Droht ein zweites Tschernobyl?

Kernkraftwerk Saporischschja; Foto: Ralf1969/CC BY-SA 3.0

Kommentar zur Sicherheit der AKWs in der Ukraine

Das größte Kernkraftwerk Europas ist das AKW Saporoshje mit sechs Reaktoren. Es liegt in der Südukraine - etwa 200 Kilometer von der derzeitigen Kampfzone in der Ostukraine entfernt. Der Sicherheitschef des Atomkraftwerks Oleg Makarenko wird vom WDR zitiert: "Sabotageakte halten sich nicht an Himmelsrichtungen."

NATO-Experten haben bereits vor der Möglichkeit gewarnt, dass die Separatisten das AKW erobern oder dass die Kämpfe auch in der Nähe des Kraftwerks ausbrechen könnten. Die Stadt Saporoshje hat etwa 750.000 Einwohner.

Bislang wurde das Problem von AKW in der Nähe von Kriegsregionen politisch verdrängt oder verniedlicht. Doch neben Naturkatastrophen, Terroranschlägen sowie technischem oder menschlichem Versagen sind Kriege eine Riesengefahr für die über 400 AKW in der Welt.

Allein in der Ukraine gibt es 15 AKW und viel hochgiftigen nuklearen Müll im Freien - häufig ungeschützt. Der Chef der ukrainischen Atomaufsicht, Sergej Boschko, sagt, dass die sechs Reaktoren nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert sind und erst recht nicht gegen Raketen, die im Krieg beide Seiten einsetzen.

Dass es gegen diese Raketen keine Sicherheit gibt, hat der Abschuss der malaysischen Passagiermaschine vor einige Wochen gezeigt - unabhängig davon, ob das Flugzeug gezielt oder aus Versehen abgeschossen wurde. Beides wäre bei einem AKW eine gleich große, fast unvorstellbare Katastrophe.

"AKW sind nicht für Kriege ausgelegt, sondern für den Frieden", sagt Boschko. Ein schwacher Trost in Kriegszeiten wie diesen. Die meisten der 15 ukrainischen AKW müssten schon aus Altersgründen abgeschaltet sein, bestätigt die ukrainische Atomaufsicht. Sind sie aber nicht.

Schon Mitte Mai 2014 wurde das AKW in Saporoshje von rechtsgerichteten bewaffneten Männern angegriffen. Sie konnten damals von der ukrainischen Polizei gestoppt werden. Bei Raketenbeschuss hilft aber keine Polizei.

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