E-Zigaretten: Indirekt gesundheitsfördernd?

Gemeinfreies Schockbild zu möglichen Folgen des Rauchens. Zeichner: Wilhelm Busch.

Eine britische Studie legt nahe, dass die Geräte Versuchen, das Rauchen aufzugeben, zu einer höheren Erfolgsquote verhalfen

Ein Team unter der Leitung des Verhaltenspsychologen Robert West vom University College London (UCL) hat im aktuellen British Medical Journal das Ergebnis einer Auswertung der Daten von mehr als acht Millionen Engländern veröffentlicht, die zwischen 2006 und 2015 versuchten, das Rauchen aufzugeben. Dabei stellten sie fest, dass die Erfolgsquote dieser Versuche fast direkt proportional mit der Verbreitung von E-Zigaretten anstieg, die von vielen Menschen als Mittel zur Entwöhnung genutzt werden.

John Britton, der Leiter des UK Centre for Tobacco and Alcohol Studies an der Universität Nottingham, sieht darin ein starkes Indiz dafür, dass die 2007 aufgekommenen Verdampfer einen entscheidenden Beitrag an dieser gestiegenen Erfolgsquote haben, obwohl nicht auszuschließen ist, dass auch andere Entwicklungen wie etwa gestiegene Tabakpreise und Smartphones, mit denen Fahrgäste heute ihre Hände beschäftigen, wenn sie auf verspätete Verkehrsmittel warten, ebenfalls dazu beitrugen. Sind sie E-Zigaretten die Hauptverantwortlichen für die gestiegene Erfolgsquote, dann haben sie alleine im letzten Jahr etwa 18.000 Engländern den Abschied vom Rauchen ermöglicht, die es sonst nicht geschafft hätten, sich von dieser Gewohnheit zu lösen.

Weil beim Verbrennen von Tabak zahlreiche gesundheitsschädliche (und teilweise krebserregende) Stoffe freigesetzt werden, verdampfen elektrische Zigaretten stattdessen Nikotin, das nur in hohen Dosen giftig ist und sich im Körper nicht ansammelt, sondern relativ schnell abgebaut wird. Eine karzinogene Wirkung des reinen Alkaloids wird von der Mehrheit der Wissenschaftler heute verneint. Damit Raucher auch ohne Rauch ein Gefühl des Inhalierens bekommen, ist das Nikotin mit Propylenglykol vermengt - einem gebräuchlichen Lebensmittelzusatz, der auch als Trägersubstanz in Asthmasprays Verwendung findet. Da kein Rauch entsteht und der Dampf weder Atem- noch Augenreizungen erzeugt, sind auch die Gesundheitsgefahren für Passivkonsumenten deutlich geringer.

In Neuseeland wiesen Forscher bereits 2013 nach, dass E-Zigaretten im Vergleich mit Nikotinpflastern mit 7,3 zu 5,8 Prozent die deutlich bessere Erfolgschance auf eine Tabakentwöhnung bieten (vgl. E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung?). Gegner der Geräte wandten damals ein, mit 657 Teilnehmern und zwei Versuchsreihen könne man keine belastbaren Aussagen treffen. Zu diesen Gegnern zählte auch die britische Ärztevereinigung BMA, die sich 2014 gegen E-Zigaretten aussprach. Diese Position begründete sie mit dem Vorwurf, weil E-Zigaretten Tabakzigaretten ähnlich sehen, würden sie dazu beitragen, dass Rauchen als "normal" gilt (vgl. Rauchen: Ausweitung der Verbotszonen als oberste Priorität).

In Deutschland führte die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens, die an Homöopathie glaubt, einen Kreuzzug gegen E-Zigaretten, musste aber mehrmals gerichtliche Niederlagen hinnehmen (vgl. E-Zigaretten können weiter frei verkauft werden). Seit Mai sind E-Zigaretten in Deutschland durch die Umsetzung einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2014 reguliert, die das Inverkehrbringen von Flüssigkeiten erlaubt, deren Nikotingehalt 20 Milligramm pro Milliliter nicht übersteigt. In einer ersten Fassung der Richtlinie wollte die EU einen Grenzwert von lediglich vier Milligramm durchsetzen. Der wurde aber angehoben, nachdem der Verband des E-Zigaretten-Handels (VdeH) und die E-Cigarette Associations Alliance (ECAA) vorbrachten, dass eine so niedrig angesetzte Nikotin-Obergrenze für E-Zigaretten dazu führe, dass viele Raucher lieber beim deutlich gesundheitsgefährdenderen Tabak bleiben (vgl. Zur "nachhaltigen Tabakkonsumeinschränkung" nicht geeignet).

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