Dobrindt will WLAN in Regionalzügen

Angebot könnte Vandalismus verringern

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat die Bundesländer im Nachrichtenmagazin Focus ermahnt, in den Regionalzügen für freies WLAN zu sorgen. Damit erneuert er seine Forderung aus dem Oktober, die bislang ohne große Resonanz blieb.

Aktuell gibt es WLAN in Zügen der Deutschen Bahn nur in ICEs - und dass auch dort "Nachholbedarf […] besteht, weiß jeder, der einmal in den Fernzügen gefahren ist" - so die Tageszeitung Die Welt in einer wenig umstrittenen Einschätzung. In Regionalzügen klappt oft nicht einmal ein einfacher Mobilnetzempfang - von LTE ganz abgesehen.

Das liegt unter anderem daran, dass sich die Deutsche Bahn und andere Anbieter für den Internetzugang in Regional- und Nahverkehrszügen nicht zuständig fühlen, weil diese im Auftrag von Bestellern der Landesregierungen unterwegs sind, die Strecken ausschreiben. Die Bahn will deshalb nicht mehr als das bieten, was explizit in den Ausschreibungen gefordert wird und verweist auf die Telekommunikationsunternehmen. Bei denen heißt es, um zusätzliche Handware zu installieren, bräuchten sie Aufträge, die von den Bahnbetreibern oder deren Bestellern kommen müssten.

Diese Besteller zahlen der Deutschen Bahn und anderen Betreibern hohe Zuschüsse aus Steuermitteln, die auch aus dem Bundeshaushalt kommen: 2016 steigt dieser Bundeszuschuss auf stolze acht Milliarden Euro. Weil sie die Auschreibungen gestalten, könnten die Bundesländer und ihre Besteller Streckenvergaben davon abhängig machen, dass in den Zügen WLAN angeboten wird. Das ist bislang aber nur bei ganz wenigen Strecken der Fall - zum Beispiel beim Enno-Netz, das die Region Hildesheim-Hannover-Braunschweig abdeckt, und beim Emil-Netz, das das Emsland mit der niedersächsischen Landeshauptstadt verbindet.

In anderen Bundesländern ist man noch zurückhaltender: Das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium hält WLAN in Regionalzügen zwar für "wünschenswert […], aber auf Jahre - mit Ausnahme von Premiumprodukten wie dem Rhein-Ruhr-Express - in NRW kaum realistisch." Einige grüne Kommunalpolitiker wollen öffentliches WLAN sogar zurückfahren, weil sie sich vor Strahlung fürchten (vgl. Grünen-Stadtrat will freies WLAN abschaffen und Hindernisreicher Weg nach 5G). Dabei könnte ein kostenloses WLAN gerade außerhalb von "Premiumangeboten" dazu führen, dass Vandalismus deutlich zurückgeht.

ICE mit WLAN-Hotspot. Bild: DB

Diese Erfahrung machte das badische Busunternehmen Tuniberg Express: Nach dem Angebot von kostenlosem WLAN in 15 der insgesamt 20 Busse im Linienverkehr gibt es Betriebsleiter Jochen Maier zufolge praktisch keine Schäden durch Vandalismus mehr. Vorher zahlte das Unternehmen jährlich mehrere Tausend Euro für die Reparatur aufgeschlitzter Sitze, eingeritzter Scheiben und die Beseitigung von Schmierereien. Jetzt liegt der Schaden bei unter 100 Euro und die Busfahrer loben eine deutlich angenehmere Atmosphäre.

Kostenloses WLAN könnte auch dafür sorgen, dass die durch zahlreiche Verspätungen massiv gesunkene Kundenzufriedenheit nicht weiter sinkt: Wer Fernsehserien streamen oder auf Arbeits-Eingabemasken zugreifen kann, ohne dass ständig die Verbindung abbricht, für den ist die gefühlte Wartezeit deutlich weniger lang. Frustration baut sich deshalb langsamer auf. Und wer über Kopfhörer Filme oder Musik aus der Cloud, die er noch nicht kennt, zur Verfügung hat, dem gehen auch schreiende Kinder und Erwachsene, die ihre Soap-Leben öffentlich ausbreiten, weniger auf die Nerven.

Eigentlich, so müsste man meinen, läge es also im Interesse der Verkehrsanbieter, die Fahrgäste wenigstens mit kostenlosem WLAN zu beruhigen, wenn sie schon keine Pünktlichkeit schaffen - und zwar nicht nur im Regional-, sondern auch im Öffentlichen Nahverkehr, wo beispielsweise in München auf manchen Buslinien halbstündige Verspätungen keine Seltenheit mehr sind und wo die U-Bahn-Linien U3 und U6 zur Hauptverkehrszeit praktisch nie pünktlich kommen. Dort wo die meisten Fahrgäste auf sie warten, am Sendlinger Tor, ist das Mobilfunknetz dauerhaft so überlastet, dass nicht einmal mehr das reine Text-Surfen oder der E-Mail-Empfang klappt. Freies WLAN will der Münchner Verkehrsverbund MVV den Fahrgästen trotzdem nicht anbieten.

In den seit drei Jahren zugelassenen Fernbussen ist WLAN dagegen - anders als in Zügen und Nahverkehrsbussen - Standard und funktioniert den Erfahrungen des Autors nach sehr gut. Diesen Eindruck hatten offenbar auch andere Beförderungswillige: In jedem Fall nahmen 2015 mit geschätzten 20 Millionen Fahrgästen etwa vier Millionen mehr das Fernbusangebot in Anspruch als 2014. Für 2016 rechnet Verkehrsminister Dobrindt sogar mit "deutlich über 25 Millionen Fahrgästen".

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