lange nicht gelten können. Durch den Regierungsumzug profitieren zunächst nur Multimediagenturen, die Aufträge für CD-Roms und Broschüren von den Bundesbehörden erhalten, sowie die Medien durch ein Plus an Berichterstattung. Wirtschaftsförderung ist auch nach dem Umzug immer noch eine Domäne der Bundesländer. Alles wird also davon abhängen, wie Berlin und Brandenburg die Weichen stellen.

Grosse Hoffnungen verbinden sich mit dem Flughafen Schönefeld, der als Super-Airport ab 2007 den Drehkreuzen in Frankfurt und München Konkurrenz machen will. In Dahlewitz im Landkreis Teltow-Fläming stellt BMW Rolls Royce Triebwerke her. Die Auftragslage ist prächtig. Wenige Kilometer weiter baut die MTU Turbinenteile und DaimlerChrylser will künftig dort seinen „City Van" produzieren. Im TechnoTerrain Teltow (TTT) haben sich bis jetzt schon 182 kleine und mittelständische High-Tech-Zulieferfirmen mit 6100 Arbeitsplätzen angesiedelt. Sie sind auf Datentechnik, Datenverarbeitung und den Maschinen- und Gerätebau für die Luftfahrt spezialisiert. Die Prognosen für Brandburg sind gut: Jährlich soll nach Schätzungen von Fachleuten die Wirtschaft um 2,5 Prozent wachsen - das ist mehr als in den anderen neuen Bundesländern.

Doch Politikfilz und Korruption drohen den frischen Elan abzubremsen: So kam es im Vergabeverfahren für den 6 Milliarden schweren Großflughafen zu Ungereimtheiten. Unterlagen der ursprünglich unterlegenen IVG-Holding tauchten beim Konkurrenten Hochtief auf. Für 1,5 Milliarden Mark, die für Bodenentwässerung, Dorfumsiedlung und Infrastruktur von Bund und Land ausgegeben werden müssen, wurden keine Mittel in den Haushalten eingestellt. Der bündnisgrüne Verkehrsexperte Michael Cramer räumte im Spätsommer dem Projekt „nicht den Hauch einer Realisierungschance" ein. Am 7. Februar will die für die Privatisierung des Flughafenbaus zuständige Projektplanungs-Gesellschaft Schönefeld (PPS) beschliessen, ob Hochtief nun ausgeschlossen werden soll.

Immerhin will jetzt auch Microsoft in die Region investieren. Mit Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern schloss Microsoft vor wenigen Tagen Verträge ab. In Brandenburg wollen Microsoft und die Landesregierung marktnahe und nutzerorientierte Dienste und Servicedienstleistungen entwickeln. Noch steht die Landesförderung jedoch noch unter Haushaltsvorbehalt. Um welche Summen es sich handelt, wurde noch nicht bekannt.

Wirkliche IT-Standorte in Ostdeutschland haben sich in den letzten zehn Jahren in Jena und in Dresden ausgebildet. In Jena zählte die Carl Zeiss Jena GmbH im Juli 1990 noch zwölf Betriebe und 27.000 Beschäftigte. Der Freistaat Thüringen übernahm aus der Konkursmasse die Jenoptik Gmbh als hundertprozentige Tochter des Landes. Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth kam und leitete die Geschäfte der neuen Staatsfirma. Im Juni 1998 ging Jenoptik an die Börse. Zur Zeit baut Jenoptik im Bereich Reinraum-Systeme und Photonic/Optoelectronic aus. So waren es die Ingenieure aus Jena, die die neue Chipfabrik von AMD in Dresden bauten. 1998 überschritt der Konzern erstmals die Umsatzschwelle von 3 Milliarden Mark und meldete 746 neue Patente an. Seit 1998 ist die Jenoptik in Ostdeutschland auch der grösste Geber von Risikokapital für junge Erfinder. Ihre Tochter die Deutsche Effecten- und Wechselbeteiligungsgesellschaft (DEWB) verkaufte zunächst die überflüssigen Immobilien der Jenoptik und setzte das Kapital im Technologiesektor ein. In diesem Jahr standen rund 60 Millionen Mark Venture Capital bereit. Die Folge: Rund um Jena gründen sich kleine Firmen, die sich vor allem mit Biotechnologie beschäftigen.

Im Oktober eröffnete AMD in Dresden die „Fab 30". Dort wird die neueste Generation des Athlon hergestellt (siehe High-Tech aus Dresden). Schon jetzt arbeiten dort 951 Beschäftigte, in zwei Jahren sollen es 1.800 sein. Dreiviertel der Belegschaft stammen aus Sachsen, ein Viertel war vorher arbeitslos. Die Arbeitsbeschaffung hat sich der Freistaat auch einiges kosten lassen. 800 Millionen Mark staatliche Zuschüsse und Zulagen, sowie eine staatliche Bürgschaft für 937 Millionen stecken in der AMD Sachsen. Weitere 1,65 Milliarden Mark brachte ein internationales Konsortium unter Führung der Dresdner Bank auf, der Chipfabrikant selbst war mit 800 Millionen Mark eigenen Mitteln dabei.

Die Chipfertigung hat in Dresden Tradition: Seit 1957 stellte der VEB Spurenmetalle-Halbleiter her. Ab 1963 begann der Betrieb mit der Produktion von Silicium-Einkristallen. Ende der 80er Jahre war der Freiberger Betrieb mit knapp 1.700 Beschäftigten nach dem Bergbau- und Hüttenkombinat und der Bergakademie der drittgrösste Arbeitgeber der Region. Im Juli 1990 gründete die Treuhandanstalt die Freiberger Elektronikwerkstoffe Produktions- und Vertriebsgesellschaft mit den Geschäftsbereichen Elektronik-Silicium, Solar-Silicium und Gallium-Arsenid. Aus diesem einen Unternehmen gingen drei Betriebe hervor: Bayer, der Wacker-Konzern und die Freiberger Elektronik-Werkstoffe Gmbh vereinigten ihre Solar-Silicium-Produktion in der Bayer Solar GmbH. Das Kerngeschäft Elektronik-Silicium wurde 1995 von der Wacker Siltronic GmbH erworben und mit der Wacker Siltronic AG zum Werk Freiberg verschmolzen. Der Wacker Siltronic AG gehört die modernste 6-Zoll-Wafer-Fabrik der Welt. Sie produziert monatlich rund 150.000 Silicium-Scheiben für mikroelektronische Schaltkreise. Sie gehört weltweit zu den führenden Herstellern von Reinstsilicium für die Bauelemente-Industrie. Zu den Kunden in Sachsen gehören das Zentrum für Mikroelektronik Gmbh in Dresden, Simec Dresden GmbH, AMD Saxony Manufactory GmbH und Simec-Motorola Joint Venture.

Südwestsachsen ist auf dem Weg, eine Wachstumsregion von europäischem Rang zu werden. Die Industrie- und Handelskammer in Chemnitz konnte 1998 auf das erfolgreichste Jahr seit der Wende zurückblicken. Der Umsatz der Industriebetriebe mit mehr als 20 Beschäftigten stieg um 26,8 Prozent auf fast 24 Milliarden Mark. Die Exportquote von 32,2 Prozent erreicht fast das westdeutsche Niveau.

In Sachen elektronischer Handel ist vor allem Manfred Goedecke engagiert. Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südwestsachsen in Chemnitz will mehr als jede dritte Firma binnen zwei Jahren online bringen. Mit 6 Millionen Mark fördert das Bundeswirtschaftsministerium seit 1998 den Aufbau der bundesweit 24 Kompetenzzentren für den elektronischen Geschäftsverkehr. Goedecke ist seitens der IHK für das Kompetenzzentrum in Südwestsachsen mitverantwortlich. Das Zentrum arbeitet mit über 50 Partnern in der Region zusammen, darunter mit Netzanbietern wie der Deutschen Telekom und Internet Providern wie „Freie Presse Online". Auf einer eigenen Plattform präsentieren sich rund ein dutzend westsächsischer Firmen (www.i-regio.com). Manche Firmen wickeln mittlerweile ein Drittel ihrer Umsätze über das Internet ab.

Für die Schaffung von Arbeitsplätzen zählen vor allem die Produktionsstätten. Der frühere Ministerpräsident Lothar Späth wollte in den 80er Jahren den mittleren Neckarraum nach Vorbild des Silicon Valley zu einem Zentrum der Informationsgesellschaft machen. Doch nach seiner Verabschiedung aus der Politik hat sich in der Region Stuttgart viel verändert: Firmen wie IBM, SEL und Bosch Telekom bauten Tausende von Arbeitsplätzen ab. Eine von der IG Metall in Auftrag gegebene Studie des IMU-Institutes warnte frühzeitig. Aber „die Konzern-Lenker haben die Weichen falsch gestellt", beklagt Jürgen Stamm, einer der Sprecher der IG Metall in der Region Stuttgart. Heute habe die Region auf dem wichtigen Softwaremarkt keine Bedeutung mehr.

Ähnlich sieht es mit der Halbleiter-Industrie aus: Noch 1989 hatte der ehemalige Bundeskanzler Kohl die Produktion des 4-MB-Chips im IBM-Halbleiter-Werk auf der Böblinger Hulb gestartet, das damals als eines der modernsten der Welt galt. Aber IBM stieg nicht rechtzeitig auf die neue Chip-Generation um. Der Abstieg begann. Anfang 1995 verkaufte IBM 51 Prozent der Anteile seiner Halbleiter GmbH an Philipps.

Bei IBM blieb von den 5.600 Arbeitsplätzen in den Produktionsbetrieben keiner übrig. Insgesamt hat IBM Deutschland zwischen 1991 bis 1996 über ein Drittel der Stellen abgebaut. Heute arbeiten noch 6.500 Menschen in den Bereichen Service, Kauf, Entwicklung und Verwaltung für IBM. Uwe Mainhardt, der über den IT-Bereich zuständige IG-Metall-Sekretär ist der Meinung, dass „IBM wesentlich dazu beigetragen hat, dass das Know-How und das Image der Region stark gelitten hat". Hewlett Packard (HP) habe die Umstrukturierung dagegen besser bewältigt. Heute beschäftigt der US-Konzern, der 1959 in Deutschland die erste Fabrikationsstätte ausserhalb der USA in Böblingen im Hinterhaus einer Strickwarenfabrik eröffnete, 5000 Menschen in der Region. Aber auch HP hat sich von der Produktion verabschiedet. Die Leiterplattenfertigung in Böblingen hat jetzt der US-Konzern Multec übernommen.

Allein ein Unternehmen hat der Region in den letzten Jahren neue Perspektiven verliehen: Die erst vor kurzem gegründete Daimler-Tochter Debis. Sie beschäftigt bereits 3.100 Menschen in der Region, darunter 2.100 im Bereich IT-Service und 900 bei Debitel. Die massiven Umstrukturierungen haben auch bei der Politik zu einem Umdenken geführt. Galt eine regionale Wirtschaftsförderung und Strukturpolitik vor zehn Jahren noch als Todsünde, so Jürgen Stramm, gibt es inzwischen den Verband der Region Stuttgart (VRS) und eine Wirtschaftsfördergesellschaft (WRS).

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