Dumpfe blaue Zahngeräusche

Digitale Funk-Audioübertragung: Der zweiter Versuch

Apples Airport Express ist ein schöner WLAN-Accesspoint. Die Zusatzfunktion „drahtlose Musikübertragung“ klappt jedoch nur mit der Apple-Software Itunes – nicht ganz das, was man eigentlich will (Der Musikfunker in der Steckdose). Doch Telepolis gibt so leicht nicht auf und versuchte erneut, einen jämmerlich quäkenden Notebook schnurlos mit besseren Lautsprechern zu koppeln.

Es ist schon so eine Sache, wenn man Computer nicht nur zum Spielen, sondern wirklich zum Arbeiten benutzt. So ist bei Notebooks garantiert nach einigen Wochen das E blank getippt, denn während bei normalen Desktop-Tastaturen heute die Buchstaben in die Tastatur per Laser eingebrannt werden, gibt es bei Notebook-Tastaturen nur Siebdruck: Schaut schön aus, hält aber nicht.

Bei Aldi-Notebooks fehlen dann nach zwei Jahren schon mal E, N und A auf der Tastatur, was zusammen mit dem defekten und auch als Ersatzteil nicht mehr beschaffbaren Akku und dem wegen des defekten Akkus durchgebrannten und ebenfalls nicht mehr wiederbeschaffbaren Netzteils den Wiederverkaufswert des Geräts deutlich senkt: Ein Labornetzteil als Ersatz mag in einer Computerredaktion gerade noch als „standesgemäß“ durch gehen, für den normalen Notebooknutzer ist es dagegen ein Witz, wenn das Netzteil plötzlich dreimal so viel wiegt und doppelt so groß ist wie der Computer. Außerdem gibt es bei Aldi prinzipiell nur Windows XP Home – ein Update auf die Vollversion ist mit vernünftigem Aufwand und zu akzeptablen Kosten nicht möglich. Außerdem bleiben stets einige Treiber auf der Strecke.

Von fehlenden Buchstaben und Leerzeichen

Fujitsu-Siemens hat erstklassige Notebooks, doch passiert auf deren Tastaturen das mit den abreibenden Buchstaben mitunter im Zeitraffer: das E fehlt dann bereits nach einigen Wochen und nach drei Monaten wird das Tippen für Redakteure ohne Zehnfinger-Schreibkenntnisse schwierig. Die vorzeitig verblichene Tastatur wurde dann zwar regelmäßig und kostenlos vor Ort gewechselt, aber so richtig überzeugte auch dies nicht.

Bei Xeron wiederum ist das abreibende E gar kein Problem: Bevor die Buchstaben zur Neige gehen, gibt nach sechs Monaten nämlich bereits die Leertaste den Geist auf, wasdanndieTextemitunteretwasschwerlesbarmacht. Der Xeron-Service kennt das Problem zur Genüge:

Wenn dabei ein Nocken unter der Leertaste gebrochen ist, so fällt dies prinzipiell nicht unter die Garantie – nur elektrische Ausfälle sind nach Willen des Gesetzgebers Garantiesache, aber keine mechanischen: Wenn im Inneren der Tastatur etwas bricht, so kann dies schließlich durch unsachgemäßen Tastaturgebrauch des Benutzers entstanden und somit niemals ein Garantiefall sein.


Lieber einen M dion, einen Fujitsu-Si m s oder einen Xfron? (Bild: W.D. Roth)

Ahja, was ist denn unsachgemäßer Tastaturgebrauch? Mehr als ein Artikel am Tag, mehr als 12 Stunden Tippen am Stück oder gar Nachtschreiben bei zugezogenen Vorhängen nach 21 Uhr? Nein, wenn ein schweres Buch auf die Tastatur gefallen sei, so die Xeron-Hotline. Ein Buch? Ja woher soll denn hier noch ein Buch herunterfallen, das Aufhängen von Bücherregalen im Computerraum ist doch untersagt, seit die vom heimwerkerisch extrem herausgeforderten Vormieter mit zu kleinen Dübeln und Tempo-Taschentuchfetzen in der Wand nur scheinbar befestigten Bücherregale vor 3 Jahren von der Wand gefallen sind und damals ausgerechnet den guten Eizo-Monitor geplättet haben?

Ein Notebook-Lautsprecher ist keine HiFi-Box

Egal, 130 Euro sind für eine neue Tastatur fällig, man ist ja nicht Fujitsu-Siemens, obwohl es eine völlig neue Erkenntnis ist, dass es bei Tastaturen nur auf elektrische Fehler Garantie gibt, doch sollte der Fehler noch mal vorkommen, sei es dann immerhin Kulanz, so der Geschäftsführer. 6 Monate sind seitdem rum, doch nochgehtdieLeertaste…oder? Ja, doch. Und das E ist auch noch da, tarnt sich allerdings bereits als F. Dafür hat Xeron inzwischen einen neuen Inhaber und Geschäftsführer. Ob der sich wohl noch an die Zusage des alten Geschäftsführers gebunden fühlt, wenn die Leertaste erneut schlapp macht?

Bleibt das Problem mit dem Quäklautsprecher, der regelmäßig zu Ohrensausen führt, wenn man einmal ohne Sicherung durch entsprechende Software (Entspannt surfen) auf ein Flash-Werbebanner tritt. Mit Kabel kann man zwar externe Lautsprecher anschließen, doch könnte über diese jemand stolpern, zumal sie am Gerät vorne eingestöpselt werden müssen. Über WLAN geht es nicht und analoge Lösungen wie bei Funklautsprechern und Funkkopfhörern auf 863 MHz sind auch nicht zu finden.

Blau blinkender angenehm kompakter Blauzahn-Sender (Bild: W.D. Roth)

Dafür verbreitet sich Bluetooth immer mehr als Mittel zur Audioübertragung und bei Conrad Electronic fand sich ein Gerät aus Taiwan, das genau diese Aufgabe lösen sollte: Der Blue Walker Air2U, bestehend aus einem kleinen Sender MMA02 und dem zugehörigen Empfänger MCR02.

Aufladen, anstecken, läuft

Hatte da nun endlich jemand mitgedacht und eine praktische Lösung konstruiert? Es sah so aus: Stereo-Übertragung, 3,5-mm-Klinkenstecker, passend für Walkmen, MP3-Player und Notebooks, rauschfrei digital und HiFi. Doch wie verträgt sich Bluetooth mit dem im selben Frequenzband bei 2,4 GHz arbeitenden WLAN an einem Gerät?

Das Ergebnis: Bestens! Der kleine Sender wird einige Stunden lang rot leuchtend aufgeladen, bis die Farbe auf blau wechselt. Dann kann er eingeschaltet und am Notebook angeschlossen werden. Sein mit Netzstrom laufendes Gegenpart erkennt ihn sofort, das Signal wird im Gegensatz zur Apple-Airport-Express-Lösung praktisch unverzögert übertragen und das WLAN stört nicht und wird auch nicht selbst gestört. Webradio hören wäre also kein Problem.

Empfänger des „Blue Walkers“ (Bild: W.D. Roth)

Wird keine Tonübertragung gebraucht, so kann man den Sender ohne ploppende Störgeräusche einfach abschalten und Akkukapazität sparen. Blinkt der Sender lila statt blau, ist er schließlich neu zu laden.

Die Höhen schaffen es nicht durch den blauen Zahn

Also nichts zu meckern? Tja, schön wäre es. Denn ausgerechnet mit der HiFi-Übertragung hat der digitale Bluetooth-Standard im Air2U starke Probleme: Die Höhen werden deutlich abgesenkt und der Sound klingt im Vergleich zum Kabel ziemlich muffig. In Winamp kann man zwar versuchen, mit dem Equalizer gegenzusteuern, was jedoch nur teilweise gelingt und nur beim MP3-Dateien überhaupt Wirkung zeigt: Bei WAV, MP2 oder CDs gibt es keine Kodierung des Signals in Frequenzbänder und so ist auch der schöne Equalizer funktionslos.

Warum der Hersteller hier so eine massive und überflüssige Signalverdumpfung vorgenommen hat, weiß man nicht. Möglicherweise schafft der Bluetooth-Standard, der ja eigentlich nur Sprache übertragen soll, die benötigte Bandbreite einfach nicht. Es ist zwar verzerrungs- und artefaktfrei, klingt aber ansonsten wie Mittelwelle. Für leidenschaftliche Musikhörer ist das also nichts, außer beim ohnehin meist klanglich mangelhaften Webradio, womit auch die Verwendung an Walkman oder Ipod hinfällig ist. Wenn es dagegen darum geht, eine Präsentation, ein Video oder ein Telefoninterview vom Notebook anderen Anwesenden komfortabel näherzubringen, erfüllt der Conrad „Blue Walker“ durchaus seinen Zweck. (Wolf-Dieter Roth)