Donald Trump, der König der Schulden

Donald Trump in New Orleans, Januar 2019. Bild: Weißes Haus

Die New York Times hat Unterlagen vom Finanzamt aus den 80er und 90er Jahren zugespielt bekommen, danach erzielte Trump in 10 Jahren einen Milliardenverlust, für ihn ein ganz normales "Spiel" mit dem Finanzamt

Donald Trump hat sich bislang standhaft geweigert, seine Steuererklärungen, wie das üblich ist, zu veröffentlichen. Zu seiner Unterstützung hat sich dem auch Vizepräsident Mike Pence angeschlossen. Lange ist gerätselt worden, warum Trump der Öffentlichkeit den Blick in seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse verweigern wollte. Auf der Hand liegt, dass er Negatives für sein Ansehen befürchtet. Wohl weniger, wenn der als Milliardär geltende Präsident reicher wäre, als geglaubt wird. Er selbst sagte 2015 bei der Ankündigung seiner Präsidentschaftskandidatur, er habe ein Vermögen von 8 Milliarden US-Dollar. Aber die Schätzungen gehen von einigen hundert Millionen bis zu einigen Milliarden.

Trump ist betont narzisstisch und hat sich sein Leben lang, trotz gescheiterter Geschäfte, als vorbildlicher und erfolgreicher Geschäftsmann gesehen, der auch als "König der Schulden" weiß, wie man profitable Deals macht. Seine Weisheiten hat er auch in Bücher verpacken lassen, annehmen muss man, dass er sie nicht mitgeschrieben hat, auch wenn sie unter seinem Namen und einem Co-Autor erschienen sind: The Art of Deal, Think Big: Make It Happen In Business and Life, How to get rich, Great Again: How to Fix Our Crippled America etc.

Wie es um die Vermögensverhältnisse jetzt steht, bleibt immer noch ein Geheimnis, das die Demokraten gerne aufdecken würden. Die New York Times hat nun aber Auszüge aus Steuererklärungen aus den Jahren 1985 bis 1994 erhalten. Und sie zeigen ("Decade in the Red"), dass Trump wohl ein Spieler war, aber nicht unbedingt ein nur erfolgreicher. Auch jetzt führt er die USA weiter in die Verschuldung hinein (Trump ist der König der Schulden).

Zocker oder erfolgreicher Geschäftsmann?

1985 fuhr Trump Verluste in Höhe von 46 Millionen US-Dollar aus seinen Kasinos, Hotels und anderen Immobilien ein. Nach Informationen des Finanzamts, hatten in dem Jahr nur drei andere amerikanische Geschäftsleute mehr Verluste gemacht. In dem Jahrzehnt verlor Trump mehr als eine Milliarde US-Dollar, 1990 und 1991 beispielsweise jeweils 250 Millionen, mehr als das Doppelte anderer großer Verlustmacher. Immerhin musste er deswegen in 8 von 10 Jahren keine Steuern zahlen. Unerklärlich sind erklärte Zinseinnahmen von mehr als 50 Millionen US-Dollar im Jahr 1989.

Überhaupt wechselten die Quellen der Einnahmen stark, einmal sind es Zinsen, dann Gewinne aus Wertpapieren oder auch ein Verdienst von 67 Millionen, die aber im nächsten Jahr schon wieder weitgehend verschwunden waren. Das weist auf Steueroptimierung hin. 1987 hatte er in üblicher Trump-Manier erklärt, es gebe niemanden in seinem Alter, der mehr erreicht habe. Und er veröffentlichte im selben Jahr das Buch "Trump: The Art of the Deal", das zum Bestseller wurde.

Schon zuvor hatte die NYT Einblick in Dokumente der Trump-Familie erhalten, die Donald Trumps Erfolgslegenden entlarven. Der ist nicht aus eigener Kraft reich geworden, wie er glauben machen will, sondern hat von seinem Vater insgesamt eine Milliarde US-Dollar geerbt und dafür durch Ausnutzung von Steuertricks und nach der NYT auch durch Steuerbetrug kaum Steuern gezahlt (Trump "verdiente" schon als Dreijähriger 200.000 US-Dollar im Jahr).

Es war also genug zum Zocken da, um wild einzukaufen, auch um Verluste durch zufällige Gewinne wieder wettzumachen. Allerdings hatte Trump vor allem das Geld anderer in den Sand gesetzt, mit deren Geld er dealte, beispielsweise mit dem Kasino und Hotel Taj Mahal in Atlantic City, das 1990 eröffnete, nur Verluste einfuhr und 2017 verramscht wurde. 2005 soll Trump aber wieder gute Einnahmen erzielt und entsprechend Steuern gezahlt haben.

Trump selbst erklärte, natürlich via Twitter, dass die Meldung von Verlusten und Abschreibungen ganz normale Vorgänge seien. Er ist dabei so ehrlich, dass klar ist, dass es ihm wie vielen anderen Unternehmern auch darum ging, Steuern zu vermeiden. Das sei ein Sport gewesen. Wenn man baut, habe man Verluste gemeldet und gemacht:

You always wanted to show losses for tax purposes....almost all real estate developers did - and often re-negotiate with banks, it was sport.

Donald Trump

Die Deutsche Bank als Retter in der Not und Präsidentenmacher?

Ein Anwalt von Trump erklärte, die Informationen der NYT würden nicht stimmen. Die der Zeitung vorliegenden Dokumente der Finanzbehörde seien vorläufig und würden keinen verlässlichen Einblick geben. Trumps Finanzminister Mnuchin hat wieder erklärt, dass die Steuererklärungen nicht dem Kongressausschuss übergeben werden, der sie angefordert hatte. Trumps Anwälte haben schon präventiv Klagen gegen seine Banken und Buchhalter eingereicht, um zu verhindern, dass Informationen fließen. Das erhöht natürlich den Verdacht, dass hier etwas Gravierendes im Verborgenen bleiben soll. Der Staatsanwalt von New York hat Ermittlungen gegen einige von Trumps Organisationen eingeleitet.

Verwickelt ist auch die Deutsche Bank, die bereits Dokumente übergeben hat. Während andere Banken dem Loser Trump keine Kredite mehr geben wollten, sprang offenbar die Deutsche Bank ein, auch nachdem er bankrott war, was mehrmals geschah. Nach Berichten soll er 1-2 Milliarden US-Dollar von der Deutschen Bank erhalten haben, die ihn retteten und ihm letztlich die Tür zum Weißen Haus öffneten. Im Januar 2017 soll er noch 340 Millionen US-Dollar Schulden bei der Deutschen Bank gehabt haben, jetzt sollen es noch 130 US-Dollar sein.

Trump klagt gegen die Bank und Capital One, um zu verhindern, dass diese vor dem Repräsentantenhaus aussagen. Dort sind sie von dem Geheimdienst- und dem Finanzausschuss mit demokratischer Mehrheit vorgeladen worden. Und dann besteht da auch noch der Verdacht, dass über die Deutsche Bank auch russische Geldgeber mit im Spiel sein könnten. Insofern könnte der Kampf gegen die Veröffentlichungen der Finanzamtsdaten auch mit dem gegen die Freigabe des ungeschwärzten Mueller-Berichts zusammenhängen. Trump will den vollständigen Bericht nicht dem Kongress übergeben und beansprucht jetzt das Exekutivprivileg. Der Präsident sieht sich durch den Bericht vollständig von den Vorwürfen entlastet. Wenn er dann die vollständige Freigabe blockiert, bestätigt dies die Vermutung, dass dies keineswegs der Fall ist. (Florian Rötzer)

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