Ein Lob des Gelddruckens

Der Erfolg des Fiat money verblüfft alle

Wer sagt, dass Gelddrucken schädlich ist? Wahlweise zu Deflation, Hyperinflation, Chaos und Crash führt? Die US Federal Reserve hat sich entschlossen, den Niedrigstzinssatz von 0,00 bis 0,25 Prozent beizubehalten und weiterhin US-Staatsanleihen und Immobiliendarlehen für 85 Milliarden Dollar zu erwerben. Im Monat, nicht im Jahr.

Damit werden alle Theorien widerlegt, das Gelddrucken führe in den Untergang. Im Gegenteil: Gelddrucken erweist sich zumindest in den USA, der EU und Japan als stabilste Form der Schaffung von "Fiat money", von Geld aus dem Nichts. Nutznießer dieses Geldwunders sind alle, die am Monatsersten so geschaffenes Geld von ihrem Konto abheben können: Du und ich zum Beispiel.

Miese Zeiten für Crashpropheten: Das Gelddrucken wird, wie die Crashwarnungen, unbefristet verlängert. Hannich hatte den Crash bereits für 2012 und 2013 prophezeit.

Sechs Wochen vor seinem Tod, am 2. August 1999, sagte der Börsenguru André Kostolany dem Börsenreport einen damals vielen unverständlichen Satz: "Es gibt keine Inflation." Am 25. Oktober 2012 wiederholte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, bei einer Rede vor 150 Abgeordneten des Deutschen Bundestages diese These. Anschließend versprach Draghi den Europäern unbegrenzte Niedrigzinsen und Anleihekaufprogramme. Ist die einst gefürchtete Inflation tatsächlich ausgerottet?

Während im Volke etwa am Beispiel von Mieten, Milch und Strom noch immer die TEURO-Ansicht vorherrscht, die tatsächliche Inflation werde uns verschwiegen, haben sich die Wirtschaftswissenschaftler, die lange glaubten, Inflation sei die natürliche Folge einer Ausweitung der Geldmenge, klammheimlich von der Inflationslehre entfernt. Als Finanzminister Peer Steinbrück 2009 eine Inflationsgefahr beschwor, widersprachen ihm die Ökonomen. Die Angst vor Inflation sei "absurd". Zeit-Autor Mark Schieritz spricht gar von einer Inflationslüge, die etwa von Gold- und Immobilienspekulanten verbreitet werde.

War Inflation, durch die Hyperinflation vor Ausbruch des II. Weltkriegs einst das Schreckgespenst der Wirtschaftspolitiker, nur ein Denkirrtum? Unbegrenzt steigende Schulden jedenfalls scheinen keine Inflation auszulösen - ein Rätsel der Finanzwissenschaft.

Nicht besser steht es um die Gegenthese der Deflation. Zwar stagnieren zumindest in Deutschland die Reallöhne seit Jahrzehnten, zwar führen Niedrigzinsen zu einer ständigen Entwertung reiner Geldvermögen, aber Aktien, Rohstoffe und Immobilien boomen. Wertzuwächse von 50 Prozent in den letzten zehn Jahren sind in deutschen Ballungsgebieten die Regel, nicht die Ausnahme. Selbst italienische Staatsanleihen brachten mitten in der angeblichen Weltfinanzkrise 30 Prozent Rendite.

Druck von russischen Banknoten. Bild: Ria Novosty/CC-BY-SA-3.0

Die USA, Japan und Europa stehen für etwa drei Viertel der Weltwirtschaft. Wenn sie völlig ohne Geldentwertung, Rohstoffengpässe, Nahrungsmittelknappheit, Umweltzerstörung, Bürgerkrieg, Krieg und Massenarbeitslosigkeit beliebig Geld drucken können, dann könnte sich Fiat-money als die wirksamste Medizin zur Erlangung von Wohlstand und Frieden erweisen.

Dass die USA ihr Fiat money dennoch lieber für Waffen, Gefängnisse, Justiz und Kriege ausgeben, erscheint dann als anachronistischer Irrtum, denn mit Geld geflutete Staaten kennen keinen Bürgerkrieg und Terrorismus mehr. Ihre Bürger sind mit Geldverdienen und Geldausgeben beschäftigt. Für religiöse und politische Streitfragen fehlt ihnen nicht nur die Zeit, sondern auch die Motivation: Als Begünstigte eines zwar unverständlichen und sinnfreien, aber funktionierenden Systems verspüren sie keinen Veränderungsdruck.

Die Bürger- und Kolonialkriege im Nahen und Mittleren Osten könnten deshalb die letzten der Geschichte gewesen sein. In Europa, Asien und Lateinamerika wird bereits nicht mehr gekämpft. Wenn Geld nämlich nicht mehr durch Rohstoffausbeutung und Handel buchstäblich aus Blut und Boden erwirtschaftet werden muss, unter dem Schutz von ölfressenden Kampfflugzeugen, Flugzeugträgern und Panzern, dann entfällt sozusagen das Businessmodell. Der Krieg selbst stirbt dann aus - nicht aus politischer Vernunft, sondern weil man Geld auch einfacher haben kann.

Die börsennotierte Schweizer Nationalbank verfügte Ende 2012 über Gold- und Währungsreserven von 499 Milliarden Schweizer Franken - und damit etwa über so viel Kapital, wie das erdölreiche Norwegen in seinem NBIM , dem norwegischen Staatsfonds durch 20 Jahre Ölförderung ansparte.

Der größte Teil der 499 Milliarden Franken steckt in Staatsanleihen der USA, Frankreichs und Deutschlands. Das Geld dafür haben die Eidgenossen einfach gedruckt. Die Norweger haben das natürlich mitbekommen - und ihr Ölgeld ihrerseits in Schweizer Aktien gesteckt. 4,3 Prozent der 4,5 Billionen Norwegischen Kronen des Fonds stecken im Franken der stabilen Alpenrepublik. Damit ist der NBIM der größte Aktionär der Schweiz, die wiederum der größte Gläubiger der Bundesrepublik Deutschland ist. Deutschland wiederum ist der federführende Gelddrucker Europas. Und Europa ist der wichtigste Handelspartner der USA und Japans. Für Nachschub ist also auch künftig gesorgt.

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