Ein Roboter als schwarzer Sheriff

Blick in die Zukunft? In Atlanta hat sich ein Barbesitzer einen ferngesteuerten Roboter gebastelt, um unerwünschte Personen zu vertreiben

Polizei, Militär und andere Sicherheitskräfte setzen schon gerne einmal ferngesteuerte Roboter, um aus sicherer Entfernung ein Gebiet zu erkunden oder auch schon mal Gegner mit den Waffen an Bord anzugreifen, Bewachungsroboter werden auch für den Schutz von privaten Gebäuden und Wohnungen angeboten. Zudem gibt es schon lange Roboter-Baukästen und genügend Enthusiasten, die als Bastler selbst Hardware und Software fabrizieren, um die Welt mit ihren eigenen Kreationen zu bevölkern.

Ein Barbesitzer hat sich nun einen ferngesteuerten Roboter für seine eigenen Zwecke zusammengebastelt, die allerdings Unmut erregen können und möglicherweise Vorbote für künftige Entwicklungen sein werden. Aus primitiven Mitteln hat Rufus Terril aus Atlanta einen über einen Meter großen, immerhin 150 kg schweren Roboter auf drei Rädern gebaut, mit dem er nicht nur seine Bar aus der Ferne vor unerwünschten Eindringlingen verteidigt, sondern gleich auch die nähere Umgebung .

Sein Roboter dient auch nicht nur der Überwachung, sondern ist auch ein Kampfroboter, wenn auch noch ein ziemlich harmloser. Man wird allerdings darauf warten können, dass zum Schutz von Häusern und Gärten bald auch Roboter eingesetzt werden, die mit Schusswaffen oder mit sogenannten nichttödlichen Waffen wie Elektroschockgeräten ausgestattet sind. Terril hat seinen noch ziemlich ungefügen, mit Gummi zum Schutz vor Wasser und Schlägen überzogenen und schwarz gestrichenen Roboter mit einem Scheinwerfer, einer Infrarotkamera, einem Lautsprecher und einem kleinen Wasserwerfer ausgestattet, um damit, wie er sagt, im Umkreis seiner Bar Drogenhändler, Taschendiebe und Obdachlose oder was er dafür hält zu vertreiben. Bislang scheint er mit der Polizei wegen seines schwarzen Sheriffs noch keine Probleme bekommen zu haben.

Offenbar hat Terril Vergnügen daran, mehrmals in der Nacht seinen Roboter loszuschicken, den er mit zwei Joysticks und einigen Knöpfen und Schaltern steuert und immerhin auf der Straße, also im öffentlichen Raum, herumfahren lässt. Wenn er mit der Kamera jemanden sieht, der ihm nicht gefällt, schaltet der selbsternannte Hüter der öffentlichen Ordnung den Scheinwerfer an und befiehlt den Anwesenden über den Lautsprecher zu verschwinden. Wenn die dann nicht wollen oder Flaschen bzw. Dosen auf den Roboter schmeißen, wird scharf mit Wasser geschossen – angeblich aber nur mit einem schwachen Strahl.

"Sie stieben wie Schaben auseinander", sagt Terril, der sich offenbar als Ungezieferjäger versteht. Seine Rechtfertigung ist, dass die Polizei nicht genügend einschreitet und für Sicherheit sorgt. Also nimmt er dies selbst in die Hand und behauptet, dass er mit seinem Roboter Verbrechen verhindert habe. Allerdings scheint sein Kampf vor allem gegen Obdachlose zu gehen, die aus einem Heim in der Nähe kommen. Da sein Roboter anscheinend auch auf der Straße vor seiner Bar patrouilliert, dürfte er nicht nur Privateigentum, also den Parkplatz und das Grundstück schützen, ganz eindeutig ist dies aber den Medienberichten nicht zu entnehmen.

Das ist alles noch ein wenig skurril und exotisch. Allerdings wird man sich nicht nur überlegen müssen, wer unter welchen Bedingungen Drohnen fliegen lassen darf, wie dies in den USA und in der EU gerade vorbereitet wird, sondern demnächst auch, wer welche Art von Fernlingen mit welchen Kapazitäten im öffentlichen Raum umherwandern lassen darf. (Florian Rötzer)

Anzeige