Elektronische Medien als Helfer der Demokratie in Mosambik

Kommunalen Radioprojekten kommt in dem afrikanischen Land eine wichtige Rolle zu beim Aufbau der Zivilgesellschaft

Trippelschritte auf dem Weg zur globalen Informationsgesellschaft. Klein sind die Fortschritte in Richtung des hochgesteckten Ziels des World Summit of the Information Society (WSIS), Ende 2003 formuliert: allen Menschen Zugang zu Technologie und Wissensressourcen zu gewähren, so auch im südostafrikanischen Mosambik.

„Immerhin haben sich in den vergangenen Jahren neue Internet-Service-Provider in der Hauptstadt Maputo angesiedelt. Insgesamt sind es heute bereits fünf", zählt Giordano Segneri von der italienischen Nichtregierungsorganisation ALISEI. Vor wenigen Wochen hat Segneri seine Arbeit als Projektmanager eines neuen Medienprojektes von ALISEI in Mosambik aufgenommen mit dem Ziel der Schaffung eines landesweiten Zentrums zur Überwachung der Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung und der Einhaltung der Menschenrechte. Nachdem die tiefsten Wunden nun verheilt sind, die der Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1992 geschlagen hat, soll das Projekt helfen, den Frieden im Lande zu festigen. Finanzielle Unterstützung gibt es dafür von der EU.

Es geht uns darum, die Stimmen der Zivilgesellschaft lauter zu Wort kommen zu lassen.

Segneri

Deshalb sollen in allen neun Provinzen des Landes Kommunikationszentren eingerichtet werden, plus ein weiteres in Maputo. Diese Zentren werden untereinander vernetzt und auch mit einem Internetanschluss versehen.

Internetzugang ist in Mosambik noch etwas sehr exklusives. Eigentlich jede Redaktion des Landes verfügt zwar darüber, aber er befindet sich dann meist ausschließlich im Büro des Chefredakteurs.

50.000 Internetnutzer

Die International Telecommunications Union (ITU) zählte im Jahr 2003 bei 18,4 Millionen Mosambikanern gerade einmal 50.000 Internetnutzer. Im Jahr 2002 besaßen nach einer Studie der Weltbank 4,5 von 1000 Mosambikanern einen PC und auf die gleiche Anzahl von Verbrauchern kamen fünf Telefonleitungen. Immerhin 4,4 Prozent der Menschen im Lande verfügten nach der Erhebung im Jahr 2002 über ein eigenes Radio.

Das Pressegesetz in Mosambik kann als eines liberalsten im ganzen südlichen Afrika angesehen werden, sagt Elias Cossa vom dortigen Medienprojekt der UNESCO, Mediamoz. In ihrem Jahresbericht 2004 wiesen die Reporter ohne Grenzen dem Land auf der Skala der Pressefreiheit Platz 65 zu, während Italien zum Beispiel auf Rang 40 kam. Problematisch seien in der Praxis aber die sehr hohen Produktionskosten für journalistische Medien, die entstehen - ähnlich wie in Angola (vgl. dazu Angola wagt die Hoffnung) - aus einem hohen staatlich regulierten Preis für Papier, sehr hohen Druckkosten in den wenigen Druckereien des Landes (mehrheitlich in Staatshand) sowie den Preisen für Kommunikation und Transport, die auf europäischem Niveau liegen. Das ist das Ergebnis einer Studie, welche das UNESCO-Medienprojekt in Zusammenarbeit mit den mosambikanischen Verlegerverband AEJ durchgeführt hat.

Korruption und Vetternwirtschaft werden von Internationalen Organisationen heute als wichtigstes Problem der ehemaligen portugiesischen Kolonie benannt, dies führe auch zu einer Blockade des Wirtschaftswachstums und seien nur durch demokratischen Diskurs im Lande zu überwinden. Der wirtschaftliche Aufschwung des Landes war zwar enorm nach dem Friedensschluss der Bürgerkriegsparteien RENAMO und FRELIMO im Jahr 1992; während der Krieg in Angola - das aufgrund der ebenfalls portugiesischen Kolonialherrschaft Mosambik kulturell und politische nahe steht - noch zehn Jahre weiter tobte, hatte das Land zwischen Zimbabwe, Tanzania und Südafrika Zeit sich zu erholen und vor allem vom Tourismus zu profitieren, zum Beispiel indem es den Kruger Nationalpark auf das eigene Territorium ausdehnte.

Der Bürgerkrieg war 1975 ausgebrochen, nachdem die marxistisch orientierte, größte Befreiungsbewegung FRELIMO ohne Wahlen zur Regierungspartei berufen wurde. Die USA wollten das nicht hinnehmen und setzten auf ethnische Spaltungen im Lande. Mit Unterstützung des CIA nahmen die RENAMO-Rebellen die junge sozialistische Republik ins Visier. Die Bilanz des Bruderkrieges ist grauenhaft. Heute drohen alte Wunden wieder aufzubrechen, meint die RENAMO doch Unregelmäßigkeiten bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2004 ausgemacht zu haben und ist somit nicht bereit die Wahl des FRELIMO-Kandidaten Armando Guebuza anzuerkennen.

Radio am einfachsten verfügbar

Die Medienexperten Elias Cossa und Giordano Segneri sind sich einig, dass dem Radio und ganz besonders den kommunalen Radios in Mosambik eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung einer demokratischen Streitkultur im Lande zukommt; für Organisationen von Frauen, ethnischen Gruppen oder Minderheiten ist es oft das einzige Mittel, mit dem sie ihre Anliegen artikulieren können, um so zu Akteuren der Zivilgesellschaft zu werden.

Menschenrechte sind nicht abstrakt. Im Radio kommen lokale Akteure mit ihren konkreten Anliegen und Problemen zu Wort, diese gilt es in den Kontext der Menschenrechte zu stellen, sagte Giordano Segneri. Gleicher Raum wird auch Umweltschutzaktivitäten und ähnlichem eingeräumt. Das Radio ist als Medium in Mosambik wie in den meisten Ländern Afrikas am einfachsten verfügbar, Zeitungen und Zeitschriften sind nicht nur aufgrund des hohen Preises wenig verbreitet: Heute können gerade einmal 42 Prozent der Mosambikaner lesen. Ein Fortschritt immerhin; als die portugiesischen Kolonialherren 1975 vertrieben wurden, lag die Alphabetisierungsquote gerade einmal bei 22 Prozent, im Jahr 1992 waren es dann bereits 34 Prozent.

Ähnlich wie die italienische Nichtregierungsorganisation ALISEI setzt die UNESCO auf die Schaffung lokaler Medienzentren in den Provinzen. Die Kommunikationszentren (Community Multimedia Centres) von Mediamoz dienen dabei auch gleichzeitig als Radiostation. Im November 2004 ging in diesem Rahmen das kommunale Radio in Manica on air, nahe der Grenze zu Zimbabwe. Das Medienprojekt der Vereinten Nationen hat aber nicht nur Erfolge zu bilanzieren: In verschiedenen Provinzen hat Mediamoz seine Infrastruktur wieder abgebaut, weil das von außen aufgestülpte Angebot nicht von lokalen Initiativen und Medieninteressierten angenommen wurde. Immerhin kann das Projekt auf die Unterstützung von 42 kommunalen Radiostationen und Kommunikationszentren zählen, die im April 2004 eine einwöchige Konferenz mit der Gründung des Nationalen Netzwerkes der kommunalen Radios beschlossen. Giordano Segneri geht sogar davon aus, dass in Mosambik fast 100 kommunale Radios tagtäglich ihr Programm über den Äther senden. Die Szene der kommunalen Radios in Mosambik ist lebendig und vielfältig, sagt er.

Für den Italiener steht ein anderes Problem im Vordergrund: Der Hang der mosambikanischen Journalisten zur Selbstzensur, zur Schere im Kopf, ist sehr verbreitet. Mit einem Fortbildungsangebot will seine Organisiation ALISEI hier zur Veränderung anregen. Der Grund für die Vorsicht vieler Journalisten liegt indes in der jüngeren Geschichte des Landes. Im Jahr 2000 wurde ihr investigativer Berufskollege Carlos Cardoso unter dubiosen Umständen ermordet, nachdem er über Korruption bei der Privatisierung einer Bank berichtet hatte. Erste Ermittlungserfolge wurden erst 2002 erzielt, gegen den Sohn des damaligen Präsidenten Chissano wurde ein Verfahren eröffnet.

Segneri ist optimistisch, dass sein Projekt in den kommenden drei Jahren einen wichtigen Beitrag in Mosambik leisten wird. Der Weg zur Informationsgesellschaft in dem Land, wo nicht viel mehr als die Hälfte der Bevölkerung ungehinderten Zugang zu sauberem Trinkwasser hat und die durchschnittliche Lebenserwartung bei 42 Jahren liegt, der ist indes noch sehr, sehr weit. (Torge Löding)