Effekt des billigen Benzins: In den USA wird mehr gefahren

Und es deutet sich an, dass wieder mehr Fahrzeuge gekauft werden, die mehr Benzin verbrauchen

Die niedrigen Ölpreise wirken sich womöglich bereits auf den Verkehr aus. Die Amerikaner sind, wie die Federal Highway Administration berichtet, 2015 die Rekordzahl von 3,15 Billionen Meilen (in etwa 5 Billionen km) gefahren. 2009 wurden 2,932 Billionen Meilen gefahren, seitdem langsam steigend. Damit wurde der Rekord von 2007 noch gebrochen, also in Boomzeiten und vor der großen Rezession, als es noch mehr als 3 Billionen waren.

Allerdings ist die Bevölkerung auch seitdem gewachsen und wird pro Person weniger als noch 2004 gefahren. Damals legten Fahrzeuge pro Person durchschnittlich 10.105 Meilen im Jahr zurück, 2015 waren es noch 9.794 Meilen. Zudem leben die Menschen länger und sind auch länger fit, um weiterhin auf der Straße unterwegs zu sein. Die jungen Amerikaner, die Millennials, sollen zunehmend weniger fahren. Die 18-34-Jährigen sind, so eine Studie des Verkehrsministeriums, von 2000 bis 2010 um 20 Prozent weniger Meilen gefahren. Und es nimmt der Güterverkehr weiter zu, nicht zuletzt durch den Online-Handel.

Doch insgesamt hat die Zahl der zurückgelegten Meilen seit den 1980er Jahren um mehr als 4 Prozent zugenommen, nach einem Knick während der Finanz- und Wirtschaftskrise wird wieder mehr gefahren. Noch ist der Trend der kontinuierlichen Zunahme seit dem 1970er Jahren ungebrochen. Allein zwischen Dezember 2014 und 2015 stieg die Zahl der gefahrenen Kilometer um mehr als 4 Prozent.

Ein Grund, so wird angenommen, dürften die gefallenen Benzinpreise sein. Mitunter kostet ein Liter schon weniger als 50 Eurocent, also unter 1,5 US-Dollar pro Gallone, durchschnittlich sind es 1,73 US-Dollar (1,6 Euro pro Gallone). Zwar ist die Effizienz der Fahrzeuge gestiegen, sie brauchen also weniger Benzin pro gefahrenen Kilometer. Auffällig ist nach einer Studie der University of Wisconsin, dass ab Mai 2015 der Benzinverbrauch pro Kilometer bei Neuwagen zurückgeht - von 25,5 auf 25,1 Meilen pro Gallone. Im Oktober 2007 lag er noch bei 20,1 Meilen pro Gallone und stieg dann im August 2014 auf den Rekordwert von 25,8, um dann ein Jahr lang dort zu stagnieren und schließlich ab Mitte des letzten Jahrs zu fallen.

In der Washington Post wird darauf hingewiesen, dass die Zunahme des Verkehrsaufkommens, mit angeschoben durch die fallenden Benzinpreise, parallel mit sinkenden Ausgaben für die Verkehrsinfrastruktur ist - wie in vielen Staaten wird auch in den USA zu wenig für den Erhalt der bestehenden Infrastruktur gemacht und beginnt diese zunehmend zu verfallen (In den USA bricht die Infrastrukur weg). Insgesamt wurde 1959 noch 3 Prozent des BIP dafür aufgewendet, 2014 waren es noch 2,4 Prozent.

Dafür nahm die Zeit, die die Amerikaner in Staus stehen, nach dem Texas Transportation Institute kontinuierlich zu - von nur 16 Stunden 1982 über 38 Stunden 2010 auf 42 Stunden 2015. Entsprechend längere Zeit wird für das Fahren benötigt, auch in kleineren Städten. Durchschnittlich hat sich für Pendler die Fahrzeit seit 1982 verdoppelt, in Städten mit weniger als einer halben Million sogar vervierfacht.

Die Aussichten könnten also schlecht sein, wenn der Trend so weiter geht, zumal vermutlich autonome Fahrzeuge das Verkehrsaufkommen nicht bremsen werden, wenn nicht die Preise für Benzin oder Energie so stark steigen, dass öffentliche Verkehrsmittel mehr ausgebaut und benutzt werden (Je größer die Parkfläche in Städten, desto mehr Verkehr). Weltweit geht ein Viertel der CO2-Emissionen auf den Transport von Personen und Gütern zurück, bis 2050 könnten sich die Emissionen verdoppeln.

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