Digitale Fotos und Videos besser betrachten

Halbautomatische TV- und vollautomatische Monitor-Kalibrierung

Was hilft die schönste Video- oder Digitalfotokamera, wenn der alte Röhrenmonitor nur noch grünlich funzelt – oder der neue LCD-Schirm Tante Erna in schweinchenrosa zeigt. Liegt das nicht an Tante Erna, sondern an Monitor oder Grafikkarte, ist Abhilfe jedoch weder schwer noch teuer.

Mit der im Originalzustand teils katastrophalen Bildschirmdarstellung beispielsweise auf Notebooks muss man sich mittlerweile nicht mehr abfinden: praktisch jede moderne Grafikkarte hat eine so genannte Look-Up-Table (LUT), eine Übersetzungstabelle, in der jedem Signalwert in Rot, Grün und Blau sowie Helligkeit in 256 Stufen ein individuelles Ausgangssignal zugewiesen werden kann, um Eigenwilligkeiten von Grafikkarte und Monitor auszugleichen. So werden Monitore gerne etwas blaustichig ausgeliefert, weil dies im Laden sehr scharf und frisch wirkt, doch zuhause oder im Büro ist ein derartiges Bild unangenehm, insbesondere wenn man am Abend oder ohne Fensterplatz bei Kunstlicht mit dem Gerät arbeiten muss. Zudem kann es schlaflose Nächte bewirken (Computer können die Schlaflosigkeit fördern).

Die Krake am Kabel über das Messfeld hängen zu lassen, ist auf größeren Monitoren gar nicht so einfach (Bild: W.D.Roth)

Dabei bedeutet ein offensichtlicher Blaustich in hellen Bildpartien nicht einmal automatisch eine durchgehend falsche Bildfarbe; so können die Schatten beispielsweise eine ganz andere gelbliche Tönung haben und die mittleren Werte grünlich schimmern. Hier hilft also auch keine Farbtemperatur- oder sonstige von außen zugängliche Einstellung am Monitor weiter. Ebenso mangelhaft sind oft die Helligkeit- und Kontrasteinstellungen: dunkle Details "saufen ab" oder helle Stellen werden zu einem einheitlichen Weiß. Oder aber umgekehrt: der Kontrast ist mangelhaft und das ganze Bild grau in grau.

Helligkeits- und Kontrastregler am Monitor helfen nur begrenzt: was zu dunkel oder zu hell dargestellt wird und in Schwarz oder Weiß verschwindet, lässt sich oft nicht so ohne weiteres retten; das Verstellen der Regler am Monitor führt dann oft nur dazu, dass alle hellen Stellen in Grau statt Weiß aufgehen oder die dunklen Stellen nicht mehr im Schwarz, sondern in Grau absaufen.

Viele aktuelle Grafikkarten werden inzwischen mit einem Hilfsprogramm geliefert, das es erlaubt, die Lookup-Table für die drei Grundfarben und die Helligkeit individuell anzupassen; ebenso bekannt ist das mit Adobe-Programmen mitgelieferte Gamma-Tool. Allerdings braucht man schon sehr geübte Augen, um eine schlechte Anzeige nicht noch zu verschlimmbessern und die Einstellungen, die man manuell vornimmt, werden immer etwas grob ausfallen.

Professionelle Kalibrierungstools waren ebenso wie professionelle Monitore bislang sehr teuer. Bei den Monitoren hat sich dies nicht geändert, wobei die besten Geräte inzwischen jedoch nicht mehr auf Röhrentechnik beruhen, sondern mit LCDs gebaut werden. Bei der automatischen Monitorkalibrierung hat der Schweizer Hersteller Colorvision mit seiner Spyder-Reihe die Situation jedoch deutlich verändert: die billigste Variante Spyder Express ist bereits für unter 100 Euro im Handel. Dafür erhält man einen Sensor, der wie eine Krake – oder eben Spinne – auf den Bildschirm gesetzt wird und dessen Output misst und eine Software, die entsprechende Testsignale auf dem Schirm ausgibt. Damit können auch problematischste Bildschirme in knapp sieben Minuten durchgemessen und die Grafikkarte dementsprechend kalibriert werden.

Die Software ist sowohl für Windows 2000/XP als auch Mac OS verfügbar, wobei die einfache Variante nur feste Einstellungen von Gamma 2,2 und Farbtemperatur 6500 K bietet, beides die übliche Standardeinstellung für sRGB, also die übliche Bildschirmdarstellung von Fotos und Webseiten. Übrigens unter Windows und Macintosh, denn der Gammawert von 1,8, der für Macintosh oft propagiert wird und dazu führt, dass Bilder und Webseiten auf dem Macintosh anders aussehen als auf einem Windows-PC, gilt eigentlich nur für die lediglich in der Drucktechnik übliche CMYK-Farbdarstellung. Diese wird von Druckern und Layoutern benutzt, doch bei einem normalen User, der hauptsächlich am Bildschirm arbeitet, ist sie eigentlich fehl am Platze.

Die teurere Version Spyder 2 Suite bietet zwei Gammawerte und drei Farbtemperaturwerte zur Auswahl und kann auch Drucker mit abgleichen, die allerbeste Version Spyder 2 Pro erlaubt die völlig freie Wahl der Werte, misst auch das Umgebungslicht mit und kann auch zwei Monitore an einem Computer separat abgleichen, sofern es sich entweder um einen Macintosh handelt oder aber eine Grafikkarte mit zwei echten unterschiedlichen Ausgängen; bei sogenannten „Dual-Head“-Systemen kann dagegen nur ein Monitor optimiert werden, da diese Grafikkarten zwar zwei Ausgänge haben, aber nur eine gemeinsam genutzte Lookup-Table.

Auch ist beim Einsatz darauf zu achten, dass kein anderes Programm versucht dazwischen zu pfuschen; ältere ATI-Grafikkarten haben hier beispielsweise Treiber, die Fremdzugriffe auf die Lookup-Table verhindern und deswegen durch aktuelle Treiber ersetzt werden müssen. Ebenso muss das Adobe Gamma-Tool stillgelegt werden.

Im Praxistest konnte selbst einem für sein katastrophal schlechtes Bild berüchtigten Xeron-Notebook ein höherer Kontrast und eine wesentlich angenehmere Farbdarstellung entlockt werden. Der Abgleich läuft vollautomatisch in wenigen Minuten und kann alle paar Monate wiederholt werden, um die Monitoralterung auszugleichen. Probleme gibt es nur mit älteren Rechnern, die noch unter Windows 98 und ähnlichen Versionen laufen – hier ist dann nur die ältere Colorplus-Software lauffähig. Und man muss normalerweise den Raum etwa verdunkeln, um nicht das Tageslicht mitzumessen. Außerdem ist der Sensor auf Röhrenmonitoren ohne Filter und mit Saugnäpfen aufzusetzen, wohingegen er für LCDs mit einem UV-Filter versehen wird, um im Blaubereich keine Fehler zu machen.

Erfreulich ist dabei die aus ganz Europa kostenfrei erreichbar Hotline, die nicht nur bei technischen Problemen, sondern auch beim Verständnis der Tücken des Farbmanagements und der Kalibrierung weiterhilft.

Um 180 Euro ist inzwischen auch eine Version der Software erhältlich, mit der nicht Computermonitore, sondern Fernseher abgeglichen werden. Auf diesen kann natürlich keine Software laufen, die die Testbilder erzeugt, stattdessen ist eine mitgelieferte DVD abzuspielen, die entsprechende Testbilder enthält. Der Abgleich erfolgt dann manuell, die auf dem Rechner laufende Software sagt einem, wie Helligkeit und Kontrastregler sowie Farbeinstellung am Fernseher zu justieren sind. Auf dieser Art tastet man sich langsam an die richtige Einstellung heran. Dabei ist es übrigens egal, welche Zahlenwerte über die Fernbedienung einzustellen sind; die Software fragt einmal den Einstellbereich der Fernseher ab und kann dann angeben, auf welche Zahlenwerte Helligkeit, Kontrast, Farbsättigung und Farbton einzustellen sind..

Dies ist natürlich nicht in 256 Stufen möglich wie beim Computer, und es können lediglich Helligkeit, Kontrast und Farbsättigung und Farbton verstellt werden. Das Ergebnis ist jedoch ein Bild, das bei einem Kinofilm garantiert, dass man auch in dunkeln Szenen noch etwas auf dem Bildschirm sieht, ohne dass Schwarz nicht mehr Schwarz, sondern Grau ist. Da hier der Abgleich nicht automatisch, sondern von Hand erfolgt, dauert ein Durchlauf etwa 30 Minuten. Für den Fernseher aus dem Sonderangebot eine etwas teure Lösung, beim teuren Plasmabildschirm dagegen durchaus sinnvoll. Und auch dem Fernsehhändler kann so geholfen werden, seine Geräte gut einzustellen, wobei für diese im Sommer noch eine spezielle Händlerversion herauskommen soll. (Wolf-Dieter Roth)