Donald Trump als neuer Hitler: Michael Moores "Fahrenheit 11/9"

Bild: © Midwestern Films LLC

Rechtzeitig zur Kongresswahl brachte Michael Moore seinen Trump-Film auf die Leinwand, dessen Kinoplakate Trump "Tyrann, Lügner und Rassist" nennen

In Berlin könnte anecken, dass Trump dort mit Adolf Hitler verglichen wird. Doch vielleicht sind die Zeiten auch vorbei, wo man bei solchen Vergleichen eine Verharmlosung der Nazi-Diktatur befürchtete. Zu viele Hitlers wurden uns von den Medien inzwischen präsentiert. Neu ist allerdings, dass einer davon in Washington regieren soll. Doch dies ist nur der Höhepunkt der satirisch-unterhaltsamen bis ernsthaft-bitteren Kritik Michael Moores an Trump, seinen Republikanern und dem ganzen Establishment der USA.

In gewohnter Manier montiert Moore Trump-Bilder aus Interviews, TV-Debatten und Talkshows mit diversem Archivmaterial zusammen, um den Präsidenten als Egomanen, Sexisten und Rassisten zu entlarven, nebenbei seine dubiosen Immobilien-Geschäfte, seine Beziehung zu Putin und generell seine Lächerlichkeit bloßzustellen. Dabei fällt auf, dass Moore, der in seinen Filmen meist nicht dazu neigt, sich selbst bescheiden im Hintergrund zu halten, diesmal vergleichsweise zurückhaltend auftritt.

Neben der Aufregung um einen untragbaren Skandal-Präsidenten und den Gefahren für die Demokratie kommen die alltäglich gewordenen Übel neoliberaler Politik in den Fokus: Von unterbezahlten Lehrern, die Zweitjobs brauchen, um ihre Miete zahlen zu können, über Amokschützen und den Kampf gegen die Waffenlobby bis zur Wasserprivatisierung, die in Bleivergiftung bei Kindern armer, oft schwarzer Bevölkerungsgruppen der USA mündet.

Medien-Demokratie im Fegefeuer der Eitelkeiten

Mit seinem äußerst erfolgreichen Film "Fahrenheit 9/11" nahm Moore 2004 den US-Präsidenten George W. Bush aufs Korn. In "Fahrenheit 11/9" knüpft er hier an, aber Ziel ist diesmal US-Präsident Donald J. Trump, gewählt am Zahlendreher-Datum 11/9/2016. Als humorigen Einstieg ins Thema erklärt Moore die Demokratie der USA zum Opfer eines Werbegags im Showbusiness.

Fahrenheit 11/9 (16 Bilder)

Bild: © Midwestern Films LLC

Die aktuelle Misere der führenden westlichen Demokratie beginnt demnach so: Der nicht zur Bescheidenheit neigende Star der NBC-Show "The Apprentice" (Trump) erfährt, dass NBC-Star Gwen Stefani mit ihrer Talent-Show "The Voices" eine höhere Gage bekommt als er. Wutentbrannt will Trump beweisen, dass er populärer ist als die Sängerin und erklärt - nur so als Gag - seine Kandidatur für das Präsidentenamt.

Aber dann geschieht das Unvorhersehbare: Showmaster Trump, der sonst Lehrlings-Kandidaten als Big Boss im Fernsehen herumschubsen darf, schlägt in den Vorwahlen einen Präsidentschafts-Kandidaten der Republikaner nach dem anderen aus dem Feld, angefangen bei Bush-Vetter Jeb Bush. Trump kandidiert tatsächlich und dann geschieht das wirklich Unfassbare: Trump schlägt auch noch die von allen als Favoritin gehandelte Hillary. Statt Ex-First Lady Clinton oder Vetter Bush sitzt nun ein fetter Milliardär im Weißen Haus, der dorthin doch gar keine familiären Beziehungen hatte.

Mit Trumps familiären Beziehungen macht Michael Moore dann weiter: Auf Szenen, die Trump als übergriffigen Egoisten beschreiben, folgen Bilder, die ihn beim ziemlich übergriffig wirkenden Befingern seiner bildschönen Tochter Ivanka zeigen. "Er hat seine Verbrechen vor den Augen der Öffentlichkeit begangen", kommentiert Moore. Sein Fazit: Man fühlt sich etwas unbehaglich bei diesem Präsidenten.

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