Ein gutes Dutzend Demokraten und John McAfee wollen Trump herausfordern

John McAfee. Foto: Gage Skidmore. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Der IT-Pionier möchte für die Libertarian Party antreten und macht einen Wahlkampf, der den von Donald Trump an Unterhaltungswert übertreffen könnte

Am 3. November 2020 entscheiden die Amerikaner darüber, ob ihr Präsident Donald Trump eine zweite Amtszeit bekommt oder von einem Politiker der demokratischen Partei abgelöst wird. Die Vorwahlen dafür beginnen am 3. Februar 2020 mit Caucus-Versammlungen in Iowa. Die ersten bekannteren Bewerber dafür waren die Senatorin Elizabeth Warren, die interventionskritische Irakkriegsveteranin Tulsi Gabbard und Barack Obamas Wohnungsbauminister Julián Castro (vgl. US-Demokraten: Bewerberfeld für die nächste Präsidentenwahl formiert sich).

"Diversität" mit lauter Juristen

Aus diesen Drei wurden mehr: Als vorerst (aber wahrscheinlich nicht endgültig) letzte Bewerberin warf am Wochenende die 59-jährige Amy Klobuchar ihren Hut in den Ring. Die slowenisch-schweizerischstämmige Senatorin aus Minnesota wurde einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als sie der Sänger Justin Bieber für ihren Commercial Felony Streaming Act scharf angriff.

Diese inzwischen beerdigte Immaterialgüterrechtsverschärfung sah für unlizensiertes Videostreaming, das "wirtschaftliche oder finanzielle Vorteile" bringt, eine Haftstrafe in Höhe von bis zu fünf Jahren vor. Der konkreten Formulierung im Gesetzentwurf der gelernten Juristin nach hätte man unter den Tatbestand auch Coverversionen auf YouTube subsumieren können, mit denen Bieber bekannt wurde (vgl. Justin Bieber will Urheberrechtsextremistin hinter Gittern sehen).

Ebenfalls eine Juristin aus dem demokratischen Parteiestablishment ist die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand, die am 16. Januar bekannt gab, dass ein Sondierungskommitee ihre Kandidatur prüft. Die einer Anwaltsdynastie entstammende blonde Frau mit englischen, schottischen, irischen, deutschen und österreichischen Vorfahren gelangte vor allem durch die #MeToo-Welle US-weit in die Medien.

Auch die kalifornische Senatorin Kamala Harris, die ihre Bewerbung am 27. Januar bekannt gab, ist Juristin, aber jamaikanisch-indischer Abstammung. Ihre Positionen ähneln vor allem außenpolitisch denen von Hillary Clinton, was sie zu einer Art Gegenpol zur einmischungsskeptischen Tulsi Gabbard macht. Ein weiterer ausgebildeter Jurist ist der kahlrasierte Afro-Amerikaner Cory Booker, der sich in New Jersey zum Senator wählen ließ und seine Teilnahme an den Vorwahlen der Demokratischen Partei am 1. Februar verkündete.

Weniger bekannte Bewerber

Bislang weniger bekannte Bewerber für diese Vorwahlen sind der 92 Millionen Dollar schwere Marylander Kongressabgeordnete John Delaney, der offen homosexuelle maltesischstämmige Afghanistanveteran und South-Bend-Bürgermeister Peter Buttigieg, die jüdische Buchautorin Marianne Williamson, die für Sklaverei-Reparationszahlungen an Schwarze wirbt, der chinesischstämmige Unternehmer Andrew Yang, der "Free Hugs Guy" Ken Nwadike, der Sonnenenergieapostel Harry Braun und der Grundeinkommensbefürworter Michael Arth.

Neben den Demokraten wird auch die Libertarian Party einen Präsidentschaftskandidaten ins Rennen schicken. Der mit Abstand bekannteste unter den bislang fünf Bewerbern dafür ist der IT-Pionier John McAfee. Er macht mit einem "Pepe-PAC", Memes wie Whale Humping und anderen dezidierten Tabubrüchen einen Wahlkampf, der den von Donald Trump an Unterhaltungswert durchaus übertreffen könnte.

Dass er im amerikanischen Zweiparteiensystem eine realistische Chance hat, glaubt McAfee selbst nicht. Seinen eigenen Angaben nach will der Steuerverweigerer, der sich derzeit an einem unbekannten Ort aufhält, auch gar nicht Präsident werden, weil er dann nur "eine Marionette [wäre], die an tausend Schnüren hängt". Stattdessen möchte er die Wahlkampagne dazu nutzen, um den Amerikanern zu sagen, dass ihre Regierung nicht mehr für das Volk arbeitet, sondern das Volk für die Regierung.

Sprecher von Gewerbeaufseher Hugo Habercore aus der Zeichentrickserie Bob's Burgers bewirbt sich bei Libertären

Zweitbekanntester Bewerber bei den Libertären ist nach dem Rückzug des Transhumanisten Zoltan Istvan der Komiker Sam Seder, der in der Zeichentrickserie Bob's Burgers die Figur des Gewerbeaufsehers Hugo Habercore spricht. Ob seine Bewerbung bei der Libertarian Party ernst gemeint ist, ist insofern offen, als der vorher eher nicht mit ihr in Verbindung gebrachte 52-Jährige auch verlautbarte, er wolle bei der Senatswahl 2022 bei den Demokraten antreten, um dort Charles Schumer den Senatssitz abzunehmen.

Im letzten Jahr hatte Seder Bekanntschaft mit den heute viel stärker als in den 1970er Jahren präsenten Tabus gemacht, als sein Vertrag mit MSNBC wegen des sarkastischen Tweets "Don't care re Polanski, but I hope if my daughter is ever raped it is by an older truly talented man w/ a great sense of mise en scene" nicht verlängert wurde. (Peter Mühlbauer)

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