Dürre in Südostasien treibt die Reispreise

26 der 76 Provinzen Thailands zu Notstandsgebieten erklärt - Bauern sparen bei der Bildung ihrer Kinder

Fehlende Niederschläge in Südostasien haben Myanmar, Vietnam, Thailand, Indonesien und Malaysia zu einem dramatischen Wassermangel geführt. Ganze Landstriche sind schon seit Monaten trockengefallen. Der Regen im vergangenen Herbst war deutlich geringer als üblich. Seit 1994 gab es beispielsweise in Thailand keine derartige Trockenheit mehr. Die Situation wird dem El Niño-Phänomen zugeschrieben, das dafür sorgt, dass der Regen nicht mehr dort und dann fällt, wo er dies traditionell tat.

In Bangkok hat der fallende Wasserstand des Flusses Chao-Phraya inzwischen dazu geführt, dass salzigen Brackwasser aus dem Golf von Thailand im Mündungsgebiet in den Fluss drückt und eine Gewinnung von Trinkwasser aus dem Fluss unmöglich wird. Die Versalzung des Grundwassers zerstört inzwischen auch beträchtliche Teile der Reisanbauflächen in Südostasien. Die Talsperren waren in diesem Jahr weniger gefüllt als üblich, weil man vermeiden wollte, dass Landwirtschaft und Industrie wie im Jahre 2011 unter einem katastrophalen Hochwasser zu leiden haben, als in 58 von76 Provinzen der Notstand ausgerufen werden musste.

Wasserfest auf dem Trockenen

Als Folge der jetzt schon mehrere Monate andauernden Wasserknappheit empfehlen die Behörden das traditionelle Wasserfest Songkran, das in Thailand in der Mitte des Monats April den Jahreswechsel markiert, in diesem Jahr mit deutlich weniger Wasser zu feiern und man hatte sogar überlegt, die Feiern auf drei Tage zu verkürzen. Ob sich die Thais die Feierlaune verderben lassen, die das Land meist für zwei Wochen in eine Art kollektiven Ausnahmezustand versetzt, wird sich diese Woche zeigen.

Wenn die thailändische Regierung jetzt den Hotelbetreibern empfiehlt, die Zahl der Handtücher zu reduzieren, die man den Touristen zur Verfügung stellt, um Wasser in der Wäscherei zu sparen, zeigt sich wie prekär die Lage geworden ist. Was die Touristen nicht sehen, ist, welche Auswirkungen der Wassermangel auf die Landwirtschaft hat:

Mit dem Ausfall der Reisernte, müssen Bauern, die bislang auch den Reis für den Eigenbedarf angebaut haben, jetzt Reis zukaufen. Derzeit kostet ein Sack Reis mit 50 Kilogramm Gewicht auf dem Land etwa 1.500 Thailändische Baht. Einer vierköpfigen Familie, ihren Wachhunden und dem lieben Federvieh reicht das etwa eine Woche. Auf den Monat umgerechnet kostet der Reis, den man in der Vergangenheit selbst angebaut hat, den kompletten Monatslohn eines Arbeiters, der in der Industrie eine Stelle gefunden hat.

Länder am Mekong. Karte: Shannon1. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Gespart wird jetzt häufig bei den Kosten für Schulbildung der Kinder. Im ersten Schritt werden die Jungen von der Schule genommen, damit sie selbst Geld verdienen und zum Lebensunterhalt der Familien beitragen können. Die Mädchen lässt man eher in der Schule, damit sie eine gute Ausbildung bekommen und die Eltern später einen guten Brautpreis erzielen können.

Wassermangel am Mekong

Für den Wassermangel in der Mekong-Region wird inzwischen nicht nur der Klimawandel und El Niño verantwortlich gemacht, sondern auch der zunehmende Ausbau der Wasserkraft im Oberlauf des Mekong, der von der chinesischen Regierung durchgeführt wird. In welchem Umfang sich der Talsperrenbau am Mekong, an welchem auch thailändische Baukonzerne beteiligt waren, tatsächlich die Hauptschuld am Niedrigwasserstand des Mekong hat, lässt sich noch nicht mit ausreichender Sicherheit ermitteln.

Es fehlt nicht nur der Regen, es fehlen auch die Regenmacher

Hatte man in Thailand in der Vergangenheit zu Dürrezeiten die Wolken geimpft, damit sie über den landwirtschaftlichen Nutzflächen abregneten, so hat man in diesem Jahr nicht genügend Piloten, die mit ihren Sprühflugzeugen das fehlende Nass aus den Wolken kitzeln. Die Nachfrage zivilen Luftverkehrs nach ausgebildeten Piloten, hat viele in die einträglicheren Jobs der neuen Billigfluglinien abwandern lassen. Jetzt fehlen in Thailand die Regenmacher. Das Department of Royal Rainmaking and Agricultural Aviation verfügt zwar über 41 Flugzeuge, doch nur noch über 53 Spezialisten für diese Flüge durch die Wolken.

Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass es im April von alleine zu regnen beginnt. In den letzten Tagen hat es in Bangkok wohl geregnet, landeinwärts bleibt die Erde aber trocken und staubig. Der Wind treibt den Staub dann durch alle Ritzen und die Häuser auf dem Land haben viele davon. Es wundert in dieser Situation nicht, dass gerade die Landbevölkerung jetzt wieder Hilfe bei den Geistern sucht und die Wassergeister mit einem guten Abendessen zu besänftigen sucht.

In fast 4.000 Kommunen ist inzwischen die Versorgung mit Trinkwasser ausgefallen. Das Trinkwasser muss inzwischen mit Tankwagen verteilt werden. Und glücklich ist, wer neben einem WC noch ein klassisches Plumpsklo besitzt, das auch ohne Wasserspülung funktioniert. Bis zum April wurden 26 der 76 Provinzen Thailands zu Notstandsgebieten erklärt.

Kann man die Einwohner noch per Tankwagen mit Trinkwasser versorgen, sieht es für die Reisbauern bitter aus. Der in Thailand üblich Nassreis-Anbau benötigt seht viel Wasser und steht auch wegen des Methanausstoßes immer wieder in der Kritik. Solange genügen Wasser da ist, hat er jedoch einen beachtlichen Vorteil gegenüber dem Trockenreisanbau. Er benötigt praktisch keine Herbizide und schont so nicht nur das Grundwasser, sondern auch die Gesundheit und den Geldbeutel der Farmer. (Christoph Jehle)

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