Dschihad gegen den Hüter der heiligen Moscheen

Nach den Anschlägen in Saudi-Arabien: König Salman mahnt die Jugend

Ein Bombenanschlag in Medina in den letzten Tagen des Ramadan überschreite alles, was diese crazy terroristische Organisation bereits überschritten habe, so die Worte des Angry Arab zum Selbstmordattentat in unmittelbarer Nähe der Prophetenmoschee.

Geht es nach Informationen, die von Sputnik-News veröffentlicht werden, so hatten die Moscheebesucher und die saudi-arabische Führung Glück. Der Attentäter wurde aufgehalten, bevor er die Prophetenmoschee in Medina betreten konnte. Er sprengte sich auf dem Parkplatz vor der Moschee in die Luft, zwei Sicherheitsleute starben.

Selbst wenn eine größere Katastrophe verhindert wurde, so ist der Hüter der beiden heiligen Stätten (die Prophetenmoschee und die Heilige Moschee in Mekka mit der Kaaba) an einer empfindlichen Stelle getroffen. Zu zeigen, dass der Hüter seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, ist Verrücktheit mit Methode.

Explosion in der Nähe der Prophetenmoschee. Bild: Screenshot

Mit eiserner Faust werde man zurückschlagen gegen die religiösen Extremisten, reagierte der Hüter, König Salman, auf die Anschläge. Bemerkenswert an der üblichen Phrase von der entschlossenen Härte, mit der die Übeltäter nun zu rechnen haben, ist zweierlei.

Einmal, dass der Chef des zutiefst religiös imprägnierten Königreichs keine Skrupel hat, von religiösen Extremisten zu sprechen. Während im Westen, insbesondere in den USA, Argumente dafür vorgebracht werden, bei dergleichen Anschlägen Begriffe wie "radikale Islamisten" u.ä. nicht zu verwenden, um den Abstand oder den Unterschied zur Religion zu markieren.

Zum anderen fällt auf, dass sich die Rede des Königs direkt an die Jugend wendet. "Die größte Schwierigkeit, der unsere islamische Nation gegenübersteht, ist die Frage, wie man die Jugend von den Gefahren fernhält, mit der sie konfrontiert ist, insbesondere Extremismus und Gewalt."

Saudi-Arabien hat ein Problem mit der Jugend. Weil viele schon zu viel Fühlung mit der westlichen Welt aufgenommen haben, über Auslandsreisen, Freunde und Internetkontakte, um sich noch leicht in traditionelle Lebensweisen zu fügen (ein Indiz dafür ist die wachsende Gemeinde der jugendlichen Atheisten). Die Kontrolle über die neue Generation wird schwerer. Die schwindenden Öleinahmen machen es schwerer, für genügend Arbeitsplätze zu sorgen.

Dass der IS wie früher schon al-Qaida und auch deren syrische Tochter al-Nusra auf einen großen Nachschub an Rekruten aus Saudi-Arabien zählen kann, ist die andere Seite der Jugend. Der Schritt vom Wahabismus zum al-Qaida-Dschihad ist ideologisch keiner, der eine größere Brücke bräuchte. Die IS-Takfiris geben sich als "purer", vertreten den "noch reineren Islam".

Wer das Grabmal des Propheten angreift, ist noch monotheistischer als die, die sich von solchem Beiwerk von der reinen Lehre ablenken lassen. So gesehen ist der Selbstmordanschlag auf die Prophetenmoschee ein Propagandaakt, der seine Adressaten finden wird. Zumal ausschließlich Sicherheitskräfte ums Leben gekommen sind.

Der Anschlag zielt auf das Heuchlerische oder "Unreine" des Königshauses Saud. Wie auch die beiden anderen Anschläge, auf das US-Konsulat in Jedda und auf die Moschee in der Unruheprovinz Qatif, auf Beziehungen zielen, die im Repertoire der Gegner der Herrscher einen festen Platz haben: das Verhältnis der saudischen Herrscher zu den USA und ihr Verhältnis zu den Schiiten, die in Qatif die Bevölkerungsmehrheit stellen.

Dass König Salman bei seiner Reaktion auf die Anschläge mit keinem Wort auf die verwundbare oder besonders ausgesetzte Lage der Schiiten gegenüber radikalen sunnitischen Terroristen einging, ist ein Hinweis auf gewisse Empfindlichkeiten. Anders gesagt: Es liegt strategisch durchaus im Interesse des IS, die konfessionellen Spannungen in Qatif weiter anzufachen, indem man Behauptungen nährt, dass sich die Regierung mehr um die "ungläubigen Schiiten" kümmert als um die sunnitischen Bewohner.

Bislang hat sich der IS nicht zu den Anschlägen bekannt. Geht es nach den Berichten, die über die drei Anschläge vom Montag zu lesen sind, so wird daran nirgendwo gezweifelt. Angesprochen werden, bei al-Monitor, wenig durchsichtige Beziehungen zwischen den Königen und Prinzen in Riad und den Dschihadisten im Nahen Osten.

So war der jetzige saudische König Salman seit dem Afghanistan-Krieg von Anfang in leitenden Positionen in Finanzierungsgeschäfte über Charity-Kanäle, Stiftungen etc. von Gotteskriegern involviert (vgl. dazu Bankiers der Bombenleger).

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