Ein Lebensdauer-Label für elektrische Geräte?

Was steckt hinter den Meldungen über eine weitere Gerätekennzeichnung - eine Ente?

Die bekanntesten Label, die man in Deutschland auf elektrischen Geräten finden kann, sind das EU-Energieeffizienzlabel mit seinen Angaben zum Energiebedarf der entsprechenden Geräte und der vom RAL-Institut in St. Augustin vergebene Blaue Engel, mit dem besonders vorbildliche Geräte auf Antrag gekennzeichnet werden dürfen. Dem aus Lizenzgründen nur in Deutschland nutzbaren Blauen Engel entspricht in anderen EU-Staaten die sogenannte Eco-Flower, die jedoch abweichende Nutzungsbedingungen haben kann. Jetzt also noch ein Lebensdauer-Label?

So schnell mahlen die zuständigen Mühlen dann doch nicht. Zum einen kann eine solche Vorschrift nur noch für den gesamten Binnenmarkt erlassen werden und auf der anderen Seite muss erst einmal definiert werden, was man unter Lebensdauer versteht und wie man diese misst und welche Konsequenzen es haben könnte, wenn die Lebensdauer dann in der Praxis kürzer ausfällt, als angegeben.

Das Thema kommt aktuell wieder verstärkt an die Öffentlichkeit, da das Umweltbundesamt auf seiner Fachtagung Wider die Verschwendung II - Strategien gegen Obsoleszenz am 25. Juni in Berlin aus seinen Projekten zum Thema Langlebigkeit berichtet hat.

Zu den vorgestellten Projekten zählte auch ein Zwischenbericht des Öko-Instituts zum "Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen Obsoleszenz".

Zudem wurden auf der Veranstaltung die Ergebnisse einer Nutzerbefragung präsentiert - und die hat offensichtlich gezeigt, dass die Zufriedenheit der Nutzer mit ihrer Waschmaschine durchaus mit der tatsächlich erreichten Nutzungsdauer korreliert. Bei 38,1 Prozent der Nutzer entsprach die Lebensdauer ihrer Waschmaschine ihren Erwartungen. Lediglich TV-Geräte konnten diesen Wert der Zufriedenheit mit 43,4 Prozent noch überbieten.

Deutlich abgefallen ist die Zufriedenheit dagegen bei den Nutzern von Notebooks. Bei diesen Geräten erreicht die Zufriedenheit mit der Lebensdauer nur 24,5 Prozent. Notebooks haben mit den eingebauten und teilweise nicht wechselbaren Akkus eine deutliche Schwachstelle, denn die Lebensdauer von Akkus hängt nicht zuletzt vom Ladeverhalten des Nutzers und den jeweiligen Umgebungstemperaturen ab. Aufgrund der unter 1000 liegenden Stichprobengröße können die Befragungen nicht als repräsentativ gelten und nur eine allgemeine Tendenz andeuten.

Dennoch leitet das Umweltbundesamt aus diesen Ergebnissen einen Handlungsbedarf ab. Man geht davon aus, dass Verbraucher sich auf eine gewisse Mindestlebensdauer bei elektrischen Geräten verlassen können sollen und dass spezifischen Produkteigenschaften wie die erwartete Lebensdauer oder die Reparierbarkeit so deutlich dokumentiert werden sollten, dass sie bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden können.

Davon würden in der Praxis dann auch die Gerätehersteller profitieren, die langlebige und im Bedarfsfalle reparierbare, aber meist auch schwerere Geräte produzieren und bislang im Zusammenhang mit den Zahlungen benachteiligt werden, die sie für ein künftiges Recycling an die Stiftung EAR bezahlen müssen, obwohl diese Geräte praktisch nie entsorgt werden, sondern notfalls auf dem Gebrauchtmarkt den Eigentümer wechseln.

Das Umweltbundesamt hat zu dem Themenkomplex noch weitere Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben, die jedoch noch nicht abgeschlossen sind. Erst wenn die Empfehlungen aus diesen Forschungsprojekten vorliegen, kann über Handlungsempfehlungen für die Politik nachgedacht werden. Ein einfaches Lebensdauerlabel wird mit großer Sicherheit nicht dabei sein.

Diskutiert wird derzeit, ob sich Mindestanforderungen an die Produktlebensdauer, wie sie mit der Mindestmotorenlaufzeit von 500 Stunden bei Staubsaugern inzwischen vorgeschrieben sind, auch bei anderen Produktgruppen realisieren lässt. Bei Produkten mit einem Energieeffizienzlabel könnte man die Angaben dann dort integrieren. Solange 90 Prozent der Kunden aber schon heute die Angabe "per Annum" für den standardisierten Jahresstromverbrauch nicht verstehen, ist es fraglich, ob eine solche Angabe zielführend wäre.

Schon heute führt das Energieeffizienzlabel dazu, dass die Waschmaschinen immer größer werden und damit leichter einen guten Effizienzwert erreichen, aber in der Praxis nur etwa zur Hälfte befüllt werden und damit unter dem Strich deutlich mehr Strom und Wasser verbrauchen, als kleinere Maschinen mit schlechteren Werten, die jedoch mit der Nennbeladung befüllt werden.

Will man eine Angabe zur Lebensdauer machen, dann muss die nicht nur gemessen werden können, sondern es muss auch ein beschleunigtes Verfahren geben, welches die Lebensdauer gewissermaßen im Zeitraffer testet. Die Testinstitute müssten deutlich erweitern, wenn sie Waschmaschinen 15 Jahre lang betreiben sollten. Zudem wäre das Ergebnis dann obsolet, weil entsprechende Geräte mit Sicherheit nicht mehr als Neugeräte verkauft würden.

Eine Aussage zur Reparierbarkeit und eine entsprechende Serviceverpflichtung des Anbieters wäre mit Sicherheit eine sinnvolle Maßnahme, mit der sich so mancher Hersteller auch vom Billigwettbewerb abheben könnte.

Ein absolutes Reizthema sind in diesem Zusammenhang die Resttintenbehälter bei Tintenstrahldruckern. Die können vielfach nur eine bestimmte Menge Tinte aufnehmen und sind meist nicht auswechselbar. Aus Sicherheitsgründen stellen diese Drucker dann bei Überfüllung die Arbeit ein, obwohl alle anderen Komponenten noch voll funktionsfähig sind. Der Hinweis, dass der Resttintenbehälter wechselbar ist, könnte das Kundenverhalten auch im Billigsektor schnell verändern und den Markt merklich beeinflussen.

Bei vielen anderen Geräten ist es jedoch fraglich, ob eine verlängerte Lebensdauer einer Hardware auch zu einer verlängerten Produktnutzung führt, wenn beispielsweise ein neues Betriebssystem auf einer älteren Hardware nicht läuft und bestimmte Programme ein Betriebssystem-Update voraussetzen. Ein geradezu klassisches Beispiel bietet hier die Unternehmenspolitik von Skype, nachdem das Unternehmen von Microsoft übernommen wurde. Ältere Betriebssysteme werden nicht mehr unterstützt und Kunden somit gezwungen, noch funktionierende Hardware gegen neue auszutauschen.

Ein Lebensdauer-Label, wie es derzeit landauf landab erwähnt wird, ist für absehbare Zeit nicht zu erwarten und so ist die Abschätzung des Preis-Leistungs-Verhältnisses bei elektrischen Produkten noch für lange Zeit dem Käufer überlassen. Das Lebensdauer-Label war vielleicht keine Ente, aber doch eine sehr verkürzte Darstellung. (Christoph Jehle)

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