"Dieses neue SETI-Programm stellt alles Bisherige in den Schatten"!

Datenpakete werden an SETI@home-User versandt

Für das Auswerten der riesigen Datenpakete, die im Zuge der umfassenden Suche anfallen, ist das Team der University of California in Berkeley unter der Leitung von Dan Werthimer zuständig. Werthimer gilt schon seit vielen Jahren als der heimliche Chef der SETI@Home-Initiative. Geplant ist, die "Breakthrough Initiative" zum größten wissenschaftlichen Projekt zu machen, das die Daten mit der Welt teilt. Alle gesammelten Teleskop-Daten sollen der Weltöffentlichkeit zugänglich sein. Milner ist um Transparenz bemüht. "Alle Resultate sollten allen zugänglich sein", so Milner.

Um dies zu bewerkstelligen, greift das neue Programm auf die Computer der derzeit neun Millionen registrierten SETI@home-User zurück. Dabei werden täglich die Observationsdaten von den Radioteleskopen Green Bank und Parkes nach Berkeley (Kalifornien/USA) gespielt und dort vom Zentralrechner in Millionen handliche Päckchen zerlegt. Sodann werden die Datenhäppchen an die angemeldeten Computernutzer, die sich zuvor das notwendige Analyseprogramm kostenfrei heruntergeladen haben, gesandt.

Das überspielte SETI@home-Programm, das die Auswertung steuert, wird als Bildschirmschoner installiert. In Aktion tritt es nur, wenn der Computer bzw. der Nutzer gerade eine Ruhephase einlegt. Ist das Datenpaket fertig ausgewertet, gehen die Bits und Bytes an die Hauptzentrale zurück. Die Software, die dabei hilft, die riesigen Datenmengen zu verarbeiten, wird allen Interessierten als Open Source zum Download zur Verfügung gestellt. Um andere Forschergruppen zu animieren, sich dem SETI-Suchlauf mit ihren Teleskopen anzuschließen, werden auch weitere Informationen über Hard- und Software ins World-Wide-Web gestellt.

Der Automated Planet Finder. Bild: UCO Lick/ Laurie Hatch.

Optical SETI auch Teil der Projekts

Dan Werthimer gilt als einer der Väter der Optical SETI-Idee (OSETI), deren Protagonisten seit zwei Dekaden nach kurzen Laserblitzen oder lang pulsierenden Laserstrahlen im sichtbaren oder infraroten Lichtspektrum suchen. Kein Wunder, dass er auch den Automated Planet Finder (APF) vom Lick Observatory in der Nähe von San Jose/Kalifornien federführend betreut. Seit Ende 2013 starrt das APF vom Mount Hamilton Nacht für Nacht in den Himmel und sucht nach erdähnlichen Exoplaneten, die in benachbarten Sternsystemen zuhause sind.

Die Besonderheit dieser Anlage besteht darin, dass sie als erstes Planetenjäger-Teleskop vollkommen autonom und autark arbeitet, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Es ist ein vollautomatisiertes System, das erste reine Roboterteleskop überhaupt, das nach extrasolaren Planeten sucht und dank des hochempfindlichen Levy-Spektrometers zudem in der Lage ist, auch nach außerirdischen Laserblitzen und Laserstrahlen zu jagen. An Sensibilität fehlt es dem Roboter nicht: Zielten Aliens von einem der 1000 erdnahen Sterne mit einem Laser, der nur 100 Watt stark ist, auf die Erde, würden die Sensoren des APF sofort Alarm schlagen. So verwundert es nicht, dass es als drittes Teleskop für das "Breakthrough Listen"-Unternehmen vereinnahmt wurde.

Irgendeine Galaxie im Kosmos, die dort lebende Zivilisationen aus dieser Perspektive mit großer Wahrscheinlichkeit nicht bewundern können. Das "Breakthrough Listen"-Projekt widmet sich ab 2016 den ersten Galaxien. Bild: NASA/JPL

Weitere Ausschreibung für aktive Botschaft

Um das neue Programm zu realisieren, arbeiten Werthimer und seine Kollegen von der Universität Berkeley bereits daran, die elektronischen Anlagen und digitalen Signalprozessoren weiter zu modifizieren. Sie sollen schneller werden und die Bandbreite noch effektiver nutzen als jemals zuvor. Dies gilt auch für die Suchstrategie. Welche dann favorisiert werde, sei noch offen. Die ersten Testläufe am Green Bank Observatorium sollen aber bereits dieses Jahr starten. Parkes Generalprobe folge dann im nächsten Jahr, so Werthimer.

Im Rahmen seiner Initiative schreibt Yuri Milner auch einen auf eine Million Dollar prämierten internationalen Wettbewerb aus. Der "Breakthrough Message"-Preis würdigt die beste digitale Active-SETI-Botschaft. Ausgezeichnet werden soll jene Nachricht, die unseren Planeten am schönsten skizziert und die Menschheit am besten repräsentiert. Wer auch immer diesen Preis gewinnt - es ist nicht vorgesehen, die Botschaft des Preisträgers später ins All zu entlassen.

Neue Suchstrategie als Chance

Der bekannte Kosmologe und SETI-Befürworter Paul Davies von der Arizona State University in Tempe lobt als neutraler Beobachter in "Nature" Milners großherzige Aktion und Weitsichtigkeit, rät aber in puncto Beobachtungsstrategie ebenfalls zur Weitsicht. Da noch nicht entschieden sei, welche Frequenzen und Sterne im Rahmen des neuen Suchprogramms ab Juli 2016 zuerst gescannt werden, solle die konventionelle SETI-Strategie überdacht werden, schlägt Davies vor.

Anstatt mit dem Teleskop jeden Stern nur kurze Zeit abzuhorchen, um sich dann den nächsten vorzunehmen, sei es effektiver, direkt große Himmelsausschnitte komplett abzudecken. Denn eine fortgeschrittene außerirdische Technologie würde wohl kaum gezielt ein konstantes Funk- oder Laserfeuer zur Erde schicken. Vielmehr würde eine solche eher dazu übergehen, Signale wie ein Leuchtturmfeuer ins All zu pulsen, allerdings breit- und weitflächig.

Ich denke, dass SETI seine Strategie überdenken sollte und seine Teleskope für mehrere Jahre direkt Richtung galaktisches Zentrum richten sollte, um die Chancen zu erhöhen, ein vorbei ziehendes Signal einzufangen.

Paul Davies

Video des gestrigen Events in London. (Harald Zaun)