Ein Freund, ein guter Freund

Symbolbild: Pixabay

Kindern soll beigebracht werden, dass sie auch mehr als nur einen besten Freund haben können - die Ideen, die helfen sollen, dies umzusetzen, sind fragwürdig

Ein Freund, ein guter Freund

Das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt

Ein Freund, ein guter Freund

Und wenn die ganze Welt zusammenfällt (aus dem Film "Die Drei von der Tankstelle")

Prinz George, der Sohn des englischen Prinzen William, und seine Frau Kate kennen das Prinzip bereits aus seiner englischen Schule: Den "besten Freund" darf er dort nicht mehr haben. Hintergrund dieses Verbotes ist die Idee, dass alle Kinder gleichgestellt werden sollen, weshalb der "beste Freund" eine unzulässige Bevorzugung eines Kindes wäre. Kinder sollen auf diese Weise schon früh lernen, dass sie mehr als nur einen "besten Freund" haben können.

Ein "sehr faszinierendes soziales Experiment" nennt die Psychologin Dr. Barbara Greenberg diese Idee. Durch die Verbannung des Terminus "bester Freund / beste Freundin" soll dafür gesorgt werden, dass kein Kind sich mehr dadurch ausgegrenzt fühlt, dass es keinen besten Freund hat bzw. niemandes bester Freund ist. Schließlich, so die Befürworter dieser Idee, würden beste Freunde ja auch im Laufe der Zeit sozusagen verloren gehen, sie würden umziehen, ihre Interessen verändern usw., so dass derjenige, der nur einen besten Freund hat, dann alleine dastünde.

Nützliche "Assets"

Dr. Greenberg, die auch die Idee der festgelegten Sitzplätze während der Schulessen befürwortet, ist klar, dass sie niemandem verbieten kann, jemanden als besten Freund zu sehen, dennoch soll auf diese Weise die Idee der vielen Freunde schon früh an Kinder herangetragen werden. Nicht zuletzt soll eine größere Anzahl von Freunden auch im weiteren Verlauf des Lebens nützlich sein.

Gerade die letzte Argumentation zeigt auf, dass hier schon früh die Idee des Networking verwirklicht werden soll. Bereits während die Kinder sich also zwangsweise viele Freunde suchen (sollen), wird vom späteren Leben gesprochen und davon, wie sie von den vielen Freunden profitieren können. Dies ist ein durchaus auch verstörender Gedanke, der beim Networking Erwachsener oft genug eine Rolle spielt: Der Freund wird als quasi entmenschlicht und als "Asset" betrachtet.

So wird auch die Idee der Freundschaft an sich immer stärker an das angeglichen, was neben dem Networking durch Facebook und andere derartige Seiten, Apps etc. befeuert wird: Der Begriff Freund oder auch bester Freund wird inflationär verwandt, wird durch Follower oder dergleichen ersetzt. Die Grundidee der Freundschaft, die auch von selbstlosem Denken und Handeln, von Hilfe und von Freiwilligkeit getragen wird, wird ersetzt durch ein notfalls zwangsweise verordnetes System von "Freunden", die zugeordnet und nach (späterem) Nutzen kategorisiert werden.

Kindern wird bereits früh beigebracht, dass sie sich verstellen sollen

Für die Kinder, die an diesem "faszinierenden sozialen Experiment" teilnehmen müssen, bedeutet dies auch eine Einschränkung ihrer Autonomie. Wer in der gleichen Klasse ist, soll zum Freund per se erhoben werden, wer sich durch besondere Qualifikationen auszeichnet, soll dementsprechend nicht mehr kategorisiert bzw. bezeichnet werden damit sich niemand ausgegrenzt fühlt.

Wie auch Dr. Greenberg feststellt, wird dies nicht dazu führen, dass Kinder nun keine beste Freunde mehr haben werden. Um Ausgrenzung zu vermeiden, dürfen sie dies nur nicht mehr öffentlich zeigen und den Begriff nicht mehr verwenden. Kindern wird also bereits früh beigebracht, dass sie sich verstellen sollen, um den Anschein von Nichtausgrenzung zu erwecken.

Für diejenigen, die z.B. aus nachvollziehbaren Gründen niemandes bester Freund sind, bedeutet dies auch, dass sie letztendlich zwangsinkludiert werden und so nicht mehr erkennen sollen, ob ihr Verhalten beispielsweise dazu beiträgt, eben bisher nicht als (bester) Freund angesehen zu werden. So wird eine gefährliche Illusion geschaffen, die nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern negative Folgen hat.

Später in Teil 2: Clown, Band, Catering - der Kindergeburtstag als Event

(Alexander und Bettina Hammer)