Einfach nur aufladen, reicht nicht

E3DC. Bild: Hendrik-Lüders

Ladestationen für jedes Haus werden Pflicht, doch klimafreundlich sind Elektroautos erst mit PV- oder Windstrom

Geht es nach der EU-Kommission, wird ab 2023 bei Neubauten und Sanierungen der Einbau einer Ladestation für Elektroautos obligatorisch. Jedes Haus soll dann mindestens eine Lademöglichkeit besitzen. In großen Gebäuden, Parkhäusern und Tiefgaragen soll das mindestens jeder zehnte Stellplatz sein.

Auch das neue, 1,2 Milliarden Euro Elektromobilitätsprogramm der Bundesregierung setzt auf die Installation von 15.000 neuen Ladesäulen. Das soll die leidige und oft sogar zeitkritische Suche nach einem Stromanschluss entschärfen und das Elektroautos attraktiver machen. Aber steht ein Elektroauto, betankt mit normalem Netzstrom, in seiner Klimabilanz wirklich so viel besser da als ein Verbrenner?

Besonders der hohe Anteil an Kohlestrom verhagelt den Elektroautos immer noch die Bilanz. In Deutschland wird der Strom im Netz zwar schon zu einem Drittel regenerativ erzeugt, bei der Produktion einer Kilowattstunde Netzstrom fallen aber immer noch 535 g CO2 an. Für einen Kleinwagen wie den Renault ZOE mit einem Verbrauch von 15 kWh / 100 km sind das dann 81 g CO2/km. Ein Benziner mit einem Verbrauch von 5,9 l/100 km kommt auf 140 g CO2 / km.

Das Versprechen vom emissionsfreien Fahren lösen Elektroautos also erst ein, wenn der Energieversorger der Ladesäule oder der Wallbox explizit 100 % Ökostrom liefert. Oder wenn der Fahrstrom direkt von der PV-Anlage am Haus geladen wird. Die Nagelprobe wird 2022 kommen, wenn in Deutschland die AKW vom Netz gehen und ihr 14 %-Anteil an der Stromerzeugung ersetzt werden muss. Dann wird sich zeigen, ob die Kohlenmeiler noch mal so richtig eingeheizt werden und den ganzen Elektrohype diskreditieren oder ob dann die Zwangsabregelungen für PV- und Windstrom-Anlagen aufgehoben werden und Vehicle-to-Grid-Konzepte implementiert werden. Damit würde das Elektroauto also auch als Speicher Teil des Energiesystems werden.

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