Eiertanz in Myanmar

Die Safran-Revolution

Vor der Machtübergabe an die Opposition im Jahr 2007 demonstrierten Tausende Mönche in der Wirtschaftsmetropole Yangon. Dieses Ereignis erregte im Westen große mediale Aufmerksamkeit und ging als "Safran-Revolution" in die Geschichte ein. Auch wenn es eine schöne Metapher und Projektionsfläche für westliches Wunschdenken war, wurde damals ein falsches Bild des buddhistischen Klerus vermittelt. Denn die anderen 700.000 Gottesmänner, die die buddhistische Sangha bilden, blieben zu Hause.

Ein guter Teil von ihnen hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten mit den Militärmachthabern arrangiert, gewöhnte sich daran, von den devoten und gottesfürchtigen Generälen neue Pagoden, Gewänder und Goldplättchen in Empfang zu nehmen, lebte gut mit ihren Almosen. Vielmehr waren es verarmte junge Männer, die nur auf Zeit in Klöster eintraten, die die Proteste organsierten. Die regierenden Generäle sahen sich seit jeher als gute Buddhisten.

Sie unterstützten großzügig ausgewählte Klöster, beschenken Mönche, ließen Pagoden vergolden und neue errichten und erhofften sich damit, von etwaigen Übeltaten rein gewaschen zu werden. Heute ist auch Aung San Suu Kyi auf das Wohlwollen und Unterstützung der Sangha angewiesen. Dabei wird die ethnische Säuberungspolitik gerade von bedeutenden Teilen des buddhistischen Klerus gutgeheißen und aktiv unterstützt.

Kompromisse der Realpolitik

Mit der Übernahme der politischen Verantwortung unterlag Aung San Suu Kyi den Zwängen der Realpolitik. Sie gab in einem Interview zu, "nur eine Politikerin" zu sein. "Ich bin nicht ganz so wie Margaret Thatcher, nein, aber andererseits bin ich auch nicht Mutter Teresa. Ich habe nie gesagt, dass ich das bin." Das ist eine milde Umschreibung der Zwickmühle, in der sie sich befindet, der großen moralischen Kompromisse, die sie zweifelsohne mit ihrem Gewissen eingegangen ist.

Diplomaten in Yangon, der wichtigsten Stadt des Landes, sind in ihrer Kritik sehr zurückhaltend, sie sagen hinter vorgehaltener Hand, dass Aung San Suu Kyi in der Frage der Rohingya de facto machtlos ist. Off the record erzählen sie, dass die Politikerin in privaten Gesprächen ihre Sympathie für diese Volksgruppe betont, aber dies in einem Land, wo die buddhistische Mehrheit der Bevölkerung starke antimuslimische Ressentiments hegt, nicht offen sagen könne.

Diesen Eiertanz kann sie nicht beenden, denn sonst könnte sie bald der Geschichte angehören. Es war nicht sie, die die Befehle gab, Rohingya-Dörfer abzubrennen. Und es war nicht sie, die diese Pogrome stoppen konnte. David Scott Mathieson, ein Burma-Kenner von Human Rights Watch sagte 2017 über die Militärführung: "Sie haben den Jackpot geknackt. Die Demokratie ist erst seit sechs Jahren im Land und sie sind populärer als in all den Jahrzehnten davor".

Die Anschuldigungen, die internationale Kritik an der Staatsberaterin Aung San Suu Kyi, die in ihrer Absetzung münden könnten, sind genau das, was die Militärs wollen. Oder wie es Davidson ausdrückte: "Sie bekommt die ganze Kritik ab und das Tatmadaw (das Militär) kann in Ruhe machen, was es will und was es seit Jahrzehnten getan hat, also Dörfer abfackeln und die Minderheitengebiete terrorisieren" (Marcin Pietraszkiewicz)