Eine ganz normale (Nazi-) Partei?

Alice Weidel und Alexander Gauland auf dem AfD Bundesparteitag am 23. April 2017. Bild: Olaf Kosinsky/CC BY-SA-3.0

Die AfD agiert zunehmend als eine rechtsextreme Formation, die sich einen populistischen Flügel hält

Laut Medienrecherchen sind mindestens 27 Mitarbeiter der AfD dem rechtsextremistischen Spektrum zuzurechnen. Wenn der Nazi-Skandal zum Alltag wird, dann setzt eine gewisse Routine ein: Wieder mal werden rechtsextreme, menschenverachtende Ausfälle aus dem Dunstkreis der AfD publik - und wieder mal blocken AfD-Größen jedwede Konsequenzen ab.

Diesmal ist es der rechtsextreme parlamentarische AfD-Mitarbeiter Marcel Grauf, dessen Chatprotokolle der vergangenen vier Jahre der Wochenzeitung Kontext vorliegen - und die ein geschlossenes faschistisches Weltbild belegen. Grauf arbeitet für die AfD-Abgeordneten Christina Baum und Heiner Merz im baden-württembergischen Landtag.

Internetkorrespondenz aus vier Jahren des "Mitdreißigers" konnte von Kontext ausgewertet werden. Unter seinen Dialogpartnern waren neben AfDlern "Neurechte, NPD-Funktionäre, Mitglieder rechter Studentenverbindungen". Die Korrespondenz wurde von 2013 bis Ende 2017 unter Pseudonym auf einem zweiten, anonymen Facebook-Account Graufs geführt.

An den Job bei der AfD kam Grauf, der Mitglied der Burschenschaft Germania Marburg war, durch Vermittlung seines Bundesbruders Philip Stein. Stein wiederum ist im parteiinternen Netzwerk um den Strippenzieher Götz Kubitschek aktiv, er leitet die Bewegung "Ein Prozent für unser Land", die sich selbst als "Deutschlands größtes patriotisches Bürgernetzwerk" versteht. In dem Bürgernetzwerk sind laut Kontext Identitäre, Neonazis, Hooligans und weitere ausländerfeindliche Parteiströmungen organisiert.

In seiner Internetkorrespondenz bringt Grauf seine Verehrung für Adolf Hitler und Mussolini zum Ausdruck, er äußert sich zustimmend zum Massenmörder Breivik und zum Rechtsterrorismus.

Die Chatprotokolle sind gespickt mit ausländerfeindlichen, antiislamischen und antisemitischen Äußerungen. Afrikaner werden als Neger beschimpft, Araber als Sandneger, Muslime sollen generell zum "untermenschlichen Verhalten" neigen, was an ihrer "Rasse" liege. Behinderte werden als "Mongos" beschimpft. Geldprobleme ließen sich durch die Besteuerung von Juden lösen, so Grauf, der einen Bekannten im Februar 2016 fragte, ob er lieber Sophie Scholl oder Anne Frank vergewaltigen würde.

Die Gewaltfantasien des Nazis Grauf - der stolz darauf ist, am selben Tag wie Breivik Geburtstag zu haben - kulminieren im Wunsch nach Bürgerkrieg und Massenmord "mit Millionen Toten", gerne auch "mit Frauen und Kindern". Grauf möchte auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen:

Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millione Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Hauptsache es geht los. Insbesondere würde ich laut lachen, wenn sowas auf der Gegendemo passieren würde. Tote, Verkrüppelte. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!

Marcel Grauf

Der Todestrieb des Faschismus, der diesen zum europäischen Bruder des Islamismus macht, wird anhand dieser menschenverachtenden Aussagen des parlamentarischen AfD-Mitarbeiters evident.

Immer wieder bekunden Grauf und Philip Stein ihre Bereitschaft zum Rechtsterrorismus. Als Stein ihm schreibt, sie würden deswegen wohl "alle im Knast" landen, antwortet Grauf: "Solange wir bei der Verhaftung knietief im Blut stehen ist das ok." Den SPD-Politiker Gabriel würde der parlamentarische Mitarbeiter der AfD "am liebsten abknallen". Grauf bringt in der Korrespondenz seiner Hoffnung Ausdruck, "dass es bald knallt", zudem droht er an, "irgendwann" noch auszurasten. Er, sei voller Hass, "könnte auch übelst durchdrehen", so der Breivik-Bewunderer, der Niemanden verurteilen könne, "der ein bewohntes Asylantenheim anzündet".

Marcel Grauf verfasst für die AfD-Parlamentarier Christina Baum und Heiner Merz unter anderem Pressemitteilungen und parlamentarische Anfragen. Der Breivik-Fan, der sich Millionen Tote Frauen und Kinder wünscht, schrieb unter anderem einen Antrag der AfD zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zum "Linksextremismus und Linksterrorismus in Baden-Württemberg".

Wie weit die Akzeptanz solcher nationalsozialistischen Ideologie innerhalb der AfD bereits gediehen ist, wurde an den Reaktionen der AfD-Abgeordneten deutlich, für die Grauf im baden-württembergischen Landtag arbeitet. Die Landtagsabgeordnete Christa Baum erklärte, sie könne nicht nachvollziehen, dass die "jugendliche Vergangenheit meines Mitarbeiters" überhaupt von Interesse sei. Zudem arbeite Grauf sehr gut. Grauf ist Mitte 30, seinen betreffenden Facebook-Account hat er 2017 deaktiviert. Noch 2016 sammelte er Unterschriften für die NPD Baden-Württemberg und hatte Kontakt zu deren Chef, Alexander Neidlein. Der AfD-Abgeordnete Heiner Merz, der ebenfalls auf die Talente des Rechtsextremisten zurückgreift, äußerte sich zu diesen Vorgängen überhaupt nicht.

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