EU: 60 Prozent der positiven Asyl-Entscheide entfallen auf Deutschland

Eurostat: EU-weit wurden im letzten Jahr 538.000 Asylbewerber als schutzberechtigt anerkannt - ein Rückgang um 25 Prozent gegenüber 2016

Über einer halben Million, genau 538.120, Asylsuchenden wurden im Jahr 2017 von den 28 Mitgliedstaaten der EU der Schutzstatus anerkannt. Das geht aus einer aktuellen Mitteilung des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) hervor.

Die EU schirmt sich stärker ab, über die Balkanroute wie auch über die zentrale Mittelmeerroute gelangen deutlich weniger Asylsuchende in die Mitgliedsstaaten. Gegenüber 2017 ging die Zahl der Anerkennungen von Asylgesuchen um 25 Prozent zurück.

Als Zahl der Neuansiedler im Rahmen eines Resettlement-Programms wurden im vergangenen Jahr 24.000 notiert. Bis Herbst 2019 sollen EU-weit mindestens 50.000 dazu kommen, wie EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos diese Woche erklärte. Die Zusagen dafür liegen vor.

Deutlich wird in der Eurostat-Bilanz über den bewilligten Schutzstatus von Flüchtlingen (EU-Richtlinie) im Jahr 2017, dass das Gros der Asylanträge in Deutschland gestellt wurde. "60 Prozent der positiven Entscheide entfielen auf einen einzigen Mitgliedsstaat: Deutschland", heißt es im Bericht (zur Gesamtzahl der Anträge siehe unten).

Die Abstände sind beträchtlich: In absoluten Zahlen wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 325.370 Anträge positiv beschieden. An zweiter Stelle steht Frankreich mit 40.575, an dritter Italien mit 35.100, danach kommt Österreich mit 33.925 und Schweden mit 31.235. Großbritannien, Belgien, Griechenland liegen bei Werten über 10.000; die Niederlande knapp darunter. Der Großteil der EU-Mitgliedsländer liegt weit unter dieser Marke.

Hauptherkunftsländer der Schutzbedürftigen waren 2017 Syrien mit 175.800 anerkannten Flüchtlingen, was genau ein Drittel der Gesamtzahl ausmacht, danach Afghanistan mit 107.000 (19 Prozent) und der Irak mit 64.300 (12 Prozent). Der Anteil der positiven Entscheidungen bei syrischen Flüchtlingen gingen im Vergleich zu 2016 zurück. Da machten sie mit 57 Prozent aller Bewilligungen den Löwenanteil aus.

Die meisten in der EU nach Asyl suchenden Syrer erhielten ihr Bewilligung in Deutschland, nämlich 70 Prozent. In den meisten Ländern stellen die Syrer die größte Staatsangehörigkeitsgruppe, der ein Schutzstatus zuerkannt wurde.

In Belgien, Frankreich, Ungarn, der Slowakei und in Schweden waren es Afghanen, in Großbritannien Flüchtlinge aus Eritrea, in Polen Flüchtlinge aus der Ukraine, in Malta Flüchtlinge aus Libyen und in Finnland Flüchtlinge aus dem Irak.

Interessant ist noch die Gesamtzahl der Asylentscheidungen in der EU in erster Instanz, das war 2017 knapp eine Million, 970. 000. Einen positiven Bescheid in erster Instanz erhielten 443.000. Die zu den insgesamt erteilten 538.000 (gerundet) Bewilligungen fehlenden 95.000 erhielten ihre Bewilligung durch einen "endgültigen Berufungsbescheid". Dessen Gesamtzahl wird mit 266.000 angegeben.

Als Herkunftsländer mit den schlechtesten Anerkennungsraten in der erster Instanz weist die Eurostat-Tabelle Albanien (5%), Kosovo (9%), Armenien (10%), Pakistan (12%) und Bangladesch (18 %) aus - Asylsuchende aus Russland haben einen 19-prozentige Anerkennungsrate.

An der Spitze der Tabelle "Anerkennungsraten in erster Instanz für die zwanzig Staatsangehörigkeitsgruppen mit der höchsten Zahl an erstinstanzlichen Entscheidungen, 2017 (in %)" liegt Syrien (94%), gefolgt von Eritrea (92%), Somalia (69%) und "Staatenlos" - eine Kategorie vermutlich für diejenigen ohne Ausweisdokumente? - mit ebenfalls 69%.

Irak und Afghanistan liegen - wie Iran - im Mittelfeld mit 56 Prozent, 46 Prozent und 54 Prozent Anerkennungsraten. (Thomas Pany)

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