Ein Platz an der Sonne für alle, außer Coca Cola

Wütende Weltwasserkonferenz in Plachimada

Sexarbeiter aus Indonesien, tibetische Mönche, pakistanische Hardrocker, tunesische Professoren, irische Nonnen, australische Pazifisten, indische Unberührbare, französische Bauern, afrikanische Frauen - etwa 100 000 Menschen kamen zum Weltsozialforum.

Mit Trommeln, Tanzen und Protestgesang (SZ) wurde der Jahrmarkt der Gutmenschen (FAZ) begangen und Kommentatoren waren sich einig: "Der Umstand, dass der Große groß und der Kleine klein ist, reicht allein nicht zur Kritik." (SZ) und: "In Bombay präsentiert sich nur noch ein diffuses globales Protestkonglomerat" (FAZ). Selbst alte Weggefährtinnen der Sozialforumsbewegung beklagten dieses Jahr die Unverbindlichkeit (vgl. Vom Protest zum Widerstand?).

Wie es sich anfühlt, wenn der Große groß und der Kleine klein ist, das wissen die Einwohner des kleinen indischen Dorfes Plachimada ganz gut. Vielleicht ist die Veranstaltung, die heute in Plachimada beginnt und drei Tage dauern soll, deswegen auch weniger unverbindlich als der "Ein Platz an der Sonne für alle, außer Bush, Coca Cola und Microsoft"-Gipfel in Bombay. Hier in Plachimada, wo in diesen Tagen eine Weltwasserkonferenz stattfindet zu der etwa 5 000 Teilnehmer erwartetet werden, heißt der Gegner ganz klar Coca Cola. Der Konzern sauge förmlich die Gemeinde trocken, so der Vorwurf. Seit 1998, als ein gewaltiger Abfüllbetrieb der Coca-Cola-Company im Reisbauern-Dorf Plachimada errichtet wurde, führe der täglich aus eigens dafür gebohrten Brunnen bis zu 1,5 Millionen Liter Wasser ab. Der Grundwasserspiegel soll sich durch die extensive Wasserentnahme stark gesenkt haben, was zu einem Austrocknen zahlreicher Brunnen in der Gegend geführt habe (vgl. Coca Cola eats it).

Laut der britischen Organisation Actionaid handelt es sich bei dem geschilderten Fall um eines der übelsten Beispiele dafür, was multinationale Unternehmen in armen Ländern anrichten. Das Werk sei 1998 in eine blühende landwirtschaftliche Gemeinde eingebrochen, das gepachtete Land, auf dem vorher Tausende gearbeitet hätten, bietet jetzt rund 140 Arbeitsplätze. Kokosnussplantagen und Reisfelder im weiten Umkreis lägen vertrocknet brach. Einem BBC-Bericht zufolge befinden sich in dem Schlamm, der anfänglich von Coca Cola noch als "gutes" Düngemittel an Landwirte abgegeben und später oft einfach in trockene Flussbette gekippt wurde, hohe Anteile von Blei und Kadmium. Der Coca-Cola-Konzern ist einer der größten direkten Auslandsinvestoren Indiens. Seit Beginn der Protestaktionen gegen den Abfüllbetrieb, dessen "Treiben" sich im Laufe des letzten Jahres zu einer regelrechten cause celébre von Globalisierungsgegnern entwickelt hat, kam es bereits zu mehr als 300 Festnahmen.

Dass jetzt erstmals eine Weltwasserkonferenz in einem kleinen Dorf stattfindet, erreichte die indigene Bevölkerung von Plachimada mit einem monatelangen Sitzstreik. Dementsprechend stolz ist man auf die Veranstaltung. In Plachimada könne der zerstörerische Charakter der Großkonzerne aufs deutlichste demonstriert werden. Themen sind neben Cokes ausbeuterischem Durst auch allgemeine Fragen der Wasserrechte, der Wasserverschwendung und der Wasserprivatisierung (vgl. Der große Durst). "Coca-Cola wird bald von einem globalen Boykott zuvor nie da gewesener Kraft und Wut erschüttert werden", prophezeit Naeem Mohaiemen in Alternet. So soll auch die Klage der kolumbianischen Ernährungsgewerkschaft gegen die Coca-Cola-Werke erneut Aufmerksamkeit erregen (vgl. "Coke did nothing", Sieben Morde bei Coca Cola). (Michaela Simon)

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