Eine neue CDU mit AKK? Wird Grün das neue Schwarz?

AKK nach dem Sieg auf dem Parteitag. Bild: CDU/Tobias Koch

Alle drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz haben in ihren Bewerbungsreden das Wort Klimaschutz zwar im Mund geführt, aber inhaltlich nicht ernst genommen - Ein Kommentar

Es ist aber die "Überlebensfrage der Menschheit", sagte Angela Merkel 2008, als sie noch als Klimakanzlerin galt. Die Umweltfrage ist die soziale Frage des 21. Jahrhunderts. Diese dramatisch aktuelle Botschaft ist bisher in Deutschland nur bei einer Partei wirklich angekommen: bei den Grünen.

Deshalb gilt für uns Wählerinnen und Wähler: Je schneller und je kräftiger wir die Grünen stärken, desto eher werden und müssen die Alt-Parteien CDU, CSU, FDP, SPD und die Linke aufwachen und die zentralen grünen Themen wie Energiewende, Verkehrswende, Landwirtschaftswende, Bauwende, Wasserwende aufgreifen und mit Inhalt füllen, falls sie künftig noch eine politische Rolle spielen wollen.

Dass die CDU bei ihrem Hamburger Parteitag das demokratische Element ihres Parteinamens so ernst nahm, zeigt, dass diese Partei wandlungsfähig ist. Dieser spannende innerparteiliche, aber faire Wahlkampf mit einer Frau und zwei männlichen Bewerbern wird den Konservativen viel Zuspruch bringen.

Ein Delegierter sprach davon, dass er am liebsten "Friedrich Jens Karrenbauer" wählen möchte. Dieser CDU-Parteitag war ein echter Beitrag zur demokratischen Kultur in unserem Land, ein geradezu spannender Politkrimi. Belebend für die Freude an der Demokratie. Die Süddeutsche Zeitung kommentiert überschwänglich: "Diese Wahl ist die erstaunlichste Wiederbelebung seit Lazarus. Merkel hat durch ihren Verzicht auf den Vorsitz ihre Partei wachgeküsst."

Die Wahl einer Frau nach einer Frau

Die Wahl einer Frau nach einer Frau als CDU-Chefin zeigt einen großen Wandel in der konservativen CDU: So sehr hat Angela Merkel diese Partei verändert. Für eine doch eher konservative Partei ist das schon eine kleine Revolution. Die wichtigste Aufgabe der neuen Parteichefin und wohl auch nächsten Bundeskanzlerin ist, ihre Partei fit zu machen für eine Koalition mit den Grünen und dann den Umweltschutz und Klimaschutz endlich ins Zentrum ihrer Politik zu stellen.

Die Partei Ludwig Erhards hat die historische Aufgabe, die soziale Marktwirtschaft weiter zu entwickeln zu einer ökosozialen Marktwirtschaft. Deren Leitbild: ökosozial statt marktradikal. Die Marktradikalen in der CDU hätten mit einem Vorsitzenden Merz oder Spahn leichtes Spiel gehabt, aber dem Land geschadet. Soziale Ordnungspolitik dürfte unter AKK (=Annegret kann Kanzler) eine größere Chance haben. So war ihrer Bewerbungsrede zu entnehmen.

Wenn AKK sich und ihre Partei für das Umweltthema öffnen und die "Bewahrung der Schöpfung" als das konservative Ur-Thema des 21. Jahrhunderts ernst nehmen und als Konsequenz daraus eine schwarz-grüne Bundesregierung bilden würde, dann könnte es mit der Zukunftsfähigkeit unseres Landes noch etwas werden.

Dann käme zusammen, was zusammen gehört: die Wirtschaftskompetenz der Union und die Umweltkompetenz der Grünen.

Die Aufgabe schlechthin: Wie können wir Frieden, Sicherheit und Wohlstand in den Zeiten der Öko-Krise und der Flüchtlingsströme sichern?

Merkels würdige Stabübergabe an ihre Lieblings-Nachfolgerin hat ganz gut geklappt. Ihre schwindende Führungskraft hat ganz wesentlich damit zu tun, dass sie nach ihrer Zeit als "Klimakanzlerin" vor zehn Jahren das "Überlebensthema" unserer Zeit total vernachlässigt hat. Ihre Nachfolgerin hat jetzt die große Chance, dieses Versäumnis aufzuarbeiten. Grün sollte das neue schwarz werden.

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(Franz Alt)

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