Elon Musk: "China rockt"

Elon Musk mit einem Tesla-Auto. Foto: Maurizio Pesce. Lizenz: CC BY 2.0

Der Tesla- und SpaceX-CEO lobt das 1,4-Milliarden-Volk und kritisiert die Amerikaner für Selbstgefälligkeit und Anspruchsdenken

In einem Interview mit Jason Stein von Automotive News hat Elon Musk "Selbstgefälligkeit" und "Anspruchsdenken" in den USA kritisiert. Dem Land geht es seiner Meinung nach gerade wie einer Sportmannschaft, die zu lange von Siegen verwöhnt wurde und das nun als selbstverständlich ansieht, weshalb sie wieder zu verlieren beginnt.

Die Untugenden sind seiner Wahrnehmung nach vor allen an Orten wie der Bay Area um San Francisco, Los Angeles und New York präsent. Dem gegenüber stellt er die aktuelle Mentalität in China, wo es eine Menge kluger Menschen mit viel Energie gebe, die "hart arbeiten" würden. "Meiner Meinung nach", so der Südafrikaner zusammenfassend, "rockt China".

Angespanntes politisches Verhältnis

In US-Medien stießen Musks Mahnungen auf Kritik. Teilweise wirft man ihm in diesem Zusammenhang vor, dass er durch Begünstigungen der chinesische Staatsführung beim Bau seines Tesla-Werks in Schanghai beeinflusst worden sein könnte. Allerdings profitierte er auch in den USA von Steuererleichterungen und Vergünstigungen - besonders in Kalifornien und New York.

Dass der Mentalitätsvergleich empörte Reaktionen hervorruft, dürfte auch damit zusammenhängen, dass das politische Verhältnis zwischen den USA und China gerade angespannt ist. Das reicht von den Zöllen und Gegenzöllen, die seit 2018 verhängt wurden, über Vorwürfe zum Umgang mit der Covid-19-Seuche und zur Politik in Xinjiang, Hongkong und dem chinesischen Meer bis hin zur Aussperrung chinesischer Firmen.

Nicht nur amerikanische Firmen beanspruchen Immaterialgüterrechte

Jüngstes Beispiel dafür ist Donald Trump Ankündigung, die vor allem bei Teenagern beliebte Social-Media-Video-App TikTok verbieten zu wollen, die weltweit über zwei Milliarden Mal heruntergeladen wurde und alleine in den USA etwa 100 Millionen Nutzer hat. Sie gehört nämlich dem chinesischen Unternehmen ByteDance - und der US-Präsident hat den Verdacht, dass die chinesische Staatsführung an Daten amerikanischer Nutzer gelangen könnte (was das Unternehmen vehement bestreitet).

Nun will der Microsoft-Konzern ByteDance TikTok abkaufen - was Spekulationen nährt, dass die Verbotsankündigung Teil einer Absprache gewesen sein könnte, um die Verkaufsbereitschaft der Chinesen zu steigern und den Preis zu drücken (vgl. Was wird nach TikTok verboten oder verkauft?). Dazu trug auch Trump bei, als er am Montag verlautbarte, der amerikanische Staat müsse von so einem Verkauf auch finanziell profitieren, weil er ihn ja erst möglich mache.

Ein anderer Streit betrifft den Technologiekonzern Huawei. Der vor 33 Jahren gegründete Hersteller aus Shenzen entwickelt unter anderem Hardware für den Betrieb von 5G-Mobilfunknetzen. Gegen diese Produkte haben die USA inzwischen eine Reihe von Sanktionen erlassen. Zudem üben sie massiven Druck auf andere Länder aus, auf Huawei-Angebote zu verzichten (vgl. 5G-Netze: Briten schließen Huawei aus).

Im Zollstreit verlangt die amerikanische von der chinesischen Staatsführung unter anderem einen umfassenderen Schutz von Immaterialgüterrechten. Den fordern auch chinesische Firmen wie Xiao-i aus Schanghai - aber nicht von den Chinesen, sondern von den Amerikanern. Xiao-i ist nämlich der Meinung, dass die amerikanischen Apple-Programmierer für ihre Siri-Software Spracherkennungspatente für den Xiao-i Robot verletzt haben. Dafür möchte das Unternehmen einer am Montag eingereichten Klage nach 1,43 Milliarden Dollar Schadensersatz sehen.

Handelsdefizit

Weitere Forderungen Washingtons an Peking, sind eine umfassendere Zulassung amerikanischer Importe und Finanzdienstleistungen sowie ein genehmerer Wechselkurs (vgl. US-Handelskonflikte: Verschärfung mit China, Entspannung mit EU). Für den Fall, dass der chinesische Staatspräsident Xi Jinping darauf nicht eingeht, hat US-Präsident Donald Trump weitere Zollerhöhungen auf Waren aus China angekündigt. Dass er dabei am längeren Hebel sitzt, liegt am chinesischen Handelsbilanzüberschuss in Höhe von 345,6 Milliarden Dollar:

Während amerikanische Unternehmen im letzten Jahr nur Güter im Wert von 106,6 Milliarden Dollar in China absetzen konnten, exportierten chinesische Firmen Waren im Wert von 452,2 Milliarden Dollar in die Vereinigten Staaten. Deshalb übersteigt Trumps 200-Milliarden-Dollar-Drohung die maximal möglich chinesische Gegenreaktion (vgl. Handelskrieg: Trump am längeren Hebel). (Peter Mühlbauer)