Donald Trump kommt nach Frankreich, Dänemark und Polen ...

Der Strand von Biarritz, vom Casino aus gesehen. Foto: Person-with-No Name. Lizenz: CC BY 2.0

… aber nicht nach Deutschland

Biarritz ist ein Knapp-25.000-Einwohner-Städtchen im französischen Baskenland, das sich im 19. Jahrhundert zu einem Nobelbadeort mauserte. Vom 24. bis zum 26. August findet dort der diesjährige G7-Gipfel statt, das Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen. Neben dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron werden dazu der italienische Noch-Ministerpräsident Giuseppe Conte, der kanadische Noch-Premierminister Justin Trudeau, der britische Noch-oder-vielleicht-auch-noch-länger-Premierminister Boris Johnson, der bislang viermalige japanische Premierminister Shinzo Abe, die bislang viermalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der amerikanische Präsident Donald Trump erwartet.

Kurz danach, vom 31. August bis zum 3. September, will Donald Trump dann die deutschen Nachbarländer Dänemark und Polen besuchen. In Dänemark hat ihn die dortige Königin Margrethe II. eingeladen, in Polen wird er am 1. September an Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges in Europa teilnehmen. Nach Deutschland - dem Land, dessen Staatsführung damals den Krieg unter einem False-Flag-Vorwand begann - wird Trump nicht reisen, obwohl es zwischen Frankreich, Dänemark und Polen liegt.

Zwei Besuche, aber kein bilaterales Treffen

Trump war während seiner bisherigen Präsidentschaft allerdings schon zweimal in der Bundesrepublik: Das erste Mal beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg (wo Brandstiftungen, Plünderungen und Slogans wie "Welcome to Hell" möglicherweise keinen allzu gastlichen Eindruck auf ihn machten). Und das zweite Mal im letzten Jahr, als er auf seiner Rückreise aus dem Irak US-Soldaten auf dem Militärstützpunkt Ramstein besuchte. Die deutsche Bundeskanzlerin traf er dabei nicht, was auch deutschen Medien auffiel.

Auch Monate später kommen sie zum Ergebnis, dass es zwischen Trump und Merkel auch 31 Monate nach dem Amtsantritt des US-Präsidenten noch keinen rein bilateralen Besuch gab, während sich Bill Clinton nach 18, George W. Bush nach 16 und Barack Obama bereits nach fünf Monaten zu solchen Gelegenheiten einfanden. Als Gründe dafür führen sie unterschiedliche Positionen der beiden Staatsführungen auf.

Tankerschutz, Gaspipeline, NATO-Ziel

Die gibt es zum Beispiel in der Frage einer Teilnahme an der amerikanischen Tankerschutzmission in der Straße von Hormus. Während die deutsche Bundesregierung hier so klar absagte wie bislang noch kein anderes der angefragten Länder, erklärte der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz am Freitag, "irgendeine Art polnischer Unterstützung für die amerikanischen und die britischen Anstrengungen" in dieser Region für "möglich".

Ein anderer Streitpunkt ist die Nord-Stream-2-Gaspipeline aus Russland, wegen der Washington Berlin vorwirft, sich in eine verteidigungswidrige Abhängigkeit zum alten NATO-Gegner zu begeben. Hier ist es die dänische Staatsführung, die den Amerikanern behilflich ist und den Bau der Unterwasserleitung so geschickt verzögert, dass russische Medien eine Verzögerung der Fertigstellung um bis zu acht Monate und eine Verteuerung um 660 Millionen Euro befürchten.

NATO-gefährdend ist nach US-Meinung auch, dass die deutsche Bundesregierung weniger als die 2017 vom damaligen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zugesagten zwei Prozent des Bruttioinlandsprodukts in den Verteidigungsetat steckt. Vertreter der US-Administration brachten in diesem Zusammenhang die Möglichkeit der Verlegung eines Teils der etwa 52.000 noch in Deutschland stationierten US-Soldaten nach Polen ins Spiel, was an den deutschen Standorten auf Besorgnis und in der polnischen Staatsführung auf Begeisterung stieß.

Undiplomatische Äußerungen deutsche Politiker

Neben unterschiedlichen Meinungen in diesen Fragen könnten bei Trumps Besuchsunwilligkeit aber auch eher undiplomatische Äußerungen deutscher Politiker eine Rolle spielen. Ein besonders auffallendes Beispiel dafür kam vom jetzigen deutschen Staatsoberhaupt, das Trump einen "Hassprediger" nannte, als ihm deutsche und amerikanische Medien unzutreffend suggerierten, der exzentrisch frisierte Milliardär habe keine realistische Chance auf die Präsidentschaft. Als Steinmeier die Realität im November 2016 eines Besseren belehrte, weigerte sich der schnelle Zwei-Prozent-Zusicherer deutlich länger als andere Außenminister, Trump zu seinem Sieg zu gratulieren.

Allerdings hatte auch Donald Trump in seinem Wahlkampf kaum einen Hehl daraus gemacht, dass er von der deutschen Bundeskanzlerin wenig hält. Die Körpersprache bei Begegnungen der beiden deutet darauf hin, dass sich daran nach seinem Amtsantritt nicht sehr viel geändert hat, auch wenn der US-Präsident nun offiziell behauptet, Merkel sei "eine fantastische Frau".

Dass er kein besonderes Interesse an einem bilateralen Treffen mit ihr zeigt, könnte auch darauf hindeuten, dass er ihre Chancen, noch lange im Amt zu bleiben, für ähnlich begrenzt hält wie die von Conte oder Trudeau. Übersteht sie am 1. September die erwartbare Wahlniederlagen ihrer Koalitionsparteien in Brandenburg und Sachsen, könnte das damit zu tun haben, dass ihre mögliche Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer eine so schlechte Figur macht, dass die Union informell schon auf der Suche nach einem anderen Kanzlerkandidaten scheint.