Eine Wand aus gefrorener Erde soll das AKW Fukushima schützen

Das Kühlbecken im Reaktorgebäude 3. Das Bild wurde im September 2011 gemacht, aber erst ein Jahr später veröffentlicht. Bild: Tepco

Aus den Reaktorgebäuden tritt nicht nur radioaktiv kontaminiertes Wasser aus, es dringt auch immer mehr Grundwasser ein. Japans Regierung will möglichst schnell wieder die abgeschalteten Reaktoren ans Netz bringen

Im AKW Fukushima gibt es nicht nur das Problem, das radioaktiv verseuchtes Kühlwasser aus den Reaktorgebäuden austritt und in das Meer oder ins Grundwasser gelangt, sondern dass durch Risse in den Gebäuden, die vom Erdbeben verursacht wurden, Grundwasser in diese einfließt. Dadurch nehme die Menge des radioaktiv verseuchten Wassers, dessen Speicherung und Beseitigung zu den derzeit größten Problemen gehört, um 400 Tonnen täglich zu.

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Der Betreiberkonzern Tepco hat nun den Vorschlag einer Firma aufgegriffen, wie Asahi Shimbun berichtet, um die Gebäude im Erdboden "Wände" aus gefrorener Erde zu errichten, um zu verhindern, dass das Grundwasser weiter in die Reaktorgebäude gelangt. Auch dieser Vorschlag, der dem Industrieminister Toshimitsu Motegi gestern vorgelegt und von diesem befürwortet wurde, zeigt erneut, dass die Bewältigung der Katastrophe aufgrund mangelnder Vorbereitung mit der Einstellung eines Bastlers geleistet wird, der halt mal versucht, was ihm aus der Not gerade einfällt. Nach einem Tepco-Mitarbeiter sei der Plan technisch schwierig umzusetzen, aber man werde dies nun versuchen. Der Vorschlag wird von der Regierung auch in die mittel- und langfristige Planung zum Rückbau von AKWs aufgenommen. (Ein Leser wies im Forum zurecht daraufhin, dass ein solches Gefrierverfahren im Bergbau schon lange verwendet wird.)

Vorgesehen ist, um die Reaktorgebäude Rohre im Abstand von einem Meter bis zu einer Tiefe von 30 Metern zu vergraben und in diesen Kühlmittel zirkulieren zu lassen. Die sollen mit -50 Grad Celsius den Erdboden zum Gefrieren bringen. Der Vorteil sei, dass man diese Mauer schneller bauen könne und sie auch mehr Grundwasser abhalten könne als mit anderen Methoden, beispielsweise mit Lehm oder Split.

Man vermutet, damit täglich 100 Tonnen Grundwasser abhalten zu können. Der Bau soll Hunderte von Millionen Euro kosten, auch die Kosten für den Betrieb werden als hoch eingeschätzt. Es soll nun eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, um das System zu planen, das 2015 funktionsfähig sein soll. Bis dahin wird also noch viel Wasser in die Gebäude einfließen - und teils auch unkontrolliert wieder austreten.

Bau eines Behälters zum Aufbewahren radioaktiv verseuchten Kühlwassers. Bild vom 6. April 2013: Tepco

Tepco überlegt auch, Brunnen um die Reaktorgebäude herum zu bohren. Aus diesen soll dann das Grundwasser herausgepumpt werden, bevor es in die Gebäude eindringt. Nach einer Sicherheitsprüfung soll es ins Meer weitergeleitet werden. Aber was wird man machen, wenn es radioaktiv kontaminiert ist?

Die japanische Regierung will nun trotz der Widerstände in der Bevölkerung möglichst schnell versuchen, die abgeschalteten Reaktoren, wenn sie von der Atomsicherheitsbehörde als sicher erklärt werden, wieder ans Netz zu bringen, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. Die Absicht hat sie schon länger bekundet, aber nun soll offenbar Ernst damit gemacht werden.

Die Atomenergie soll damit wieder zur wichtigen Grundlage der Energieversorgung werden. Der von der Vorgängerregierung unter dem Eindruck von Fukushima geplante Ausstieg aus der Atomenergie nach 2030 scheint damit wieder Vergangenheit zu werden. Bis auf zwei Reaktoren im AKW Oi sind noch alle weiteren 50 Reaktoren abgeschaltet. (Florian Rötzer)

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