Donbass: Anschlagsserie auf Separatisten geht weiter

Das Banner des Sparta-Batallions

Arseni Pawlow alias "Motorola" kommt bei der Explosion eines Aufzugs ums Leben

Militärkommandant im ostukrainischen Donbass zählt zu den eher gefährlichen Berufen: Im letzten Jahr kamen dort unter anderem der als "Batman" bekannte Batallionskommandeur Alexander Bednow (Hinterhalt), der "Che Guevara von Lugansk" genannte Feldkommandeur Alexej Mosgowoi (ferngezündete Mine) und der Kosakenkommandeur Pawel Dremow (Autobombe) gewaltsam ums Leben (vgl. Link auf 45023). Nun hat es Arseni Pawlow alias "Motorola" erwischt: Der an den Schlachten von Slawiansk, Ilowaisk, Debalzewo und um den Donezker Flughafen beteiligte Befehlshaber des Sparta-Batallions, der im Juni einen Bombenanschlag überlebte, starb jetzt bei der Explosion des Aufzugs in seinem Haus, in dem ein Sprengsatz versteckt war, der ferngezündet wurde. Außer Pawlow kam sein Leibwächter ums Leben. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Amnesty International hatte dem Sparta-Batallion und Pawlow 2015 vorgeworfen, Kriegsgefangene gefoltert und erschossen zu haben. Ukrainischen Journalisten gegenüber bestätigte der rotbärtige Russe die Erschießungen angeblich mit den Worten: "Wenn ich will, töte ich". In der Ukraine lief deshalb ein Strafverfahren gegen ihn.

Für Alexander Sachartschenko, den Ministerpräsidenten der von Kiew nicht anerkannten Volksrepublik Donezk (der im April und im August Anschlagsversuche überlebte), steht bereits fest, dass die ukrainische Staatsführung hinter dem Attentat steckt: Deren Präsident Petro Poroschenko habe damit "die Waffenruhe gebrochen und [der Volksrepublik] den Krieg erklärt". Nun, so Sachartschenko zum russischen Fernsehsender NTV, werde es "keine Gnade geben". Erst einmal hat der Ministerpräsident aber nur eine Staatstrauer angeordnet.

Beobachter sehen eine Urheberschaft der ukrainischen Staatsführung durchaus als realistische Option, verweisen aber auch auf Rivalitäten zwischen den Separatisten. So wurden nach einem im August verübten Anschlag auf Igor Plotnizki, den Präsidenten der Volksrepublik Lugansk, dessen ehemaliger Stellvertreter und der ehemalige stellvertretende Verteidigungsminister festgenommen und beschuldigt, einen Putsch geplant zu haben. Der ehemalige Stellvertreter soll sich nach der Verhaftung in seiner Zelle selbst umgebracht haben. Vorher hatte Plotnitzki ukrainische und amerikanische Geheimdienste beschuldigt.

Im selben Monat hatte der russische Staatspräsident Wladimir Putin dem ukrainischen Militärgeheimdienst vorgeworfen, am 6., 7. und 8. August Terroranschläge auf der Krim versucht zu haben, die der russische Inlandsgeheimdienst FSB verhindern konnte (vgl. Link auf 49096 ).

Ziel der geplanten Anschläge auf Infrastrukturanlagen soll gewesen sein, die Halbinsel vor den russischen Parlamentswahlen zu destabilisieren. Das habe dem FSB ein gefangen genommener und namentlich bekannter ukrainischer Geheimdienstmitarbeiter gestanden. Außerdem seien Sprengsätze und Waffen sichergestellt worden, die aus den Beständen der ukrainischen Armee kämen. Die ukrainische Staatsführung wies diese Vorwürfe zurück.

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