Ein Einsparvorschlag für ARD und ZDF

Grafik: TP

Anstatt die Rundfunkgebühren auf 21 Euro steigen zu lassen, könnten die öffentlich-rechtlichen Sender darauf reagieren, dass das Interesse an Fußball abnimmt - ein Kommentar

Im September ist Bundestagswahl. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat erfahren, dass die Gebührensender ARD und ZDF den Regierungen der Bundesländer im selben Monat einen Plan vorlegen wollen, der vorsieht, dass der aktuell bei 17,50 Euro im Monat liegende "Haushaltsbeitrag" (der seit 2013 sowohl von Nutzern als auch von Nichtnutzern der Angebote eingetrieben wird) in Zukunft automatisch steigen soll - bis 2029 auf 21 Euro.

Als Begründung dafür nennt ein Grundsatzpapier, aus dem die FAS zitiert, Kosten für "Zentralisierungsmaßnahmen", die bis 2024 zu 2,2 Milliarden Euro an Einsparungen führen sollen. Diese Einsparungen will man dann allerdings nicht an die Gebührenzahler weitergeben, sondern "in die Vielfalt neuer Angebote des digitalen Medienwandels umschichten" - sprich: privaten Anbietern Konkurrenz machen.

Warum die Investitionen in die "Zentralisierungsmaßnahmen" nicht durch andere Einsparungen aufgebracht werden, bleibt offen. Sollte es ARD und ZDF an Ideen dafür fehlen, finden sie solche zuhauf in Foren und Sozialen Medien. Einen Vorschlag, der dort besonders häufig genannt wird, unterfüttert gerade eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Werbefachmagazins Horizont: Ihr zufolge liefert die Medienpräsenz des Fußballs ein falsches Bild über das Interesse der Deutschen daran. 42 Prozent interessieren sich nämlich gar nicht dafür - und weitere 34 Prozent nur wenig. Die Gruppe der "stark Interessierten" (14 Prozent) und der "Begeisterten" (10 Prozent) macht zusammengerechnet nicht einmal ein Viertel der Gebührenzahler aus.

Sieht man sich die Ergebnisse der Umfrage nach dem Alter der Befragten differenziert an, dann zeigt sich, dass das Interesse weiter zurückgeht: Während sich von den über 60-Jährigen 30 Prozent stark oder sehr stark für Fußball interessieren, sind es bei den 30- bis 44-Jährigen nur mehr 22 und in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen sogar nur 17 Prozent. In diesen beiden Gruppen entspricht der Anteil im Durchschnitt etwa dem, der Fußball bei privaten Bezahlfernsehanbietern konsumiert und deshalb nicht auf eine gebührenfinanzierte Ausstrahlung bei ARD und ZDF angewiesen ist, die mehrheitlich von nicht oder wenig Fußballinteressieren bezahlt werden muss.

Das Argument, der Fußball leiste "gesellschaftliche Aufgaben" (und müsse deshalb von allen bezahlt werden) wird in den letzten Jahren zunehmend durch Ereignisse wie die aktuellen Krawalle in Bielefeld oder Rostock konterkariert.

In Rostock verdächtigt Polizeichef Michael Ebert Mitarbeiter des Vereins Hansa durch eine mutmaßliche Kooperation mit so genannten "Ultras" die Krawalle mit verursacht zu haben, die 1700 Polizisten überforderten. Anhaltspunkte dafür, dass die Vereinsführung des Clubs von der Ultra-Szene (die nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern Verbindungen in die Politik hat) unterwandert sein könnte, gibt es bereits seit Jahren: 2015 gelangten beispielsweise Mails an die Öffentlichkeit, aus denen hervorgeht, dass der damalige Vorstandsvorsitzende Michael Dahlmann mit einem Ultra-Anführer gegen den Aufsichtsrat kooperierte. Mehr Präsenz im Ultra-Block, die die Polizei in einem Sicherheitskonzept forderte, lehnte der Verein ab.

Jörg Schmadtke, der Geschäftsführer des 1. FC Köln, warnt, "dass sich die Ultra-Gruppierungen bundesweit formieren", worauf man "Antworten finden" müsse. Eine mögliche Antwort wäre, den Vereinen, die so etwas dulden oder sogar fördern, die öffentlichen Subventionen entzieht - egal, ob sie aus der Rundfunkgebührenkasse oder auf andere Weise fließen:

Als Teil der über vier Milliarden Euro, die Bund, Länder und Gemeinden in Deutschland jährlich für den Sport ausgeben (vgl. Stadien statt Krippenplätze). In Form riesiger Stadien, die Politiker in völlig überschuldeten Kommunen bauen, um wiedergewählt zu werden (vgl. Der richtige Anreiz). Oder als Gehälter und Zulagen für so genannte "Fan-Eskorten", die einem internen Bericht nach jährlich fast 30 Millionen Euro kosten (vgl. Fußball, Geld und Gewalt). Obwohl die Fußballvereine heute häufig profitorientierte Unternehmen sind, die ihren Spielern hohe Millionengehälter und noch höhere Prämien zahlen, werden sie an den Kosten dafür bislang noch nicht einmal beteiligt.

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