Donald Trump: "Betrügen als Lebenshaltung"

Trump vor seiner amerikanischen Mauer. Bild: Weißes Haus

Seine Popularität sinkt weiter und polarisiert das Land - das könnte gefährlich werden, zumal es wie 2016 mit Clinton jetzt mit Biden keine wirkliche Alternative gibt

Nach der letzten Gallup-Umfrage von Ende Juni geht die Zustimmung zu Donald Trump weiter nach unten. Ob der Kulturkampf, den Trump verzweifelt zur Mobilisierung seiner rechten und nationalistischen Anhängerschaft am selbst umstrittenen Mount Rushmore und am Unabhängigkeitstag im Garten des Weißen Hauses ausrief, eine Wende bringen wird, darf bezweifelt werden (Trump: 99 Prozent der US-Corona-Infektionen "total harmlos"). Er stellt sich damit - und mit seinen Law & Order-Rufen auch zur Stützung der durch Gewalt diskreditierten Polizei - hinter den Erhalt eines mit Rassismus und Sklaverei verbundenen Kulturerbes, das nach der Ermordung von George Floyd von weiten Teilen in Frage gestellt wird, während alle, die ihm nicht folgen, als radikale Linke, Marxisten und Anarchisten bezeichnet und mit Plünderern und Gewalttätern gleichgesetzt werden.

An der Gallup-Umfrage zeigt sich, dass Trump in dem Sinne erfolgreich ist, dass er das Land weiter spaltet. Bei den Anhängern der Republikaner stieg seine Popularität weiter an, 91 Prozent finden ihn gut, aber nur noch 33 Prozent der Unabhängigen und 2 Prozent der Demokraten. Die "Kluft" zwischen Republikanern und Demokraten ist damit so hoch wie nie während seines Wahlkamps und Präsidentschaft - und auch höher als bei Barack Obama kurz vor den Wahlen 2012.

Seit Mai, als Trump noch einmal einen Rekordzustimmungswert von 49 Prozent erzielte, sinkt mit wieder steigenden Infektionszahlen und der Kritik am Rassismus und der Polizeigewalt sein Ansehen kontinuierlich. Gerade behauptete Trump mal wieder unbeirrt falsch: "We have the lowest Mortality Rate in the World." Nur noch 38 Prozent der amerikanischen Wähler stehen hinter ihm, damit nähert er sich seinem Tief im Jahr 2017 wieder an. In allen Bevölkerungsgruppen liegt die Zustimmung nun unter 50 Prozent, auch bei den Weißen, den Männern, den Älteren, den Südstaatlern und den Amerikanern ohne einen College-Abschluss. Bei den Frauen und der Altersgruppe der 30-49-Jährigen ging es nach dem Mai mit 10 Punkten besonders stark noch weiter nach unten. Eine schwindende Mehrheit von 57 Prozent hat er nur noch bei den Weißen ohne College-Abschluss.

Gallup merkt an, dass Trump sich nun mit den Umfragewerten in Gesellschaft von George H.W. Bush und Jimmy Carter befindet, die nur eine Amtszeit Präsidenten waren und im Juni vor der Wahl zur zweiten Präsidentschaft ebenfalls Zustimmungswerte unter 40 Prozent hatten. Allerdings liegt Gallup mit den 38 Prozent Zustimmungswert unter den Ergebnissen anderer Umfragen von Ende Juni, Anfang Juli, bei denen er einen durchschnittlichen Zustimmungswert von 41,7 Prozent erzielt. FiveThirtyEight kommt auf Umfragendurchschnitt von 40,5 Prozent.

Bei der Hälfte der Präsidentschaftskandidaten, bei denen Gallup im Juni die Zustimmung gemessen hat, gingen die Zahlen während des Sommers wieder nach oben. Das dürfte bei Trump allerdings kaum zu erwarten sein, weil die Corona-Krise weiter schwelt und die wirtschaftlichen Folgen vor der Wahl sich kaum zum Besseren wenden werden. Trump setzt auf die Verfügbarkeit von Impfmitteln oder Medikamenten vor der Wahl, was aber auch keine schnelle Wende herbeiführen dürfte. Man kann durchaus ein Wag-the-Dog-Szenario fürchten, also den Versuch, einen militärischen Konflikt auszulösen, um die Amerikaner hinter sich zu bringen, oder innenpolitische Szenarien, wie sie manche befürchten, also dass Trump sein mögliches Scheitern bei der Wahl auf Betrug zurückführt, das Wahlergebnis nicht anerkennt, was sich dann zu einem auch bewaffneten Konflikt im Land hochschaukeln könnte. Seine Anhänger aus den rechtsextremen Kreise sind teilweise bis an die Zähne bewaffnet. Die Ausrufung des Kulturkampfs könnte ein erster Schritt dahin sein. Nur China wegen Covid-19 zu beschuldigen und den Ausbau der Grenzmauer zu feiern, wird nicht ausreichen, um frühere Anhänger zurückzugewinnen. Vermutlich muss oder wird er radikalisieren.

Die Situation gleicht aber auch der im Jahr 2016, als Donald Trump gleichermaßen unbeliebt war wie Hillary Clinton. Auch Joe Biden ist keine wirkliche Alternative, sondern nicht nur wegen seines greisenhaften Auftretens nur eine Notlösung, die auch nicht für einen in die Zukunft führenden Kurswechsel steht. Die Anhänger von Trump sind dagegen engagierter und bewundern dessen narzisstische Hau-drauf-Inszenierungen, gut möglich daher, dass er auch dieses Mal wieder gewinnt

"The World's Most Dangerous Man"

Das um zwei Wochen auf den 14. Juli vorgezogene Erscheinen des Buchs "Too Much and Never Enough: How My Family Created the World's Most Dangerous Man" von Mary Trump, der einzigen Nichte des Präsidenten, schlägt jetzt schon Wellen, zumal der Rest der Familie den Verkauf nicht verhindern konnte. Aber auch, wenn die Psychologin viel Kritisches über Donald und den Rest der Trumps auspackt, dürfte ihm das nicht wirklich schaden. Trump hat gezeigt, dass das alles an ihm abperlt, wie er auch ungeniert Lügen verbreitet.

Auch seine Nichte, die alle Bande mit der Familie gelöst hat, geizt nicht mit Superlativen, wenn sie ihn als mächtigsten Mann der Welt und die Trump-Familie als die "sichtbarste und mächtigste der Welt" bezeichnet. Neben familiären Geschichten wie dem Verhältnis ihres Vaters zu Donald gibt es wenig schmeichelhafte, wenn auch bekannte Beschreibungen seiner Person. Er beurteile Menschen nur nach Geld, "finanzieller Wert" sei für ihn dasselbe wie "Selbstwert", er habe einen "Killerinstinkt", während "Empathie, Freundlichkeit und Wissen bestraft" würden, Verantwortung für Fehler würden nicht übernommen und: Betrügen sei für Trump eine Lebenshaltung: "Cheating as a way of life." Er sei ein "Monster".

Aber sie bietet auch Erklärungen für sein Verhalten an. Seinem Vater Fred habe Liebe nichts bedeutet: "Er erwartete Gehorsam, das war alles." Donald habe Angst entwickelt, um Aufmerksamkeit oder Trost zu bitten, weil er fürchtete, den Zorn oder die Gleichgültigkeit seines Vaters zu provozieren, wenn er am verletztlichsten war: "Donald erlitt Entbehrungen, die bei ihm lebenslang Narben hinterließen." In der Buchankündigung wird die Trump-Familie als "toxisch" dargestellt, deren Leben "ein Albtraum von Traumata, destruktiven Beziehungen und eine tragische Kombination von Vernachlässigung und Missbrauch" sei. Eine zweite Präsidentschaft würde das Ende der Demokratie bedeuten. Und sie zitiert Donalds Schwester Maryanne Trump Barry: "Er ist ein Clown", "Er hat keine Prinzipien".

Mary Trump: "Seine Pathologien haben ihn gedanklich so simpel gemacht, dass man nur die Dinge, die er zu sich und über sich dutzende Male am Tag sagt - er ist der Klügste, der Größte, der Beste -, wiederholen muss, um ihn dazu zu bringen, was immer man will." Und als klinische Psychologin schreibt sie: "Donals Pathologien sind so komplex und sein Verhalten ist so oft unerklärlich, dass die Entwicklung einer genauen und umfassenden Diagnose eine volle Batterie psychologischer und neurologischer Tests erfordern würde, die er niemals ausführen wird." Mary Trump dämonisiert offenbar ihren Onkel, anstatt ihn zu entzaubern. Das verrät Geschäftssinn und Trumpsche Logik.

(Florian Rötzer)