Donald Trump und die Künstliche Intelligenz

Symbolpolitisch will Trump die Entwicklung der KI fördern, aber seine "KI-Initiative" offenbart, dass er mit dem Rücken zur Zukunft steht

Donald Trump hat gestern eher nebenbei die executive order "Accelerating America's Leadership in Artificial Intelligence" unterzeichnet, nach der die Behörden und Ministerien angewiesen werden, die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) vorrangig zu behandeln. Damit kommt der Bau-Mogul, der symptomatisch von einer Beton- oder Stahlmauer an der Grenze zu Mexiko träumt, sogar noch später als Deutschland und auch erst nachdem Russland KI-Entwicklung als Topthema gesetzt hat.

Bekanntlich hat die deutsche Bundesregierung Ende des letzten Jahres eine "KI-Strategie" mit großer Geste und wenig Ressourcen beschlossen, um mit ganzen 3 Milliarden Euro bis 2025 zu einem global player in Sachen KI zu werden. Aber nach Medienberichten tut sich bislang nicht viel.

Donald Trump will eine American Artificial Intelligence (AI)-Initiative in Gang setzen, um "den Wohlstand der Nation zu erhöhen, unsere nationale und wirtschaftliche Sicherheit zu stärken und die Lebensqualität der Amerikaner zu verbessern". Das erinnert an die hilflosen Versuche der deutschen Regierung, eine "deutsche KI" auf die Beine zu stellen, allerdings spielen die USA noch ganz vorne mit. Die Initiative soll dafür sorgen, dass die KI "erfüllt ist vom amerikanischen Geist, die amerikanischen Werte widerspiegelt und zum Vorteil für die amerikanischen Menschen eingesetzt wird".

Die Initiative soll dafür sorgen, dass die USA bei Entwicklung und Einsatz von KI führend bleiben, das wird schon im Titel als maßgeblich gesetzt. Aber das könnte schwierig werden, weil China massiv in KI investiert und auch den Vorteil hat, die Systeme mit massenhaft Daten zu füttern und Anwendungen auf Massenebene zu testen. Natürlich geht es beim Wettbewerb der Großmächte vornehmlich um den Einsatz von KI in der Kriegstechnik und -führung, auch um autonome Kampfsysteme. Davon wird aber in der Exekutive nicht gesprochen werden, da sollen allgemein Forschung und Entwicklung, KI-Infrastruktur, KI-Verwaltung, Weiterbildung und internationales Engagement gefördert werden.

Mit der Priorisierung sollen Behörden und Ministerien mehr Geld in die Forschung und Entwicklung investieren. Gelder sollen nur umgeschichtet werden, eine zusätzliche Förderung ist nicht vorgesehen. Das verrät viel. Das National Institute of Standards and Technology (NIST) soll Standards für eine sichere KI entwickeln. Als wichtig wird auch erachtet, die Menschen weiterzubilden, um sie fit zu machen für die Veränderungen, und mehr Amerikaner in den STEM- bzw. MINT-Fächern auszubilden. Und es soll eine internationale Kooperation hergestellt werden, allerdings nur, um "amerikanische Werte und Interessen" sicherzustellen.

Schon bevor die Exekutive in Kraft trat, lautet die berechtigte Kritik, dass es sich um eine Luftblase handelt, mit der nur eine Symbolpolitik ausgeführt wird. Das ist auch verständlich, denn Trump liebt als Anhänger der vordigitalen Welt, der lediglich Twitterkompetenz besitzt und das Fernsehen schätzt, das Große und Massive, die Mauer, die Hochhäuser, Fabriken, Straßen, Raketen und andere schwere Waffen wie Kriegsschiffe. Wenn nicht mehr Geld in die KI-Initiative gesteckt wird, dürfte nicht viel geschehen.

Die KI-Experten gehen in die Privatwirtschaft zu Google, Amazon und Co., wo allerdings auch Bedenken geäußert werden, Google hat sich zudem unter Druck der Mitarbeiter so geäußert, dass die vom Konzern entwickelte KI nicht in Waffen oder zur Überwachung verwendet werden sollen. Letzteres ist eher nett gemeint. Und ohne Einwanderung wird der Nachschub von STEM-Wissenschaftlern und Experten austrocknen. Aber mit seiner Anti-Migrationspolitik blockiert hier Trump Chancen, viele chinesische Wissenschaftler, die bislang in den USA geblieben sind, kehren schon jetzt schneller, auch aufgrund der Anfeindungen und Verdächtigungen, aber auch wegen der neue Verdienstmöglichkeiten nach China zurück.

Die Nationalisierung der Politik führt zu den erst einmal seltsam anmutenden Wünschen nach einer deutschen oder amerikanischen KI. In Deutschland glaubt man offenbar, die Wahrung des Datenschutzes führe zu einer eigenen Entwicklung, obgleich KI und Datenschutz eigentlich über Kreuz sind, schließlich ist für maschinelles Lernen Big Data Voraussetzung. Und was wären "amerikanische Werte und Interessen"? Interessen sind einfach zu bestimmen, aber Werte? Und was wäre eine russische oder chinesische KI, die natürlich sowieso böse wären? (Florian Rötzer)

Anzeige