Email: die neue Schneckenpost

In Südkorea benutzen die jungen Menschen nach einer Umfrage kaum mehr Email, weil sie zu langsam ist

Mit der Email als Kommunikationsform geht es zu Ende, sagen koreanische Wissenschaftler. Grund dafür ist aber nicht die Überschwemmung mit Spam-Mails, die die elektronsichen Briefkästen zumüllen, sondern die Ungeduld der nachwachsenden digitalen Generation. Email hatte einst den normalen Brief als "snail mail" (Schneckenpost) abgelöst. Nun gilt sie selbst als solche.

Will man der Professorin Lee Okhwa glauben, die Computerbildung an der Universität Chungbuk lehrt, dann ersetzen Instant Messenger, SMS und Mini-Homepages, von denen es in Korea bereits über 6 Millionen geben soll, die Kommunikation über Email.

Zumindest in Korea, wo Email als als altes Kommunikationsmittel gilt. So sagt ein Student, dass er Email nur benutzt, wenn er mit älteren Menschen zu tun hat. Eine junge Frau meint, sie benutze ihren Email-Account nur noch für den Empfang von Handy- und Kreditkartenrechnungen. Nach einer Umfrage von Lee Okhwa unter 2.000 Schülern und Studenten hätten zwei Drittel gesagt, dass sie selten oder gar nicht Email benutzen.

Interessant daran sind die Begründungen, die die Wissenschaftlerin herausgefunden hat. Bei Emails sei man sich nicht gleich sicher, ob diese den Empfänger erreicht hätten, zudem würden Antworten nicht gleich kommen. Aber gewünscht wird nicht nur unterbrechungslose Echtzeit-Kommnikation als solche, sie ist auch deswegen notwendig, weil die jungen Menschen Kommunikation als Spiel verstehen. Längere Unterbrechungen sind dann natürlich fade, wenn Zug auf Zug erfolgen soll. Dazu würde auch passen, dass Email eher als eine Art der Arbeit oder als Machen von Hausarbeiten verstanden wird. Der homo ludens scheint sich also mit dem Computer und dem Internet durchzusetzen, allerdings war wohl der Computer mit seinen interaktiven Möglichkeiten immer schon weniger Maschine als Spielzeug.

Die neue Generation hasst Langeweile und Warten. Sie neigt dazu, ihren Gefühlen sofort Ausdruck zu verleihen. Der Niedergang der Email ist eine natürliche Folge von solchen Eigenschaften der neuen Generation.

Lee Okhwa

Die Umfrage scheint von Statistiken bestätigt zu werden. So steigt die Zahl der verschickten SMS stetig an. Allein die SK Telecom, der größte koreanische Telekommunikationsprovider, meldet, dass in diesem Oktober 2.7 Milliarden SMS verschickt wurden - 40 Prozent mehr als im selben Monat vor einem Jahr. CyWorld, Anbieter von Mini-Homepages, berichtet, dass die Pageviews im selben Zeitraum um das 26-Fache von 650 Millionen auf 17 Milliarden zugenommen haben. Gleichzeitig sind die Pageviews bei dem größten Email-Anbieter um 20 Prozent zurück gegangen.

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