Disney-Cartoons aus der Eiszeit

Sind die Höhlengemälde von Chauvet gefälscht?

"Ich pflichte Ihnen bei, dass die Abbildung, die Sie mir geschickt haben, eine "Disney-" oder cartoonähnliche Qualität besitzt. Nach meinem Verständnis würden Höhlenbären nicht wie Braunbären aussehen, also nicht wie der Bär auf Ihrem Bild, sondern eher lang gezogen, besonders im Gesicht."

Ein Braunbär kommt selten allein

Das fand ich doch einen interessanten Aspekt. Der Bär mit der auffallend kurzen Schnauze. Ist ein Braunbär. Ich hatte an Dr. Lisa Park an der Akron Universität in Ohio geschrieben, weil sie persönlich ein vollständiges Höhlenbär-Skelett untersucht hatte. Und hatte sie nach ihrem Eindruck zu diesem Bärenbild aus der Höhle von Chauvet gefragt. Mich selber hatte nämlich die Zeichnung aus der Eiszeit, die rund 30.000 Jahre alt sein soll, immer schon ganz beträchtlich irritiert. Sie erinnerte mich in vieler Hinsicht an den Zeichenstil von Jemandem, der eine moderne Kunstakademie besucht hat. Vielleicht sogar von Jemandem, der in der Trickfilmindustrie gearbeitet hat. Dieses gewisse rundliche Stilelement mit dem putzigen Näschen. Wie bei Disney, circa 1950.

War es möglich, dass sich da jemand einen Scherz mit der Wissenschaft erlaubt hatte? Dr. Park wollte, mit aller geziemenden wissenschaftlichen Vorsicht, hierzu keine Stellungnahme abgeben. Sie schrieb, dass sie die genaueren Fundumstände von Chauvet nicht kenne, fügte aber hinzu: "[...] wie immer, wenn man es mit Kunst zu tun hat, muss man die Augen offen halten und gegen Fälschungen gewappnet sein".

Natürlich. Indessen fragt man sich - wo es in Frankreich ohnehin schon an die 350 bemalte Höhlen aus prähistorischer Zeit gibt - warum sich jemand die Mühe machen sollte, diesen vielen Höhlen eine weitere, gefälschte Bilderhöhle hinzuzufügen? Aber Chauvet ist, wie man rasch erkennt, keine normale Höhle. Am Weihnachtstag 1994 hatten drei Speleologen (Höhlenforscher), der staatliche Höhlenbeauftragte vor Ort, Jean Marie Chauvet, nach dem die Höhle benannt ist, sowie Eliette Brunnel-Descamps und Christian Hillaire, nach denen sie nicht benannt ist, in der Nähe des Dorfes Vallon-Pont d'Arc in Südfrankreich den Zugang zu einer verschütteten Höhle entdeckt. Drei Wochen später, am 17. Januar 1995, hatte das französische Kultusministerium die Entdeckung bekannt gegeben, am nächsten Tag erschien bereits ein kurzer Beitrag darüber im Time Magazine, eine weitere Woche später, am 24. Januar, erschien ein offizieller Artikel mit Fotos im Internet, am 30. Januar war ein etwas längerer Bericht darüber in Time und am 13. Februar verkündete Time auf dem Titel die Entdeckung dieses steinzeitlichen Wundertempels.

Ein 'Time'-Titelbild

"Seit der Entdeckung der Schriftrollen am Toten Meer hat nichts, das in einer Höhle gefunden wurde, ähnlich große Aufregung verursacht. Die Gemälde und Gravierungen, mehr als 300 an der Zahl, kommen einer eiszeitlichen Arche Noah gleich, mit Bildern von Bisons, Mammuts und Wollnashörnern, einem Panther, einer Eule, sogar einer Hyäne...", schrieb der Time-Mann Robert Hughes in New York, ohne dass einer seiner Kollegen einen Schritt über Paris hinaus getan hätte.

Die aufregenden Fotos stammten alle vom Höhlen-Entdecker Chauvet selbst bzw von Jean Clottes, dem Wissenschaftler, der vom ersten Moment an bis heute die Höhle von Chauvet beschrieben und exklusiv erforscht hat.

Zehn Jahre später beschrieb Clottes seine damaligen ersten Eindrücke, wiederum für Time. Ungewöhnliche Tiere. Nashörner, Löwen. Ein Löwenpaneel von 2.5 m Länge. "Konnte das Ganze ein Riesenschwindel sein?", fragte er.

Und die Frage war berechtigt. Warum hatte zwischen Entdeckung und Publikation, samt zwischenzeitlicher Verifikation der C14-Messungen, ein so kurzer Zeitraum gelegen, noch dazu während der Weihnachts- und Neujahrszeit? Aber, keine Sorge, verkündete Clottes. In der Grotte Chauvet sei alles echt. Die Materialproben seien auf zwischen 29.700 und 32.400 Jahren vor heute datiert worden. Kein Grund zur Aufregung, auch wenn das Labor in Gif-sur-Yvette in die Schusslinie geriet, weil es eine Reihe von Proben fälschlich auf 30.000 Jahre datiert hatte, die von anderen Labors nur auf 15.000 Jahre gebracht wurden.

Es traten neue wissenschaftliche Autoritäten auf, die beschwichtigten. Es gäbe keinen Grund zum Zweifeln. Buchstäblich innerhalb weniger Monate waren die steinzeitlichen Gemälde von Chauvet felsenfest auf rund 30.000 Jahre datiert worden. Und so gelten sie praktisch unangefochten bis heute als die älteste Höhlenkunst Europas.

Was mich wieder zu meinem Disney-Bären bringt, und zu einer kleinen Milchmädchen-Rechnung. Die Gemälde sind also 30.000 Jahre alt. Der Höhlenbär starb erst 20.000 Jahre später aus, also vor und 10.000 Jahren. In der Höhle befanden sich knapp 4.000 Bärenknochen und unzählige Höhlenbärschädel, z. T. sogar in scheinbar kultischen Arrangements. Was soll man dann davon halten, dass an der Höhlenwand selbst ein deutlich als Braunbär erkennbarer Bär abgebildet ist?

Nun gibt es hierfür - sofern das Bild eben nicht tatsächlich von einem Fälscher aus neuerer Zeit stammt - sicher eine Reihe von Erklärungen. Höhlenbären und Braunbären scheinen in Europa durchgehend gleichzeitig Seite an Seite existiert zu haben. Vielleicht war der Braunbär aber auch so ungewöhnlich - er war nur etwa ein Drittel so große wie ein damaliger Höhlenbär -, dass das Ereignis seiner Sichtung wie für ein Familienfoto festgehalten werden musste. Vielleicht entstand das Bild während einer wärmeren Phase, als der Braunbär in dieser Gegend einmal verstärkt auftrat, während die Schädel der Höhlenbären aus einer kälteren Zeit stammen. Der kälteste Zeitpunkt der letzten Eiszeit lag bei etwa 24.000 Jahren vor heute.

Die Frage der Perspektive

Es gibt aber gerade bei diesem knuddeligen Bären noch andere Aspekte, die mich verwirren. Dazu ein kleiner Exkurs. Ein dominierendes Merkmal aller Höhlenkunst ist beispielsweise das, was ich als die "Bertillon"-Perspektive bezeichnen möchte. Alphonse Bertillon entwickelte (1882) die heute allgemein verwendeten erkennungsdienstlichen Polizeifotos, mit deren Hilfe eine Person von vorne (en face) und von der Seite (im Profil) gezeigt wird. Hier z.B. der englische Wissenschaftler Francis Galton, der 1893 in Paris einmal bei Bertillon (bei der Pariser Kripo, der Surete) zu Besuch weilte und dort spaßeshalber geknipst wurde. Daneben sehen wir Bertillon selbst, in der Dreiviertelperspektive, die ihn teils von der Seite, teils von vorne zeigt.

Vorderansicht Francis Galton, Profilansicht Francis Galton, Dreiviertelansicht Alphonse Bertillon

Diese Darstellungsweisen, die ich einmal als Bertillon 1, 2, und 3 bezeichnen möchte, sind hilfreich bei der typologischen Darstellung von Objekten. Ein bestimmtes Tier erkennen wir in der seitlichen Darstellung, im Profil, sofort. Das ist nützlich bei der Jagd, auch bei der Jagd auf Kriminelle. Dabei handelt es sich gewöhnlich um eine Abbildung vom Typ Bertillon 1, wie auf dem Bild links, das Galton von der Seite (rechte Gesichtshälfte) zeigt.

Wir hätten indessen Mühe, unter den Familienfotos in unseren Fotoalben von irgendeinem Onkel oder Enkel ein einziges Foto in dieser Form zu finden, da wir diese Perspektive heute nicht mehr sonderlich schätzen. Wir sind es gewohnt, Gesichter und andere Objekte in einer Reihe von Mischperspektiven und perspektivischen Verkürzungen abgebildet zu sehen. Zur Goethe-Zeit dagegen war die Silhouette - als "Scherenschnitt" - noch eine beliebte Form des Portraits. Abbildungen à la Bertillon finden wir heute tatsächlich fast nur noch bei der Kripo oder in Automobilzeitschriften, wo es, wie bei der Jagd, um die rasche Identifikation eines bestimmten (Wagen-)Typs geht. In der Höhlenmalerei dagegen - was wenig überraschen sollte bei Menschen, die wohl in erster Linie Jäger waren - kommt so gut wie ausschließlich auf allen Bildern immer nur die Abbildungsperspektive Bertillon 1 zum Tragen.

Doch gerade unter diesem Aspekt betrachtet stellt der Bär von Chauvet eine ganz neue Erfindung dar. Es ist nämlich zunächst nicht ganz klar, ob es sich um eine Umrisslinie (eine Darstellung im Profil) handelt oder um eine dreidimensionale perspektivische Aufsicht von vorne oben rechts, wie sie etwa jemand sehen würde, der auf einem Baum sitzt und einen Bären unten an sich vorbei tappen sieht. Das ist ein durchaus revolutionärer Aspekt, da die perspektivische Aufsicht auf den Bären ein völlig modernes Element darstellt - jenseits von Bertillon 3. Erst eine Spezialaufnahme mit Infrarotlicht und Falschfarben zeigt uns den Blaubären tatsächlich in einer voll gerundeten, dreidimensionalen Darstellung - und dazu unter diesem ersten Bären überraschenderweise noch ein zweites Bärentier - eine Bärin?

Ein Blaubär und Gespielin (?)

Auch an anderen Stellen in der Höhle von Chauvet gibt es kurze Momente von Bertillon 2 und 3. Im Vergleich dazu schafften etwa die Künstler des alten Ägyptens auf ihren Reliefs und Wandbildern bestenfalls zusammengesetzte Darstellungen aus Bertillon 1 und 2. Bekannt sind ihre menschlichen Gesichter, dargestellt im Profil mit den sozusagen an der Schläfe eingesetzten Augen in der Aufsicht von vorne. Die Dreiviertelansicht war ihnen völlig fremd. Ein Bild eines perspektivisch dreidimensionalen Bären wie des hier dargestellten sollte es auf 30.000 Jahre hinaus sonst nirgendwo in der Kunst der Welt mehr geben - praktisch bis in die heutige Zeit.

Die klare Linie

Ein weiteres ungewöhnliches Detail ist die klare Linie der Bilder von Chauvet. Der Bär ist gezeichnet in einer flüssigen, stromlinienförmigen Art, wie man sie von Disney-Zeichnungen kennt, mit klaren, gerundeten, durchgängigen Linien. Zum Vergleich stelle ich einmal das berühmte "chinesische Pferd" von Lascaux daneben, das rund 15.000 Jahre jünger ist als die Bilder aus Chauvet.

"Chinesisches Pferd", Lascaux

Die getupfte Umrisslinie hier erinnert an chinesische Tuschpinsel-Arbeiten, wie sie die meisten Menschen im Westen am ehesten noch aus den entsprechenden Mallehrbüchern von Walter Foster kennen, die es seit Jahrzehnten in jedem Fachgeschäft für Malutensilien zu kaufen gibt. Echte chinesische Arbeiten in diesem Stil zu finden, ist heute gar nicht so einfach, weil die traditionellen Künstler in China sich das Malen mit dem Tuschpinsel teuer bezahlen lassen - und vor allem, weil überall die moderne westliche Perspektive zum Einsatz kommt.

Das als nächstes gezeigte Pferd in einer solchen traditionellen Tuschetechnik stammt von einem mongolischen Künstler. Es unterscheidet sich beträchtlich, nicht zuletzt in der Art seiner Perspektive (Typ Bertillon 3), vom Höhlenbild aus Lascaux. Es verdeutlicht trotzdem, warum man letzteres das "chinesische Pferd" genannt hat, aber es zeigt auch klar den Unterschied auf zu den Bildern aus Chauvet.

Ein "Mongolisches Pferd", heutiges Tusch-Zeichnung

Vor allem aber lässt sich, trotz der hingehuschten Linien, deutlich erkennen, dass es sich auf beiden Bildern um zwei verschiedene Pferdearten handelt. Das extrem schwangere und sehr gedrungen und kurzbeinig wirkende Pferd von Lascaux lässt sich an der Färbung als eine Form des Przewalski-Pferdes erkennen. Allerdings unterscheidet es sich auch wieder deutlich von einem heutigen Przewalski-Pferd - wie etwa jenem auf dem nachfolgenden Photo.

Ein Przewalski Pferd, heute, Mongolei

Grund: das heutige Tier hat längere Beine und einen anders aussehenden Kopf. Was vielleicht nicht total überrascht, da es ein neues Zuchtprodukt darstellt, das in den Zoos der Welt künstlich zurückgemendelt und später in den Steppen der Mongolei wieder ausgewildert wurde. Das ursprüngliche Wildpferd war in seiner Heimat schon circa 1950 ausgestorben.

Das Pferd von Lascaux unterscheidet sich andererseits auch wieder von dem anderen historischen Wildpferd-Typus, der in dieser Region anzutreffen gewesen wäre, den weißen Pferden der Camargue, die dort seit 15.000 Jahren beheimatet sind. Die Pferdedarstellungen aus der Höhle von Chauvet zeigen uns also vielleicht ein Pferd vom Przewalski-Typus, denn das Przewalksi-Pferd mit der aufstehenden Strubbelmähne ist eher mit dem Zebra als mit der Spezies der übrigen Pferde von heute verwandt - oder es handelt sich bei dem, was hier in Chauvet abgebildet ist, noch einmal um ein ganz anderes Tier.

Chauvet Pferd

Dies sind jedenfalls keine Abbildungen von Pferden, wie wir sie heute kennen. Der Typus von Chauvet hat etwas seltsam Eselhaftes (dabei allerdings die kleinen Ohren der Pferde). Diese Pferde, wenn es sie wirklich gegeben hat, sind dort vorbei gezogen und dann davon gewandert oder dort aufgefressen worden. Die Zeichnungen selber enthalten freilich eine solche Fülle von sprechenden, fast karikaturistischen Details, gerade im Bereich um die Augen und um den Mund herum, dass sie beinahe schon dreidimensional wirken.

Ich selber gewinne dabei den Eindruck, dass hier ein Künstler des Paläolithikums entweder aus dem engen kognitiven Korsett der Bertillon 1-Perspektive ausbrechen will oder ein moderner Künstler große Mühe hat, sich wirklich an die Regeln steinzeitlicher Kunstpraxis zu halten, ohne gelegentlich ein paar extra Schnörkel einzuflechten. Auch diese Bilder zeigen, wie der Bär, einen Zug in Richtung Bertillon 3 und insgesamt, als "Komposition", einen Drall zur Aufsicht von vorne oben rechts, dazu die charakteristische "Handschrift" des Künstlers im Augen- und Mundbereich, mit den runden, flüssigen Linien, die alle auf den Stil einer bestimmten Schule oder gar nur eines einzelnen Künstlers verweisen.

Die Höhlenbilder als "Kunst"

Ich fand es interessant, dass ein namenloser moderner Künstler (oder eine Künstlerin) sich von diesen Vorgaben zu einem Gemälde inspirieren ließ, das er (oder sie) dann ins Internet stellte. Dieses Bild besitzt eine expressionistische Buntheit, die an die Arbeiten eines Max Beckmann erinnert, oder auch an den "Blauen Reiter", die Malergruppe um Wassily Kandinsky, Franz Marc, August Macke, u. a.

Obwohl damit eine Art moderne Komposition entstanden ist, besitzt sie doch nicht die Intensität der "sprechenden Münder" des Originals. Dafür ist das irgendwie ziemlich afrikanisch wirkende Nashorn (ohne erkennbare Wollhaar-Merkmale) wie ein zufälliger Irrläufer mit der Pferdegruppe mitgewandert, und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf dieses merkwürdige Tier, das nun wiederum eine völlig neue Form der Perspektive aufweist, nämlich sozusagen eine doppelte Bertillon 3-Ansicht. Es ist im Original einmal seitwärts von hinten dargestellt und dann um den verwischten Schmutzfleck in der Körpermitte herum gedreht, so dass der vordere Körperteil als seitwärts von vorne gesehen erscheint. Der Kopf ist dann wieder in Bertillon 1-Positur.

Die Blauen Pferde, Neo-Uralt-Expressionismus à la Chauvet

Was uns Heutige an der Höhlenkunst interessiert, ist freilich nicht eigentlich die "Kunst". Kunst hat für unsere Gegenwart eine andere Bedeutung. Der Aussagewert der Kunstobjekte früherer Jahrhunderte und Jahrtausende liegt weniger in ihrer Fabel, also in dem, was sie darstellen, oder gar in ihrem finanziellen Wert, der oft beträchtlich sein kann, als darin, was sie uns darüber hinaus über ihre Zeit aussagen. Darin unterscheiden sie sich nicht von Gräberfunden. Die Kunstwerke stellen eine Form abgestorbenen Lebens dar. Das Hauptinteresse regt sich aus der Pathologie. So wie uns Heutige etwa an dem alten Film "Berlin Alexanderplatz" weniger Heinrich Georges Schauspielkunst oder die Geschichte seiner Figur interessiert als der Hintergrund: die Straßenbahnen, die Bilder des alten Berlin, die Verhaltens- und Sprechweisen.

So ist auch über den Bewusstseins(zu)stand der Künstler gerätselt worden, die in diesen Höhlen gearbeitet haben, und damit über die Menschen jener Zeit überhaupt. Der kanadische Psychologe Julian Jaynes meinte beispielsweise, die gesamte Menschheit hätte sich bis zur Zeit Homers in einer Art kollektiver Schizophrenie befunden. Das moderne Individuum sei eine Erfindung der nach-homerischen allerjüngsten Neuzeit. Andere Autoren haben den Höhlenkünstlern eine Art "Autismus" attestiert und ihre Kunst mit den Zeichnungen heutiger autistischer Patienten verglichen.

Ich kann diesen Ansichten nicht viel abgewinnen. Die meisten autistischen Zeichnungen besitzen eine gewisse "mechanische" oder "geistesabwesende" Qualität, die mich mehr als nur ein wenig an die Arbeiten eines Egon Schiele erinnert, oder auch an die Zeichnungen des Buchillustrators Wilhelm M. Busch (nicht identisch mit Wilhelm Busch, dem Schöpfer von "Max und Moritz"), bei dem sich der eigentliche Bildinhalt dem Betrachter oft erst nach einer Weile aus einem Gewirr aus Linien erschließt, wie bei einem Rätselbild.

Autistische Künstler zeichnen oft in einer Art, wie man sie aus Betty Edwards' Bestseller "Garantiert zeichnen lernen" kennt - wo man aufgefordert wird, die "linke Gehirnhälfte" auszuschalten und sich ganz der "rechten Gehirnhälfte" anzuvertrauen, indem man beispielsweise ein Foto auf den Kopf gestellt abzeichnet. Tatsächlich entsteht dabei oft eine verblüffend genaue Zeichnung, die aber zugleich auch irgendwie eine Abwesenheit des Bewusstseins oder der bewussten Kontrolle zu signalisieren scheint. Ein bekanntes Beispiel für autistisches Zeichnen bieten die Bilder des Wunderkinds Nadia.

"Schiele ohne Verstand": Zeichnung des sechsjährigen Wunderkinds Nadia

Man ist verblüfft über das, was die sechsjährige Autistin Nadia zeichnet, aber man gewinnt auch den Eindruck, dass sie keine Ahnung hat, was sie da eigentlich tut (siehe die völlig unmotiviert ins Bild gesetzten Elmente um den Stiefel des Reiters herum). Trotzdem zeichnet sie, weil sie eben ein Mensch von "heute" ist, ganz natürlich in einer Mischperspektive aus Bertillon 2 und 3. Und sie zeichnet von unten nach oben gesehen, als zeichne sie, wie bei Betty Edwards, eine umgekehrte Photographie ab, die sie vielleicht selbst in ihrem Kopf gemacht & gespeichert hat. Ihre "rechte Gehirnhälfte" arbeitet dabei gewissermaßen "für sich". Nadia zeichnet, was sie sieht (oder gesehen hat) - aber sie weiß nicht oder versteht nicht, was sie zeichnet. Man könnte es auch mit einem Klavierspieler vergleichen, der nicht hören kann, was er spielt. Nadia zeichnet quasi "blind". Oder sozusagen wie ein "Schiele - aber ohne Verstand".

In Richtung Schrift

Diesen Eindruck gewinne ich bei den Arbeiten der Höhlenkünstler nie. Gerade die Bilder von Chauvet - wenn sie denn echt sind - implizieren immer eine Anwesenheit der "linken Gehirnhälfte", einen "bewussten", tatsächlich nur sprachlich zu äußernden und fassbaren, Kommentar.

Alle Höhlenkunst scheint mir unterwegs auf der langen Straße in Richtung Schrift. Die Zeichnungen hier sind, deutlich erkennbar, als das Werk eines (oder einiger) Rechtshänder entstanden und gewöhnlich so organisiert, wie wir in Europa auch heute noch schreiben - von links nach rechts.

Aber deutet die Befangenheit der Höhlenkünstler in dem nahezu unveränderlichen (und sagen wir mal: "einfachen") Schema, in der starren Typologie der Bertillon 1-Perspektive auf eine gewisse Abstraktion hin, die (vorerst noch unbewusst) in Richtung Schrift - in Richtung auf die Zweidimensionalität der Schreibtafel - zielt? Oder stellt sie eine kognitive Beschränktheit dar? Und ich frage mich, ob der Künstler, der in Chauvet hauptsächlich zugange war, indem er zuweilen in den Bertillon 3-Modus wechselte, damit seinen Betrachtern nicht einen ordentlichen Schrecken einjagte? Wie ein Zauberer mit unheimlichen Fähigkeiten? Mit einer unheimlichen Macht?

Die ersten Witze - gezeichnet

Ich habe mich auch oft schon gefragt, wie wohl der erste Witz der Menschheit gelautet haben mag? Warum haben die Menschen ihn erzählt? Und worüber haben sie gelacht? Hier bei den nachfolgenden Löwenbildern, haben wir, scheint mir, so etwas wie eine Antwort. Wir sehen wieder den gleichen Künstler - dessen ausgeprägten und zugleich etwas rätselhaften Augenpartien mit dem markanten Jochbein (Wangenknochen) und den "sprechenden" Mundpartien wir bereits bei den Pferden begegnet sind.

Löwen die sprechen - und lächeln?

Was sich auf diesen Abbildungen ebenfalls deutlich erkennen lässt, sind die "modernen" Methoden des Zeichnens, die Vorbereitung des Untergrunds, die Verwendung von "Deckweiß" (in der Form von Kreide?), um Teile der Augen hervorzuheben oder gewisse Linien zu korrigieren bzw. zu akzentuieren.

Wieder ist die klare, gerundete Strichführung auffallend, und bei allem Naturalismus auch zugleich das Karikaturistische, aufgesetzt Maskenhafte, und dieser disneyartige Zug, zum Beispiel mit den am Hinterkopf baumelnden Teddybär-Öhrchen, als würden wir gleich in einem Trickfilm landen (es wäre natürlich fast logisch, wenn die Löwen der Eiszeit kleine runde Ohren besessen hätten - sie wären ihnen weniger schnell abgefroren).

Und diese Löwen tragen ganz offensichtlich anthropomorph angehauchte Züge. Vielleicht wurden sie als Charaktere beim Erzählen einer Geschichte benutzt? Oder wie in einem Guckkasten oder Theater "animiert", so dass sie in jeweils unterschiedlicher Beleuchtung mal so, mal so "sprechen" konnten, wie die unterschiedlichen Gestalten in einem Löwenmärchen? Vielleicht lachte das Publikum über die Löwen - und empfand damit für einen kurzen Moment so etwas wie ein Überlegenheitsgefühl über einen sonst unbesiegbaren und Angst einflößenden Feind? An einer anderen Paneele der Höhle wird dieses karikaturistische Element noch offensichtlicher:

Löwen zum Lachen - damals

Die Fotos, die von dieser Löwengruppe im Internet kursieren, lassen leider an Bildschärfe zu wünschen übrig. Vermutlich um hier Abhilfe zu schaffen, hat sich ein Künstler daran gemacht, und das Bild abgezeichnet - und dabei zugleich dessen karikaturistischen Züge hervorgehoben.

Löwen zum Lachen - heute

Hier hat sich gegenüber dem Original fast nichts geändert - und doch meinen wir, den Comic-Zeichner Franquin zu erkennen, den Cartoonisten Sempé, den Illustrator Ludwig Bemelmans, oder, besonders bei den Nashörnern, Züge aus Ottos Soglows "Der kleine König". Das Original, meine ich dagegen, erinnert eher an eine Zeichnung von Honoré Daumier. Wenn diese Bilder tatsächlich aus prähistorischer Zeit stammen, dann sehen wir hier so etwas wie den ersten gezeichneten Witz der Menschheit. Zugleich betrachten wir aber auch anatomisch identifizierbare Löwenbilder. Vergleichen wir sie einmal mit fast zeitgleichen Löwenabbildungen aus der Höhle von Vogelherd in der Nähe von Ulm.

Afrikanische Löwen aus Europa?

Löwenkopf aus Vogelherd circa 35.000 Jahre alt

Dieser Löwenkopf, aus Elfenbein geschnitzt, ist etwas gewöhnungsbedürftig, man muss sich zunächst darin ein wenig zurechtfinden. Das große "Auge" beispielsweise ist ein rundes Ohr. Der Kopf ist auf der Fotografie im Winkel etwas angehoben, als ob der Löwe irgendein Objekt am Horizont fixiert. Der Blick eines Löwen ist üblicherweise auf die nähere Distanz von einigen Metern und der Kopf daher eher mit der Nase zum Boden gerichtet. Ansonsten aber entspricht dieser Löwe ziemlich genau einer heutigen Löwin aus Afrika, wie hier auf diesem Bild:

Löwin aus Afrika heute

Nun haben wir ein schon fast afrikanisch wirkendes Nashorn in der Höhle von Chauvet gesehen, da verwundert es uns wenig, einen fast afrikanischen Löwen in der Vogelherd-Höhle anzutreffen. Wie der europäische Höhlenlöwe aussah, wissen wir außerdem aufgrund von Skelettfunden. Vor allem die Reißzähne waren um etliche Nummern größer als die heutiger afrikanischer Löwen. Hier eine Rekonstruktion, die diesen Aspekt beleuchtet. Die Ohren sind etwas länglich geraten, aber auch dafür gibt es ein Vorbild aus der Höhle von Vogelherd.

Höhlenlöwe (Rekonstruktionszeichnung) mit entblößtem Gebiss.

Unsere Löwen aus Chauvet (oder ist es nur EIN Löwe?) zeigen uns deutlich Augen und Mundpartie, Schattierungen im Gesicht - aber kein Gebiss. Und die Ohren sind rund und klein. Aus der Höhle von Vogelherd gibt es eine weitere Elfenbeinschnitzerei eines Löwen (ich vermute, dass die Einkerbungen im Genick einen männlichen Löwen markieren sollen). Auch hier kurze kleine runde Ohren, aber ein gestreckter Nacken und Kopf, z. T. wohl auch deswegen, weil das Schnitzmaterial nur eben diese Form zuließ.

Männlicher Löwe, Elfenbein, Vogelherd, Alter ca. 35.000 Jahre

Somit haben wir hier nun versammelt: zwei historische Vergleichsabbildungen aus fast derselben Zeit, eine Rekonstruktion auf der Basis des Skeletts und eine moderne Fotografie. Welchem dieser Löwen gleichen die Löwen von Chauvet? Antwort: eigentlich keinem. Mein Eindruck ist, dass die Löwen von Chauvet trotz aller karikaturistischen Züge naturalistisch genug sind, um eine Identifikation zuzulassen. Und die Löwen von Chauvet stammen entweder aus einem Zoo in Südfrankreich oder aus der Phantasie - oder es hat sie gegeben, so, wie sie hier sind, als eine Art europäische Variante des afrikanischen Löwen, die ausgestorben ist. Vielleicht gab es, so, wie es zwei Bärenspezies gab, auch zwei verschiedene Löwenarten?

Ob sie eine Fälschung darstellen, ist eine andere Frage. Ich denke, dass die Löwen auf alle Fälle vom gleichen Künstler stammen, der auch die Pferde gezeichnet hat, und das Nashorn, und vermutlich ebenso den Bären. Alle vom gleichen Künstler.

Ein prähistorisches Selbstportrait?

Einem Künstler, der uns zudem, wie mir scheint, so etwas wie ein "Selbstportrait" hinterlassen hat. Vielleicht ist es sonst noch niemandem aufgefallen, jedenfalls hat sich niemand die Mühe gemacht, ein deutliches Foto davon ins Internet zu stellen (es kann natürlich auch nur ein "Marsgesicht" sein, das ich hier sehe). Ganz am unteren Rand eines weiteren Tier-Paneels, das unter anderem zwei sich paarende Pferde zeigt, findet sich das nachfolgende Bild. Links die Kratzer in der Wand, als ob dort eine Bärenklaue über den Felsen gefahren wäre. Rechts davon sieht man eine bekleidete androgyne (oder eher doch eindeutig weibliche?) Gestalt im Bertillon 3-Modus, also in der Dreiviertelansicht. Sie wendet sich uns zu, aber das Gesicht seitwärts gewendet hält. Man erkennt einen flammenden roten Haarschopf.

Selbstportrait des Künstlers oder - der Künstlerin?

Nimmt man dem Bild die Farbe und betrachtet es in Schwarzweiß, erkennt man in dem Wust verwischter Pixels neben der Figur scheinbar die Umrisse einer "ausradierten" (vielleicht nackten?) (weiblichen?) Gestalt. Was immer die sexuellen Konnotationen dabei sein mögen - wenn dies eine Zeichnung aus der Zeit von 30.000 Jahren vor heute ist, ist es die modernste Zeichnung eines Menschen, die je in einer steinzeitlichen Höhle gefunden wurde:

Die modernste Menschenabbildung - 30.000 Jahre alt?

Sind die Bilder gefälscht?

Wie realistisch wäre aber denn nun die Vorstellung, dass ein einziger Mensch unserer Zeit - z. B. in den 70er oder 80er Jahren oder Anfang der 90er Jahre - diese Höhle mit einer Galerie von kenntnisreich gefälschten Bildern anfüllen würde?

Mein Gefühl sagt mir, dass es so etwas, als Tat eines Einzelnen, nicht gibt. Ein solches Projekt verlangt nach einer groß angelegten, kooperativen Bemühung. Ein Wissenschaftler, mit dem ich mich darüber unterhielt, meinte indessen - und sicher zu Recht -, dass es auch in Frankreich keine schwarzen Kassen bei den Universitäten gäbe, um ein solches Projekt heimlich zu finanzieren, beispielsweise mit der Absicht, dann später größere Summen an Forschungsgeldern einzutreiben, auch wenn der "Wert" der Höhle von Chauvet heute bereits mit einem mehrstelligen Millionenbetrag beziffert wird!

Die ursprünglichen Besitzer des Grundstückes, auf dem sich die Höhle befindet, wurden beispielsweise mit einer Entschädigungszahlung von 87.5 Mio Francs (etwa 10 Mio Euro) vom französischen Staat zwangsenteignet. Wären die Bilder der Höhle eine Fälschung, würde der Wert von Chauvet rasch gegen Null sinken. Was sich der französische Staat mit dieser teuren Höhle gekauft hat - und was ein starkes Motiv wäre, sie gegen jeden Vorwurf der Fälschung zu verteidigen -, ist natürlich der Erbtitel als älteste Kulturnation Europas. Wie schon im 19. Jahrhundert, als die zivilisierten ("französischen") Cro-Magnons gegenüber den barbarischen ("deutschen") Neandertalern über den grünen Klee gelobt wurden, so dürfen nun auch die Cro-Magnons abermals dem übrigen Europa die Leviten lesen. Grund genug also, eine 351. Höhle hinzu zu erfinden.

Aber was immer die Motivation gewesen sein mag: Ein solcher "Hoax" - wie die meisten Wissenschaftsfälschungen (Der klassische Hoax) - könnte letzten Endes nur aus dem universitären Umfeld kommen. Beispiel: Der Fall Piltdown. Und gerade Piltdown war ein Hoax, der sicher sehr viel früher aufgeflogen wäre, wenn die Beweisstücke nicht so sorgsam vor der gesamten Fachwelt verborgen gehalten worden wären.

Auch Chauvet hat für mein Gefühl die Aura eines Hoax. Und sei es nur als ausgewachsener "Ulk" einer Gruppe von Doktoranden, die einmal die ganze Welt so richtig schön an der Nase herumführen wollten, indem sie beispielsweise in die echte Umgebung einer echten Höhle das gefakete Element einer unechten Bemalung einpflanzten. Dazu ein interessantes Detail am Rande: Knapp 25 Meter neben der Höhle von Chauvet befindet sich eine zweite Höhle, die völlig ohne jede Bemalung ist! Und: Es ist möglich, Objekte so zu behandeln, dass die C14-Datierungen falsche Ergebnisse anzeigen. Aber viel leichter ist es natürlich, einfach nur bestimmte Datierungen zu behaupten. Das bekannteste Beispiel hierfür stammt aus Deutschland. Siehe den Fall Reiner Rudolph Robert Protsch, auch Protsch von Zieten (wobei der adlige Nachname offenbar ebenfalls unecht war). Der Frankfurter Professor fälschte 30 Jahre lang Artefakte, manchmal auf spektakulär dreiste Weise. Der Fall gilt als wissenschaftlicher Super-Gau.

Tatsache ist aber, dass C14-Datierungen selten in Zweifel gezogen werden. Eine einmal erfolgte Messung muss gewöhnlich reichen und wird auf lange Zeit hinaus grundlos nicht mehr hinterfragt. Denn eben wegen der Sensitivität des Materials wird man nicht jedes Jahr neue Messungen daran vornehmen. Die Höhle von Chauvet wurde zudem kurz nach ihrer Entdeckung für die Öffentlichkeit geschlossen, und sie wird angeblich sogar von Sicherheitspersonal bewacht, um sie der rein wissenschaftlichen Erforschung - vor allem auch den Forschern der Zukunft - im bestmöglichen Zustand zu erhalten, wogegen nicht viel einzuwenden ist. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das vernünftig und lobenswert. Aus journalistischer Sicht - und aus Sicht der heute lebenden Menschen ganz allgemein - wäre es allerdings interessant, zweifelsfrei zu erfahren, was es denn nun, satte zehn Jahre nach der Entdeckung der Höhle, mit den Bildern dort auf sich hat.

Man liest oft von Höhlenforschern, Anthropologen etc, also von eigentlich kunstfremden Wissenschaftlern, die durch die Höhlenanlage geführt werden und die dann das dort Gesehene als große Kunst apostrophieren. Sie beschwören die Begegnung mit dieser Kunst in fast religiös-schwelgerischem Ton als eine Art übersinnliches Erlebnis. Die einzig relevante Frage, auf die man von Wissenschaftler dieser Fachrichtung eine Antwort erwartet, bleibt dagegen unbeantwortet.

Sind sie echt?

Deshalb noch einmal. Dies ist vielleicht die wichtigste Frage überhaupt: Sind die Bilder unbezweifelbar echt? Sind sie ein authentisches historisches Menschheitserbe? Sind sie ein wirklicher Ausdruck der Fähigkeiten der frühen Europäer? Eröffnen sie uns tatsächlich eine völlig neue Perspektive auf den Homo sapiens kurz vor dem Eintritt in die geschichtliche Zeit - und wird nicht möglicherweise sogar durch die Höhle von Chauvet das, was wir als geschichtliche Zeit bezeichnen, auf über 30.000 Jahre zurück ausgedehnt?

Erlauben diese Bilder uns nicht zudem definitive Rückschlüsse auf das künstlerische Talent, auf die kognitiven Fähigkeiten der Cro-Magnon-Menschen - oder gar der Neandertaler? Schließlich markiert der Punkt um 30.000 Jahre vor heute auch die Ablösung der Neandertaler durch moderne Homo sapiens in Europa. Wäre es also denkbar, dass diese Gemälde z. T. die Arbeiten von Neandertaler-Künstlern waren? Und wieso beginnt die früheste Höhlenkunst Europas scheinbar "aus dem Stand" auf einem so hohen naturalistischen Abbildungsniveau - und verflacht im Lauf der Jahrtausende, statt sich ab dort immer weiter und immer höher zu entwickeln? Meine These, dass sich die Kunst in Richtung Schrift weiter entwickelte und daher stetig abstrakter wurde, muss ja nicht unbedingt stimmen.

Und schließlich: Können uns die Bilder wirklich neue Einblicke in die Fauna Südeuropas vor 30.000 Jahren geben? Waren die Tiere dort wirklich so ähnlich wie in Afrika? Nashörner, Löwen, weitläufige Pferde? Und mit Braunbären dazwischen? Ich stelle diese Frage etwas boshaft, denn gerade im Zeitraum von 35.000 bis 10.000 Jahre vor heute wurde es in Europa ja unangenehm kalt, eine Jahrtausende währende Eiszeit zog über den ganzen Kontinent. Oder stammen die Bilder letztlich doch nur - auf dem Umweg über eine Kunstakademie und etwas Phantasie - aus irgendeinem Zoo, bei Toulouse oder Marseille oder sonst irgendwo, aus einem Fälscherparadies im "Disney"-Land? (Tom Appleton)